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Multikulti in der Bundeswehr - De Maizière umwirbt Migranten

Der deutsche Pass bleibt die Eintrittskarte zur Bundeswehr. Trotzdem soll die Armee multikultureller werden. De Maizière will verstärkt Migranten für die Streitkräfte begeistern.

Von Michael Fischer

Ankara. Es war eine türkische Uniform, die Erhan Vursavas zur Bundeswehr brachte. Getragen hat sie der Onkel des heute 38-jährigen Majors, als er noch ein kleines Kind war. „Das sah schick aus“, sagt der Offizier heute. Die Uniform war Auslöser für den Berufswunsch des in Nürnberg geborenen Sohns eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter. Heute ist er 18 Jahre bei der Bundeswehr und erstellt beim Eurocorps in Straßburg Lagebilder.

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Vursavas ist einer von inzwischen einigen tausend Bundeswehrsoldaten mit Migrationshintergrund. Zusammen mit der gleichaltrigen Oberstabsärztin Leval Kaya-Yildiz durfte er in dieser Woche seinen Chef auf einer Auslandsreise nach Zypern, in die Vereinigten Arabischen Emirate und schließlich in die Türkei begleiten.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière wollte damit ein Zeichen für die wachsende Bedeutung der Migranten in der Bundeswehr setzen. Für Vursavas ging es um eine besondere Geste an das Herkunftsland seines Vaters. „Dem türkischen Volk zu zeigen, dass wir integriert sind, bedeutet nicht, dass wir unsere türkischen Wurzeln ablegen.“

Belastbare Zahlen zu Migranten beim Bund fehlen

Wieviele Bundeswehrsoldaten mit ausländischen Wurzeln es in den Streitkräften tatsächlich gibt, ist nicht erfasst. Eine aktuelle Umfrage unter Wehrdienstleistenden deutet aber darauf hin, dass zumindest in den jungen Altersklassen die Gesamtbevölkerung bereits abgebildet wird. 26 Prozent gaben an, ausländischer Abstammung zu sein, in der Gesamtbevölkerung sind es in diesem Alter 27 Prozent.

Dem Verteidigungsministerium geht es aber auch um besondere Qualifikationen, die Migranten mitbringen. Gutes Beispiel dafür ist die Truppenärztin Kaya-Yildiz, die erst 2009 zur Bundeswehr kam, aber schon zwei Mal in Afghanistan im Einsatz war. Zu den Afghanen hat sie als Muslimin einen deutlich besseren Zugang als ihre Kameraden. Gerade bei der Behandlung von Frauen sei das von Bedeutung, sagt sie.

Die Anwerbung von Deutschen mit Migrationshintergrund könnte für die Bundeswehr künftig noch wichtiger werden. Nach dem Aussetzen der Wehrpflicht muss sie sich voll und ganz dem Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs auf dem freien Arbeitsmarkt stellen. Pro Job will sie drei Bewerber zur Auswahl haben. Das entspricht 65.000 jungen Leuten und damit rund zehn Prozent eines Jahrgangs - kein einfaches Unterfangen.

Vereinfachte Einbürgerung ist als Anreiz im Gespräch

Den Wehrbeauftragten des Bundestags, Hellmut Königshaus, hat das im vergangenen Jahr dazu veranlasst, sogar eine Öffnung der Bundeswehr für Ausländer zu fordern. Als Anreiz sollte den Migranten eine vereinfachte Einbürgerung angeboten werden. „Voraussetzung muss natürlich sein, dass sich ausländische Kandidaten klar zu unserem Land und dem Grundgesetz bekennen und die deutsche Sprache beherrschen.“ Aber ohne die Öffnung der Bundeswehr für Migranten könne der Personalbedarf langfristig nicht gedeckt werden.

Die Streitkräfte wichtiger Nato-Partner nehmen schon seit Jahrzehnten Ausländer auf. In den US-Streitkräften dienen etwa 30.000 sogenannte „Green-Card“-Soldaten. Die französische Fremdenlegion gibt es bereits seit 170 Jahren. Und in den britischen Streitkräften dienen rund 7.000 Ausländer aus ehemaligen Kolonien und der Republik Irland. Spanien hat seine Streitkräfte nach der Abschaffung der Wehrpflicht im Jahr 2002 für Ausländer geöffnet. Zugelassen sind nur spanischsprachige Einwanderer aus Lateinamerika und der spanischen Ex-Kolonie Äquatorialguinea.

De Maizière will so weit nicht gehen. Für ihn muss die deutsche Staatsbürgerschaft zwingende Voraussetzung für den Soldatenberuf bleiben. „Ein Modell einer Fremdenlegion kommt für Deutschland nicht in Frage“, betonte der Minister in Ankara. (dpa)