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Münzschatz kehrt zurück

Der Fund der Superlative wird im Stadtmuseum Pirna gezeigt. Über Hintergründe des Verstecks darf weiter spekuliert werden.

© Norbert Millauer

Von Gunnar Klehm

Pirna. Wo hat das Pferd nur seine Beine? Restauratorin Franziska Frenzel-Leitermann muss ganz genau schauen, dass die Münze in der richtigen Position in der Vitrine liegt. Das ist nicht einfach, weil die alten Geldstücke abgewetzt sind. Monatelang haben die Restauratoren des Archäologischen Landesamtes an ihnen gearbeitet, damit sie wieder glänzen. Die Münzen sind Teil eines spektakulären Funds, der ab sofort im Stadtmuseum in Pirna gezeigt wird. Damit kommt ein Schatz zurück in die Sächsische Schweiz – jedenfalls für einige Wochen.

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Es ist der größte Münzfund, den es nachweislich in Sachsen gab. Ende April 2016 entdeckten ihn zufällig zwei Bergsteiger in einer Felsspalte, als sie dort zum Klettern unterwegs waren. Erst waren nur einige Münzen an der Oberfläche in feinem Sand zu sehen. Umgehend benachrichtigten die Entdecker die Polizei, die ihrerseits das Landesamt für Archäologie Sachsen einschaltete. Damit begann für die Archäologen eine einmalige Bergungsaktion. Mehrfach mussten die Experten zu dem bis heute geheim gehaltenen Fundort und legten immer mehr Münzen frei. Schließlich waren es 2 275 Silber- und zwei Goldmünzen. Der Münzschatz hat ein Gesamtgewicht von knapp zehn Kilogramm. Das führte schließlich zum Titel der Ausstellung: „Auf der hohen Kante – 20 Pfund Silbermünzen aus der Sächsischen Schweiz“.

Die Prägedaten der Fundstücke liegen zwischen den Jahren 1626 und 1819. Am wertvollsten ist eine Goldmünze, ein sogenannter Friedrichsdor des Preußenkönigs Friedrich II. von 1770. Den großen Rest der Münzen hätte man früher wahrscheinlich als Kleingeld bezeichnet. Sie waren damals alle als gängiges Zahlungsmittel im Umlauf. Deshalb ist die Qualität auch nicht die, die sich die meisten Sammler wünschen. Das Münzkabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden hat den gesamten Fund dennoch auf 40 000 Euro geschätzt.

Für Archäologen bedeutet er nicht nur Arbeit, sondern er ist von großem ideellen Wert. Lange suchten sie nach Antworten auf viele Fragen. Wer konnte so eine große Menge an Münzen zusammentragen? Warum wurde der Schatz in einer Felsspalte versteckt und nicht mehr hervorgeholt? Sagt die Verpackung etwas über die Umstände aus? All diesen Dingen wurde bereits nachgegangen. Einzelne Ergebnisse werden in der Ausstellung präsentiert. Vieles ist aber weiter ungeklärt. „Dazu wird wohl eine wissenschaftliche Doktorarbeit nötig sein, um noch mehr Zusammenhänge aufzuklären“, sagt Franziska Frenzel-Leitermann. Auf einer ausgestellten Tafel haben Besucher die Möglichkeit, sich an Spekulationen zu beteiligen.

Im Stadtmuseum in Pirna freut man sich sehr, dass für die dritte Station der Wanderausstellung des Landesamtes und des Münzkabinetts Dresden Pirna ausgewählt wurde. Bisher war sie im Museum für Archäologie in Chemnitz und im Finanzministerium in Dresden zu sehen. „Für uns ist das ein Höhepunkt im Jahresprogramm“, sagt Pirnas Museumsleiter René Misterek. Der Schatz an sich sei schon etwas Besonderes. „Erst recht für die Sächsische Schweiz“, sagt er. Die Vorfreude sei bei vielen schon groß. Seit der ersten Ankündigung der Ausstellung habe es zahlreiche Anfragen ans Stadtmuseum gegeben.

Vernissage, 31. Mai, 18 Uhr, Stadtmuseum Pirna, Klosterhof 2; Ausstellung wird bis 26. August gezeigt.