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Musizieren für Victoria

Aller guten Dinge sind drei: Eine Violinistin, das Weingut Jan Ulrich und die Inhaber der Gaststätte „Ross“ in Diesbar haben sich zusammengetan.

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© Anne Hübschmann

Von Catharina Karlshaus

Strießen. Katrin Wettin freut sich auf die Begegnung. Die Violinistin aus Medingen kennt Victoria Lenuweit bisher nur über Facebook und vom Telefon. Allerdings: „All das, was ich über sie gelesen habe, hat mich so sehr bewegt, dass ich dachte, etwas tun zu müssen“, sagt die zweifache Mutter. Gemeinsam mit dem Weingut Jan Ulrich und den Betreibern der Gaststätte „Zum Ross“ in Diesbar organisierte die freischaffende Musikerin kurzerhand eine Benefizveranstaltung. Am Sonntag, dem 6. November, laden nun gewissermaßen alle drei zur musikalischen Weinprobe ein. Der Erlös soll ausschließlich Victoria Lenuweit zugute kommen. „Insofern hoffe ich wirklich von ganzem Herzen, dass sich viele Leute entschließen, werden, bei uns vorbei zu schauen! Die Gelder werden auf das Sperrkonto der Kleinen zugunsten einer weiteren Delfintherapie überwiesen“, erklärt Katrin Wettin.

Musikerin Katrin Wettin gibt am 6. November ein Benefizkonzert für Victoria im „Ross“ in Diesbar-Seußlitz. Es wird eine musikalische Weinprobe.
Musikerin Katrin Wettin gibt am 6. November ein Benefizkonzert für Victoria im „Ross“ in Diesbar-Seußlitz. Es wird eine musikalische Weinprobe. © Frank Grütz

Die Kleine ist indes mittlerweile groß geworden. Victoria Lenuweit, das schwerbehinderte Mädchen aus Strießen, ist augenscheinlich zu einer hübschen 13-Jährigen herangewachsen. Die leuchtend blonden Haare fallen ihr in dichten Wellen über die schmalen Schultern. Bunt geringelte Strumpfhosen, modisches Shirt – ihre Altersgenossen würden sich jetzt schon in kleinen Grüppchen treffen. Vielleicht gemeinsam ins Kino nach Großenhain fahren oder nachmittags zusammen mit dem Skateboard die Straße unsicher machen. Victoria kann all das nicht. Das Mädchen, welches laut Auffassung der Ärzte als organisch gesundes Baby geboren worden ist, sitzt im Rollstuhl. Sie kann weder selbstständig laufen, noch essen und sich nur durch Gestik, Mimik oder einzelne Laute verständigen. Töne der Zufriedenheit oder des Unbehagens, die ihre Mutter Manuela und Vater Dietmar stets wissen, zu deuten. An jedem Tag, in jeder Nacht, das ganze Jahr – rund um die Uhr.

Immerhin seit dem ersten Lebensjahr kämpfen die Eltern nun schon um das Wohl ihres Kindes. Was ihre Tochter tatsächlich hat, welche Erkrankung wirklich bei ihr vorliegt, können die Ärzte indes bis heute nicht sagen. Zwar wurde sie in den vergangenen Jahren bereits in mehreren sächsischen Kliniken aufwendig untersucht. Was Victoria jedoch fehlt, – die Sächsische Zeitung begleitet das Schicksal der Familie bereits seit fünf Jahren – was die Ursache für ihren Zustand ist, wurde dabei nicht diagnostiziert.

Der überhaupt erste Durchbruch liegt nunmehr gut drei Jahren zurück: Der Fuldaer Facharzt für Kinder-, Jugend- und Ernährungsmedizin, Dr. Ulrich Kraft, stellte bei Victoria eine seltene Stoffwechselkrankheit fest. Für das Mädchen bedeutet sie, dass Giftstoffe in ihrem Körper gespeichert werden. Nach einer intensiven Entgiftung, zahlreichen neuerlichen Beschwerden und diversen Rückschlägen geht es ihr augenscheinlich recht gut. Jedoch: „Unsere Tochter ist fast 1,50 Meter groß. Manchmal ist es schwer für mich, sie überhaupt noch zu halten. Der Betreuungsaufwand wird durch ihre körperliche Entwicklung natürlich nicht geringer“, sagt Manuela Lenuweit.

Ein Aufwand, der die 49-Jährige im vergangenen Jahr dazu gezwungen hat, die endlich gefundene Arbeit bei einem Pflegedienst wieder aufzugeben. Eine bittere Entscheidung. Erst recht finanziell. Denn gern würden die Eltern ihrer Victoria eine weitere Delfintherapie ermöglichen. Eine Therapie, die schon einmal für eine positive Entwicklung des Kindes gesorgt hatte. Dank der großen Spendenbereitschaft der Menschen aus dem Großenhainer Land konnte die Familie erstmalig im September 2011 in die Türkei fliegen. Nachdem weitere Spenden eingegangen waren – unter anderem 5 000 Euro eines Privatmannes – ein zweites Mal dann im Mai 2012. „Victoria geht es nach den Aufenthalten in Marmaris wirklich immer besser. Sie hat damals begonnen, feste Nahrung zu sich zu nehmen und versucht, mit Hilfe von Orthesen zu laufen“, erklärt Manuela Lenuweit.

Die Einnahmen aus der Benefizveranstaltung im „Ross“ – der erbetene Spendenobolus für Weinprobe und Konzert beträgt 20 Euro – sollen nun einer weiteren Therapie zugute kommen. „Wir sind sehr aufgeregt und hoffen sehr, dass viele den Weg zu uns nach Diesbar finden“, bekennt Manuela Lenuweit. Was ihre Tochter Victoria nicht weiß: An nächsten Tag wird sie einer weiteren genetischen Untersuchung im Dresdner Klinikum Friedrichstadt unterzogen.

Die musikalische Weinprobe findet am 6. November um 17 Uhr in der Gaststätte „Zum Ross“ in Diesbar-Seußlitz statt. Verkostet werden Weine vom Weingut Jan Ulrich.