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Museumsleiterin ist schon wieder weg

Nach nicht einmal drei Monaten hat Uta Karrer Löbau verlassen. Die Nachfolge übernimmt Stadtarchivarin Corinna Wandt.

Von Markus van Appeldorn

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Auf der Internetseite der Stadt Löbau finden sich aktuell einige Stellenausschreibungen. Zwei Erzieher werden da gesucht und ein Fachangestellter für Bäderbetriebe. Bewerbungen sind bitte an das Hauptamt zu richten. Eine Stellenausschreibung indes fehlt: Die für die Leitung des Stadtmuseums. Die Stelle wurde nämlich blitz-neubesetzt, ohne dass jemand so richtig mitbekommen hatte, dass sie frei war. Erst im August hatte die Stadt Uta Karrer als neue Museumsleiterin präsentiert. Und vor zwei Monaten hatte sich Frau Karrer dem Stadtrat in dessen vorletzter Sitzung persönlich vorgestellt. „Ich freu mich, hier in Löbau zu sein und mitzuhelfen, spannende Sachen für das Museum zu entwickeln“, sagte sie damals. Die Freude war offensichtlich von kurzer Dauer und die Spannung ist raus. Tatsächlich: Keine drei Monate, nachdem die 34-jährige studierte Kulturanthropologin ihren Posten antrat, hat sie ihren Dienst schon wieder quittiert und Löbau verlassen. Ziel unbekannt.

© Matthias Weber

Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) gab sich zu dem Thema in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend betont schmallippig. Er war es auch nicht selbst, der den Umstand zur Sprache brachte. Das erledigte in der Bürgerfragestunde Joachim Herrmann, Vorsitzender des Arbeitslosenkreisverbandes Löbau-Zittau. „Was ist mit der Leiterin passiert? Ich weiß, dass sie nicht mehr da ist“, sagte er. Doch außer einem „Ja“ war Oberbürgermeister Buchholz nicht mehr zu entnehmen. Vom Tisch war das Thema damit nicht. Linke-Stadtrat Professor Manfred Klatte gab dem OB zu verstehen, dass seine Antwort ein bisschen dürftig ausgefallen sei. „Vielleicht können Sie ja doch was sagen und erklären. Sie hat sich hier vor zwei Monaten vorgestellt und ist sang- und klanglos verschwunden“, sagte Klatte. Doch auch dem Stadtrat gegenüber wollte Buchholz keine Informationen zum Blitzabgang der Museumsleiterin herausrücken: „Ich werde keine großen Worte machen. Wir haben uns mit der Frau geeinigt und ich werde hier im Stadtrat nichts dazu sagen. Sie war noch in der Probezeit, das war das Gute.“

Aus Kreisen des Stadtrates und von anderer Seite war in den letzten Tagen ein möglicher Grund für Uta Karrers Weggang an die SZ herangetragen worden. Demnach habe die Museumsleiterin im Rahmen der Neuordnung des Museums ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister über ihre Vorstellungen gewünscht. Der habe ihr aber keinen Termin gegeben. Uta Karrer war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Ob die Darstellung den Tatsachen entspricht, konnte bis Redaktionsschluss nicht geklärt werden. Die Stadt wollte sich auf SZ-Anfrage dazu nicht äußern. Stadtrat Klatte erklärte auf SZ-Anfrage im Anschluss an die Ratssitzung: „Ich möchte nicht mehr dazu sagen. Wir wollen die Frau nicht beschädigen. Es ist sehr traurig, dass sie weg ist.“ Das Verhalten des Oberbürgermeisters in der Ratssitzung kommentierte er: „Sie haben gehört, wie kurz angebunden er war. Sonst redet er ja immer sehr viel.“

Das Stadtmuseum ist seit vielen Monaten ein leidiges Thema. Seit Februar ist das Haus geschlossen – wegen Inventur. Schon in der März-Sitzung des Stadtrats hatte OB Buchholz erklärt, die Inventur würde weit über den ursprünglich geplanten Termin vom 31. März dauern. Dabei machte Buchholz die damalige Museumsleiterin Regine Wiemer für einen chaotischen Zustand der Sammlung verantwortlich. Er erklärte, man würde im Rahmen der Inventur wahrscheinlich vieles wegwerfen müssen und attestierte seiner langjährigen Museumsleiterin: „Die war beratungsresistent.“ Regine Wiemer war seit Beginn der Inventur im Krankenstand und blieb es bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand.

Uta Karrer hatte nach Dienstantritt in der SZ erklärt, dass sie auch mit Löbauern darüber sprechen wolle, was diese vom Museum erwarten. Sie wolle mit Sonderausstellungen starten. Das sei aber wegen der Inventur noch nicht machbar. Mitte August waren erst 10 000 Objekte der gut 60 000 Exponate fassenden Sammlung inventarisiert. Der Oberbürgermeister erklärte nun in der Stadtratssitzung, die Inventur habe große Fortschritte gemacht und verkündete auch eine überraschende Personalie. „Die Museumsleitung übernimmt Frau Corinna Wandt. Die Sonderausstellung wird wahrscheinlich im Dezember eröffnen“, sagte er. Keine Rückkehr ins Museum wird es für den Museumsverein geben. Im Zuge der Inventur hatte der Verein das Museum räumen müssen. Die Stadt ist Mitglied und das Museum satzungsgemäß Vereinssitz. Joachim Herrman sagte, seines Wissens gebe es einen Ratsbeschluss, wonach das festgelegt sei. OB Buchholz: „So einen Beschluss gibt‘s nicht. Sitz des Vereins wird nicht mehr das Museum sein. Punkt.“