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Muskeln und Musik fürs Lebendige Haus

In dem markanten Gebäude neben dem Zwinger in Dresden zieht jetzt ein extravagantes Fitness-Studio ein. Damit ist das Haus zum ersten Mal seit seiner Existenz voll vermietet.

© Christian Juppe

Von Nora Domschke

Eine komplette Wand beklebt mit Musikkassetten. Helene Fischer, Heino, Otto Waalkes ist auf einigen zu lesen. Eine lebensgroße Figur im Star-Wars-Kostüm. Historische Gemälde über einem alten Klavier. Die Mischung ist gewagt, aber definitiv ein Hingucker. Das gehört zum Konzept der Fitnessstudiokette John Reed. Am 19. April eröffnet nun auch eine Filiale in Dresden, und zwar mitten in der barocken Altstadt.

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Das Fitness-Studio mit Flair

Der Gebäuderiegel neben dem Taschenbergpalais stand lange leer. Mit neuem Konzept, das die Besitzer seit 2014 verfolgen, kamen wieder Mieter.
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Am laufenden Band eröffnet Marketing-Chef Marcus Adam John-Reed-Fitness-Studios in Deutschland - am 19. April folgt der Club in Dresden.
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Erst Schulterheben an der Maschine und dann chillen im lila Sessel.
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Spieglein, Spieglein an der Wand, wer hat den stärksten Rücken im ganzen Land?
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Inspirierende Fotogalerie für indisponierte Fitness-Freaks.
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Kunst aus Hunderten von grauen und einigen schwarzen Musikkassetten.
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Close-Up der musikalischen Kunstszene.
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Die Sportgeräte stehen schon, verteilt auf 2 000 Quadratmetern über drei Etagen. Derzeit wird an den letzten Details der Inneneinrichtung gearbeitet. Marketingchef Marcus Adam zeigt am Dienstag schon einmal, was sich in den Räumen verbirgt. Und stellt das etwas andere Konzept der John-Reed-Fitness-Studios vor. Design spiele eine wichtige Rolle. „Es werden Dinge zusammengeworfen, die eigentlich nicht zusammenpassen“, erklärt der 47-Jährige. Der Berliner ist kein Unbekannter – gut zehn Jahre war er bis 2010 Musikchef und Künstler-Kontakter bei MTV Networks Deutschland, entschied auf diesem Posten unter anderem, welche Songs auf dem Musiksender gespielt wurden. Schon Anfang der 1990er-Jahre startete Adam seine Karriere bei Viva.

Um Musik dreht sich auch sein jetziger Job: Seit 2016 kümmert sich Marcus Adam für die damals neu gegründete John-Reed-Kette unter anderem um den eigenen Radiosender, der in allen Studios zu hören ist. Die Kette gehört zur McFit Global Group und expandiert mit dem Konzept als Edel-Fitness-Studio europaweit. Trainiert werden kann für zehn bis 40 Euro monatlich.

15 „Clubs“, wie Adam sie nennt, gibt es mittlerweile allein in Deutschland, weitere in Tschechien, Ungarn, Österreich, Italien. Die Unternehmensgruppe betreibt mehr als 240 Fitnessstudios in Europa. Club deshalb, weil für die Sportler montags und freitags von 18 bis 21 Uhr ein DJ auflegt. Auch in Dresden. Von 6 Uhr morgens bis Mitternacht können an den Geräten, bei Kursen mit echten Trainern oder Trainern auf der Leinwand die Muckis gestählt und die Fitness verbessert werden.

Wer pumpt und schwitzt, kann derweil seinen Blick über Kunstwerke an den Wänden oder Deko aus unterschiedlichen Ländern schweifen lassen. Das englische Zimmer wartet etwa mit grünen Fliesen, dunkler Holztäfelung und gusseiserner Laterne auf. Für Ruheliebende ist das Konzept der Kette wohl eher nichts – Musikbeschallung gibt es rund um die Uhr auf die Ohren. Studioleiter Sebastian Vogt will damit die Motivation steigern. Der 32-jährige Muskelmann will müde Körper mit elektronischen Klängen in Schwung bringen.

Ob dieses spezielle Konzept in Dresden ankommt, wird sich zeigen. Mit dem Fitness-Studio ist das Lebendige Haus nun jedenfalls voll vermietet. Nach jahrelangem Leerstand füllt sich das markante Gebäude, bei dem der Investor auf einen Mix aus Geschäften, Büros, Appartements, Hotel und Gastronomie setzt. Nach und nach ist es der Denkmalneu-Gruppe gelungen, die Flächen in dem Haus an der Kleinen Brüdergasse mit Mietern zu beleben.

Vor vier Jahren hatte das Unternehmen den Gebäuderiegel in bester Innenstadtlage gekauft. Das Dresdner Schloss, der Zwinger, die Semperoper – Sehenswürdigkeiten, die Millionen von Touristen anziehen, liegen direkt um die Ecke. Dennoch hatten es Restaurants an dieser Stelle immer schwer. 2010 zog das „Busmanns Brazil“ aus, die Flächen standen lange leer. Mit dem neuen Besitzer kam 2014 ein anderes Konzept – und nötige Investitionen. So wurden für das Restaurant „Felix“ mehr als ein Jahr lang die Flächen im Obergeschoss samt Dachterrasse umgebaut, das Mitte 2016 eröffnete.

Ende des Jahres folgte dann die britische Restaurantkette „Turtle Bay“ mit ihrer ersten Dresdner Filiale im Erdgeschoss des Lebendigen Hauses. In den mittleren Stockwerken zog unter anderem eine Kanzlei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ein, darüber werden Wohnungen vermietet. In den drei Treppenhäusern installierte der Künstler Sha riesige Lichtkunstwerke, die er eigens für das Gebäude entwickelte. Mit dem Fitnessstudio wird es nun noch bunter.