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Muss mein Hund zum Psychologen?

Iris Bahrke-Schabacker bietet in Lomnitz eine besondere Beratung an. Die wird immer wichtiger.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

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Hunde müssen Gassi gehen, haben Hunger und sind mitunter läufig: Plagt ihn eins dieser Bedürfnisse, macht er das seinem Herrchen unmissverständlich durch Bellen oder an der Leine ziehen klar. Offenbar geht es in einem Hundekopf jedoch komplizierter zu, als der Laie vermutet. Iris Bahrke-Schabacker aus Lomnitz bietet eine tierpsychologische Beratung an und die Nachfrage ist groß. „Kürzlich war ein Ehepaar bei mir, die mit ihrem Hund nicht mehr klar kamen. Seit einem lauten Knall sei er traumatisiert und total verändert.“ Die Lomnitzerin hat sich ausführlich mit ihnen unterhalten. Vorgefallen war Folgendes: Nach dem Krach war der Hund nach Hause gerannt und das Ehepaar hinterher. „In dieser Situation hat sich das Herrschaftsverhältnis umgekehrt.“ Normalerweise bestimmen die Halter wo es lang geht. Das hat sich bei dem Tier verfestigt. „Sicher gab es eine Vorgeschichte. Der Hund hat vermutlich schon vorher seine Grenzen immer mal ausgetestet. Die Situation mit dem Knall brachte das Fass zum Überlaufen. Bei diesem Fall war es wichtig, dass die Herrchen auch wieder zu einem solchen wurden.“ Oft erreichen regelrechte Hilferufe die Hundetrainerin. „Eine Frau rief mich an, ihr Shiba Ino – eine japanische Rasse – ist extrem aggressiv gegenüber anderen Hunden. Sie war verzweifelt.“ Für Iris Bahrke-Schabacker war die Sache schnell klar. Der Hund verteidigt sein Rudel, das ist in diesem Fall die Familie. „Das ist ein ganz natürliches Verhalten. Nur ist nicht zu dulden, dass der Vierbeiner auf seine Artgenossen losgeht. Mit einem speziellen Training haben wir das wieder hin bekommen.“

Wichtig ist gerade bei solchen Fällen die „Kopfauslastung“ des Hundes, wie die Expertin sagt. „Sie brauchen eine Aufgabe, beispielsweise mehrmals am Tag einen Köder suchen. Fehlt ihnen das, wählen sie sich selber eine Aufgabe, etwa die aggressive Verteidigung ihres Umfeldes.“ Wichtig ist der Lomnitzerin das Gespräch mit den Haltern. Sie will wissen, wie die Konstellation in der Familie ist, wie die genaue Vorgeschichte ist. Die Lomnitzerin räumt ein, oft geht es mehr um die Menschen. „Es gibt Hundebesitzer, die ängstlich gegenüber ihren Tieren sind. Das muss dann offen angesprochen werden. Wir üben dann den richtigen Umgang mit den Tieren.“ Aber auch um Hyperaktivität bei Hunden, Trennungsängste, nervöse Störungen oder Trauerbewältigung geht es in ihren Gesprächen. „Wenn Herrchen oder ein Artgenosse verstorben ist, müssen das die Tiere verarbeiten. Das kann der Halter bei mir lernen.“

Schon zu Hause viele Tiere

Iris Bahrke-Schabacker hatte, seit sie denken kann, mit Tieren zu tun. „Mein Vater war beim Forst beschäftigt. Wir hielten Frettchen, Hunde und Schafe. Von ihm muss ich wohl das Gen geerbt haben.“ Im Alter von sechs Jahren bekommt sie ihren ersten Hund. Später lernt sie Zootechniker. Es musste was mit Tieren sein, sagt sie. Sie ließ sich zusätzlich als Tierpflegerin ausbilden. Später arbeitet sie als Hundetrainerin in Vereinen, dann als angestellte Trainerin bei einer Hundeschule. „2009 habe ich mich selbstständig gemacht.“ Eine Zulassung als Hundetrainerin beim Kreisveterinäramt Bautzen kann sie auch vorweisen. „Seit 40 Jahren arbeite ich mit Tieren. Da kommt einiges an Erfahrung zusammen.“

Nach Einschätzung von Ellen Friedrich vom Bundesverband zertifizierter Hundetrainer, hat die Bedeutung fachlich versierter Trainer zugenommen. „Einmal ist die Zahl der Hundehalter größer geworden, was den Beratungsbedarf erhöht.“ Dann sind jetzt mehr Hunderassen auf dem Markt. Jede Rasse hat ihre Eigenheiten. „Außerdem ist das Wissen in der Bevölkerung über das Halten von Hunden zurückgegangen. Genauso wie Stadtkinder kaum noch wissen, wie eine Kuh aussieht, wissen sie nicht mehr, wie mit einem Hund umzugehen ist.“ Sie bedauert, dass es bundesweit keine einheitliche Regelung zur Ausbildung von Hundetrainern gibt. „Zwar ist 2015 ein Paragraf im Tierschutzgesetz eingeführt worden, der bei gewerblicher Ausübung eine gewisse Qualifikation der Hundetrainer verlangt, doch in den Bundesländern ist die Regelung ganz unterschiedlich umgesetzt worden. Die einen verlangen viele Nachweise, die anderen kaum einen.“ Sie wünscht sich einheitliche Standards bei der Ausbildung und eine Anerkennung als Beruf. Für Iris Bahrke-Schabacker wäre schon viel geholfen, wenn sich Tierfreunde vor dem Kauf eines Hundes von Fachleuten beraten lassen würden. „Bei der Auswahl der Rasse ist beispielsweise zu beachten, ob es Kinder in der Familie gibt und welche Aktivitäten unternommen werden, ob es nur zum Spaziergang geht oder viel Rad gefahren wird und der Hund dabei sein muss. Dann wär eine tierpsychologische Beratung oft nicht notwendig.“

www.hundeschule-und-tierpflege.de

www.bvz-hundetrainer.de