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Muss der Aufsichtsratschef bei Siemens einpacken?

Der verpatzte Führungswechsel beim Konzern schwächt auch Gerhard Cromme.

© picture alliance / dpa

Von Christine Schultze

Siemens zwischen zwei Welten: Konzernchef Joe Kaeser soll das Unternehmen in die Zukunft führen, Aufsichtsratschef Gerhard Cromme muss sich vor den Aktionären auf der Hauptversammlung vor allem für Probleme in der Vergangenheit rechtfertigen. Über allem steht dabei die Frage: Wann bringt Cromme den Generationswechsel an der Aufsichtsratsspitze auf den Weg? Denn klar ist, dass die Wettbewerber nicht auf Siemens warten und der Chefaufseher die Zügel fest in der Hand haben muss, um Kaeser bei seinen Plänen tatkräftig zu unterstützen.

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Vor allem der chaotische Führungswechsel im vergangenen Sommer trug Cromme auf dem Aktionärstreffen reichlich Kritik der Anleger ein. Nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge und einem Machtkampf im Aufsichtsrat hatte Ex-Konzernchef Peter Löscher seinen Posten an Kaeser abgeben müssen. Cromme selbst hatte Löscher 2007, auf dem Höhepunkt des Schmiergeld-Skandals, als unbelasteten Manager von außen an die Siemens-Spitze geholt und galt lange Zeit als dessen wichtigster Fürsprecher. Doch nach der Serie von Misserfolgen musste Cromme schließlich die Reißleine ziehen.

Der ganze Prozess sei geradezu dilettantisch abgelaufen, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Wie konnte es zu diesem Machtkampf kommen, wie konnte es zu Verschwiegenheitsbrüchen kommen?“, fragte Bergdolt an Cromme gewandt. „Dieses Chaos hat Siemens geschadet.“ Auch dass Löschers Vertrag noch ein Jahr zuvor vorzeitig um gleich fünf Jahre verlängert worden war und Siemens nun eine Millionen-Abfindung an den Manager zahlen muss, ärgert viele Anleger. „Der goldene Handschlag für Herrn Löscher ist ein Schlag ins Gesicht der Aktionäre“, sagte Ingo Speich von Union Investment.

Die Kritik saß – zumindest sah sich Cromme genötigt, ungewohnt offen Stellung zu beziehen: Über ein Jahr lang habe es Gespräche zwischen ihm und Löscher gegeben. „Die Gewinnwarnung im Juli war nicht der Grund für die Trennung – sie war allenfalls der Anlass für eine Entscheidung, die sich über einen längeren Zeitraum festigte.“ Den Aktionären sicherte Cromme zu, zügig in die Nachfolgeplanung einzusteigen. Einen konkreten Fahrplan dafür blieb er aber schuldig.

Derweil wirkt Kaeser als neuer starker Mann bei Siemens deutlich souveräner als sein Vorgänger. Im Gegensatz zu Löscher hat der Niederbayer sein ganzes Berufsleben bei Siemens verbracht und gilt als bestens vernetzt im Konzern und auf dem Kapitalmarkt. Auch das brachte ihm viele Vorschusslorbeeren ein und sorgte seit seinem Amtsantritt für einen kräftigen Aktienkursanstieg.

Doch bald muss auch Kaeser liefern: Noch bis Mai räumen die Aktionäre dem Siemens-Chef Zeit ein, um den künftigen Kurs des Unternehmens festzuzurren. Dann wird der frühere Finanzchef bereits neun Monate an der Konzernspitze stehen – entsprechend groß sind die Erwartungen.

Nach einem Gewinnschub zum Start ins neue Geschäftsjahr stellt sich Kaeser auf weiteren Gegenwind durch den starken Euro und anhaltende Projektrisiken ein. Im ersten Quartal profitierte Siemens von seinem Sparkurs, aber auch von Immobilienverkäufen und deutlich niedrigeren Belastungen durch Problem-Projekte. Der Gewinn nach Steuern kletterte um 20 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Dagegen drückte der starke Euro auf den Umsatz, der um drei Prozent auf 17,3 Milliarden Euro nachgab. Den Auftragseingang steigerte Siemens um neun Prozent auf 20,8 Milliarden Euro. (dpa)