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Mut zum Denkmal

Familie Müller hat einen alten Bauernhof in Großnaundorf saniert und zeigt nun die neue Errungenschaft.

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© René Plaul

Von Nicole Preuß

Großnaundorf. Das Bauernhaus ist fertig und die Scheune hat ein neues Gesicht. Familie Müller aus Großnaundorf könnte sich eigentlich zurücklehnen und genießen, was sie in jahrelanger Arbeit nach Feierabend, an Wochenenden und im Urlaub geschaffen hat. Doch sie macht weiter. Erst vor Kurzem ist ein besonderes Gartenhaus entstanden. Das Grundgerüst stammt von einem Fachwerkhaus aus Lichtenberg, das abgerissen werden sollte. Kathrin Müller hatte davon erfahren, ihr Mann Veit baute das gut erhaltene Fachwerkholz ab und setzte es auf den Fleck im Garten, wo es abends am längsten schön ist. „Da können wir dann auch mal windgeschützt sitzen“, sagt Veit Müller. Obwohl Freunde schon mit einem Augenzwinkern festgestellt haben, dass die Müllers wohl keine Zeit dafür haben werden. Neue Projekte gibt es immer wieder und dann ist da ja noch die Unterhaltung, die bei einem 6000-Quadratmeter-Grundstück nicht wenig Zeit einnimmt. Doch die Müllers haben das so gewollt.

Suche nach neuem Zuhause

2003 suchte das Paar ein neues Zuhause. „Infrage kam eigentlich nur etwas Hundealtes oder ein Betonklotz“, sagt Veit Müller. Es wurde etwas Altes. Müllers kauften das Bauernhaus in Großnaundorf, weil es noch viel von seiner Ursprünglichkeit bewahrt hatte. Stück für Stück sanierten sie es. Vier Jahre dauerten allein die Arbeiten am Wohnhaus. Die Müllers machten vieles selbst und achteten darauf, dass Altes erhalten bleibt und Verschwundenes wieder entsteht. So bekam der ehemalige Stall einen Granitstreifen auf den Boden. Er deutet den früheren Güllegang an. Die Belüftungsöffnungen wurden wieder frei gelegt und mit Schmuckrosetten versehen.

2007 zog die Familie ein und machte weiter. Sie nahm sich die Scheune vor, baute manche Wand, die ursprünglich auch in der Scheune stand, und setzte zwei Säulen aus Lausitzer Granit an die Front. „Die Säulen haben meine Frau und ich uns damals zu Weihnachten geschenkt“, sagt Veit Müller. Der 48-Jährige und seine Helfer pflasterten den Hof und pflanzten wieder einen Hofbaum, der jetzt im Sommer schon etwas Schatten spendet.

Sinn der Dinge verstehen

Auch hier ist beim Tag des offenen Denkmals geöffnet

Trubel im Herrenhaus

Prietitz. In Prietitz können Interessenten am Sonntag einen Blick in zwei historische Gemäuer werfen. Der Förderverein Schloss und Park Prietitz öffnet die Türen des örtlichen Herrenhauses, welches die Prietitzer gemeinhin als Schloss bezeichnen. Außerdem kann in dieser Zeit auch die Kirche besichtigt werden.

Ab 12 Uhr dürfen sich Neugierige im Herrenhaus umschauen. Dort sitzt „Marlies lustige Klöppeltruppe aus Bischheim, Gersdorf und Bernsdorf“ und gewährt den Besuchern Einblicke in ein seltenes Hobby. Zum einen durch eine Ausstellung, in der die filigranen Kunstwerke zu sehen sind. Zum anderen durch Schauklöppeln. Der Schlossverein hält zudem Kaffee und Kuchen bereit.

Auch der im Schloss ansässige Prietitzer Jugendclub CAP öffnet am Denkmalstag seine Clubräume für Besucher. Wer gern das Gotteshaus betrachten würde, kann an einer der Führungen teilnehmen, welche von der Kirchgemeinde angeboten werden. Bis 17 Uhr sind die zwei Denkmäler zum Tag des offenen Denkmals geöffnet.

Mit Türmercafé und Turmblasen

Kamenz. Von 14 bis 17 Uhr ist die St.-Just-Kirche an der Königsbrücker Straße geöffnet. Die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde ist bemüht, die Fresken im Altarraum der Kirche zu retten und vor weiteren Schäden zu bewahren. Es besteht die Möglichkeit, sich über den Zustand dieser Malereien und über die geplanten Sicherungsmaßnahmen zu informieren. Die Hauptkirche St. Marien ist von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Um 16 Uhr gibt es eine Orgelführung an der Walcker-Orgel, welche vor 125 Jahren erbaut wurde. Von 14 bis 17.30 Uhr lädt der Kamenzer Kirchbauverein in das Türmercafé der Hauptkirche ein. Kaffee und Kuchen locken. Spenden hierfür kommen der Sicherung der Fresken in der St.-Just-Kirche zugute. 17.30 Uhr erklingt vom Kirchturm das Turmblasen mit dem Posaunenchor der Kirchgemeinde. Auch die Katechismuskirche an der Kirchstraße wird von 11 bis 18 Uhr geöffnet sein. Das Sakralmuseum in der Klosterkirche St. Annen kann von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. 15 Uhr wird die Mende-Orgel von 1850 vorgestellt.

Kostenfrei ins Elementarium

Kamenz. Ohne einen Cent zu bezahlen ins Elementarium? Am Sonntag zum Tag des offenen Denkmals ist das möglich. Von 10 bis 18Uhr stehen die Türen des Elementariums an der Pulsnitzer Straße 16 weit offen. Betrachten kann man das denkmalgeschützte Stadthaus und einen Tag lang die sieben Themenwelten erkunden. Ob beim Waldkonzert unterm Dach, auf dem Erdbebensimulator oder am Karpfenteich – Menschen, Natur und Kultur der Lausitz sprechen hier eine lebendige Sprache. Das Familienmuseum lädt ein zu Entdeckungen auf eigene Faust. Ganz aktuell läuft auch die Sonderausstellung „SiO2 – von Bergkristall bis Smartphone“.

Tanzen auf dem Schulhof

Elstra. Die Stadtverwaltung Elstra und der Elstraer Heimat- und Geschichtsverein laden zum Tag des offenen Denkmals von 11 bis 17 Uhr in die Grundschule Elstra auf der Schulstraße ein. 11 Uhr spielen die Kamenzer Hutbergmusikanten auf dem Schulhof auf. Das Schulmuseum wird geöffnet und auch die Kirche kann besichtigt werden. Außerdem wird es eine Ausstellung des Frauenchores und eine Vorführung durch die Landfrauen geben. 14 Uhr startet eine Stadtführung mit Dr. Gunter Kretzschmar. 15 Uhr hält Heinz Günther einen Vortrag über die Schätze des alten Schlossparks. Und Kinderschminken und Hüpfburg dürfen nicht fehlen.

Wanderung auf Wassers Spuren

Kamenz. Noch druckfrisch ist die Broschüre Wanderweg Wasser, erarbeitet vom Kamenzer Geschichtsverein. Zum Tag des offenen Denkmals lädt der Verein alle Interessierten zu einer geführten Wanderung ein, bei der auch sonst verschlossene wasserwirtschaftliche Einrichtungen der Stadt besichtigt werden. So zum Beispiel der neue Hochbehälter Kirschallee, der Hydraulische Widder, das Pumpwerk Lückersdorf und der Trippelsborn. Dauer: etwa drei Stunden. Treff ist 13 Uhr am Markt.

Vom Keller bis unters Dach

Ohorn. Das Ohorner Kirchlehn öffnet zum diesjährigen Tag des Denkmals am Sonntag vom Keller bis zum Kirchturm. So kann am Sonntag erstmals auch das urige Kellergewölbe besichtigt werden. Die Gäste haben außerdem die Möglichkeit, den Kirchturm zu besteigen und die tolle Aussicht übers Land zu genießen. Führungen durch das Kirchlehn gibt es von 10 bis 18 Uhr. Um 9 Uhr findet der Erntedankgottesdienst im Kirchlehn statt.

Blick in die Großmann-Loge

Großröhrsdorf. Im Zuge der Großröhrsdorfer Stadtkirchensanierung konnte auch die sogenannte Großmannloge restauriert werden. In diesem einst auf private Nutzung angelegten Raum werden erstmals seit Jahrzehnten alle zwölf aus der Vorgängerkirche stammenden Apostelfiguren den Besuchern von 13 bis 18 Uhr präsentiert. Das Betreten der Loge erfolgt von außen, von der Südseite her.

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Familie Müller versucht dabei, den Sinn hinter verschiedenen Dingen zu verstehen. So pflanzten die Bauern die Linden hinter der Scheune nicht, weil sie so schön aussehen, sondern weil sie dem Heuwagen, der die Ernte einbrachte, auch für eine gewisse Zeit vor Regen schützen konnte. „Heute gehen die Strukturen oft verloren“, sagt der Kirchenmaler Veit Müller.

Die Müllers haben auf solche Dinge geachtet, aber auch die Details und die eigenen Bedürfnisse nicht vergessen. Eine Wäscherutsche bringt zum Beispiel die Wäsche aus der oberen Etage geradewegs in den Wäschekorb neben der Waschmaschine. Und die Kinder Friedrich, Helene und Hermann konnten sich zu ihren Schulanfängen schlichte, moderne Möbel für ihre Zimmer aussuchen. Altes und Modernes soll verbunden werden. Die Familie erlebt die Großzügigkeit des Hauses im Sommer, aber auch das Zusammenrücken im Winter. Dann werden nur wenige Zimmer beheizt und im Flur kann die Temperatur auch schon mal auf fünf Grad sinken. Dann heißt es Türen geschlossen halten.

Die Müllers, die eigentlich aus Lichtenberg und Ottendorf-Okrilla stammen, sind angekommen in Großnaundorf. Sie engagieren sich im Ort und haben auch schon zweimal ihr Zuhause für interessierte Besucher zum Tag des offenen Denkmals geöffnet. 2006 war das und 2011. Immer kamen um die 450 Leute. „Doch um die Masse geht es nicht, sondern darum, dass Kontakte mit den Leuten entstehen“, sagt Veit Müller.

Auf alte Häuser einlassen

Das Paar will anderen Mut machen, sich auf solche alten Häuser einzulassen. Es kann auch Tipps geben, wie man die eine oder andere Schwierigkeit lösen könnte. Kathrin und Veit Müller haben sich oft genug selbst auf diese Art und Weise Anregungen geholt. Sie waren zum Beispiel schon einige Male beim Tag des Umgebindehauses unterwegs und suchten das Gespräch. „Und es ist doch auch spannend, mal in private Häuser zu schauen“, sagt die 41-jährige Kathrin Müller.

Die Familie hat die Großröhrsdorfer Künstlerin Waltraud Lorek eingeladen, in dem ehemaligen Stall auszustellen. Es wird einen kleinen Flohmarkt geben und Kaffee und Kuchen. Ein Schmiedemeister zeigt seine Kunst und in der Scheune werden in einer Endlosschleife die schönsten Bilder des Baugeschehens gezeigt. Ein unkompliziertes, schönes Fest soll es werden, das dann vielleicht irgendwann als Hoffest wiederholt wird. „Wir wollen ein offenes Haus sein“, sagt Kathrin Müller, die auch die Kindersachenbörse in Großnaundorf zweimal im Jahr mit organisiert. Trotz aller Arbeit.

Das Bauernhaus, das 1860 in Großnaundorf gebaut wurde und jetzt saniert wurde, ist am Sonntag zwischen 10 und 18 Uhr zu sehen. Die Bauherren beantworten gern Fragen. Pulsnitzer Straße 43.