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Müllberg statt Radieschen

Im Kleingartenverein Weißeritzblick wächst ein Müllberg. Der Verein ist bisher machtlos dagegen.

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© René Meinig

Rot leuchten die Tomaten und Äpfel in den Kleingärten an der Weißeritz. Mindestens ein Drittel der Parzellen muss zum Anbau von Obst und Gemüse genutzt werden. In einem Garten wächst aber etwas anderes in die Höhe: ein riesiger Müllberg. Statt Salatköpfen sprießen auf rund 200 Quadratmetern Plastiktüten und Einkaufswagen aus dem Boden, gefüllt mit Altglas, Pfandflaschen, Zeitungen, Fahrradteilen und allerlei anderem Müll. Lediglich ein schmaler Pfad führt zur Laube, die mittlerweile unter Kletterpflanzen verborgen liegt.

Angelegt hat die private Mülldeponie Ralf L., ein 45-jähriger Obdachloser. Seit November 2015 pachtet er die Parzelle. Kurz darauf begann er Tüten voller Müll, mit seinem Fahrrad in die Anlage zu transportieren. Nach einem Monat war die Laube voll, im Dezember begann er, den Unrat auch im Garten zu lagern.

Die Mülldeponie in der Sparte ruiniert die Stimmung im Gartenverein an der Hamburger Straße. „Ich lade keine Freunde mehr ein. Ich kann meine Gäste doch nicht neben einen Müllberg setzen“, beklagt sich Kleingärtner Holger Schönfeld. Die vollgemüllte Parzelle ist jetzt ein Fall fürs Gericht geworden. Freiwillig will Ralf L. den Garten trotz Kündigung nicht verlassen. Bei der Verhandlung am 17. August erklärte er, die Nachbarn hätten den Müll in seinen Garten geworfen. Die Laubenpieper verstanden die Welt nicht mehr. Eine Entscheidung soll erst am 16. September fallen.

Bis dahin müssen die Gärtner mit Ralf L. auskommen. Zwar zahlt er keine Pacht, aber er hat für seine Laube 2 800 Euro gezahlt, der Verein darf ihm den Zutritt dazu nicht verwehren – zumindest wenn er ohne Müll kommt. Wie L. an das Geld kam, weiß Siegbert Hoffmann, Vorsitzender des Kleingartenvereins, nicht. Er erklärt aber: „Wenn das Geld da ist, kann ich den vom Vorbesitzer ausgesuchten Nachmieter nur mit triftigen Gründen ablehnen.“ Ralf L. lieferte auf den ersten Blick auch keinen Grund. Er ist nicht besonders ungepflegt, 2015 erklärte er im Gespräch mit der SZ, keinen Alkohol zu trinken und keine Drogen zu nehmen. Hoffmann hofft, dass der Spuk bald ein Ende hat, Ralf L. die Sparte verlässt. Er muss aber auf die Entscheidung des Gerichts warten. Vorsorglich wurde aber die Vereinssatzung angepasst. Für neue Pächter gibt es jetzt eine zweijährige Probezeit. Wenn sie lieber Müll statt Gemüse anbauen, kann ihnen sofort gekündigt werden. (SZ/acs)