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Müllskandal am Riesapark

Ein Wäldchen hinter dem Einkaufszentrum wird als Mülldeponie missbraucht. Nicht der einzige Ort in der Stadt.

© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

Riesa. Während Centermanager Frank Wiedemann durch das kleine Wäldchen hinter dem Riesapark spaziert, kommt er aus dem Kopfschütteln kaum heraus. Vor wenigen Tagen erst hatten die Hausmeister das Grundstück vom Müll befreit, doch schon liegen wieder die ersten Abfälle im Gebüsch und auf dem schmalen Fußweg: Folien, Wellplatten aus Plastik, Gartenabfälle. Laut Wiedemann sind das noch die kleineren Übel. „Wir haben hier auch schon Geschirrspüler, Reifen und Sessel gefunden“, sagt er.

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Die Müllsünder seien „ein Riesen-Ärgernis“ für die Centerbetreiber, erklärt Wiedemann. „Es ist unser Grundstück, wir sind also verantwortlich.“ Aller vier Wochen seien die Hausmeister im Arbeitseinsatz, um den gröbsten Müll einzusammeln, und mehrfach im Jahr werde ein Container bestellt, um die Abfälle abzutransportieren. Mitte vergangenen Jahres sei bei der bisher umfangreichsten dieser Aktionen ein 14-Kubikmeter-Container mit Abfällen zusammengekommen, sagt Wiedemann. Die Kosten für diese Aktionen trägt das Center. Erwischt wurde bislang noch niemand. Die Stelle ist vom Parkplatz des Riesaparks nur schwer einsehbar. Frank Wiedemann vermutet, dass die meisten Täter ohnehin erst im Dunkeln ihren Müll abladen. Nicht einmal die Steinpoller, die Wiedemann an den Zufahrten in den Wald anbringen ließ, hatten bislang etwas bewirkt. Einige Leute seien einfach über eine benachbarte Wiese um die Poller herumgefahren, andere hätten die schweren Steine beiseite gewuchtet, um dann ihren Sperrmüll in die Büsche zu schaffen.

Andere miese Ecken

Das kleine Waldstück ist nicht der einzige Ort in Riesa, an dem regelmäßig Müll fallengelassen wird. Hinter der Arbeitsagentur in der Rudolf-Breitscheid-Straße, am Flugplatz in Canitz, am Oelsitzer Weg in Weida, und hinterm Parkplatz des Seifenwerks an der Canitzer Straße seien derzeit die „beliebtesten“ Plätze, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. Auch Bahnböschungen seien häufig betroffen. Wie viele Fälle von illegaler Müllentsorgung im vergangenen Jahr vom Riesaer Ordnungsamt aufgenommen wurden, lässt sich laut Päsler nicht genau sagen. „Die beim Ordnungsamt angezeigten Umweltsünden werden nicht explizit erfasst. Die Anzeigen beinhalten sowohl Müllablagerungen als auch Lärmbelästigung sowie andere Verstöße.“ 2014 zählte das Ordnungsamt noch 136 solcher Anzeigen, 2015 waren es 158. Das könne einen Anstieg beim Müll bedeuten, müsse es aber nicht.

Zehn Tonnen Müll

Genauer erfasst ist dagegen die Menge des illegalen Mülls, der übers Jahr gesammelt wurde: Zehn sogenannter Abrollmulden seien zusammengekommen, insgesamt etwa 70 Kubikmeter Müll. Je nach den Bestandteilen entspreche das schätzungsweise zehn Tonnen Müll. „Dazu kommen noch die Mengen, die zum Tag des sauberen Riesas eingesammelt wurden“, erklärt Päsler. Das seien im vergangenen Jahr noch einmal knapp vier Tonnen gewesen. Die Stadt bezahlt den Abfallzweckverband ZAOE für die Entsorgung, abhängig von der Art des Mülls. „Für sauberes Riesa zahlen wir als Stadt pro Aktion um die 800 bis 1 000 Euro an den Entsorger“, rechnet der Stadtsprecher vor. Hinzu kommt noch derjenige Müll, den das Landratsamt entsorgen lässt. 2015 waren das 277 Tonnen Abfälle – allerdings im gesamten Landkreis. Uwe Päsler weist noch auf ein anderes Problem hin: „Es ist zur Unsitte geworden, Hausmüll, Sperrmüll und Papier an den Glascontainern und Kleidercontainern abzustellen.“ Auch hierfür trage die Stadt und damit am Ende der Bürger die zusätzlichen Kosten. Laut ZAOE-Sprecherin Ilka Knigge fallen die aber gegenüber den normalen Entsorgungskosten nicht wesentlich ins Gewicht. Der gesamte Landkreis Meißen habe beispielsweise 2014 knapp 99 000 Euro für die Entsorgung gezahlt. Das sei nur ein Prozent der Gesamtkosten öffentlicher Abfallentsorgung.

Es ist ein Rätsel

Centermanager Frank Wiedemann sorgt sich dennoch – auch um mögliche Umweltschäden durch den Müll. „Wieso so etwas gemacht wird, ist mir ein Rätsel. Es gibt doch auch in Riesa einen Wertstoffhof. Stattdessen wird hier zum Teil ein Riesen-Aufwand betrieben.“ Auch Stadtsprecher Uwe Päsler stellt fest: „Von der Möglichkeit, Elektrogeräte kostenlos bei Remondis abzuliefern oder Grünabfälle zu kompostieren, machen viel zu wenige Bürger Gebrauch.“ Er betont aber auch, dass es sich bei den Müllsündern wahrscheinlich um eine sehr kleine Gruppe handle: „Wie überall: die große Masse verhält sich vernünftig, aber einige gehen den einfachen Weg.“