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Mutige Entscheidung zahlt sich nun aus

1996 hat die Soeg die Zittauer Schmalspurbahn übernommen. Zehn Jahre hat die Bahn gebraucht, um in die Spur zu kommen.

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Von Mario Sefrin

Gerd Arnold und Ingo Neidhardt haben allen Grund, sich zu freuen. Der Aufsichtsratsvorsitzende und der Geschäftsführer der Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft (Soeg) wissen schließlich, dass der 1. Dezember ein besonderer Tag ist. An diesem Tag vor 20 Jahren hat die Gesellschaft die Betriebsführung der Zittauer Schmalspurbahn von der damaligen Deutschen Bahn AG übernommen. Es sollte der Start in zwei bewegte Jahrzehnte werden.

Nicht, dass die davor liegenden Jahrzehnte der Zittauer Schmalspurbahn – die 2015 ihr 125. Bestehen feierte – nicht ebenfalls aufregend gewesen wären. Immerhin stoppte der Zweite Weltkrieg die bis dahin erfolgreiche Entwicklung der Zittauer Schmalspurbahn. Doch nach kurzzeitigem Aufschwung des Personen- und Güterverkehrs bis 1960 zeigte die Entwicklung für die Zittauer Schmalspurbahn bis 1990 endgültig nach unten. „Es wurde nur noch auf Verschleiß gefahren“, erinnert sich Gerd Arnold, der das Schicksal der Zittauer Schmalspurbahn seit über 30 Jahren in verantwortlichen Positionen verfolgt. „Ich war Ende der 1980er Jahre Oberbauleiter in der Grube Olbersdorf“, erzählt der 75-jährige Oybiner. Damals sei klar gewesen, dass die Bahn der Erweiterung des Braunkohlentagebaus Olbersdorf geopfert werden sollte. „Mir tat es leid um die Bahn“, sagt Arnold.

Die Wende bedeutete das Aus für den Tagebau Olbersdorf und eine neue Chance für die Schmalspurbahn. Gerd Arnold kam 1991 zur Zittauer Stadtverwaltung, wurde später Bürgermeister – und hatte so bald wieder mit der Schmalspurbahn zu tun. Er war darum auch dabei, als die Betriebsführung der Bahn zum 1. Dezember 1996 an die Soeg übergeben wurde. Die Gesellschaft war am 28. Juli 1994 gegründet worden, nachdem der Zittauer Kreistag im April 1993 die Regionalisierung der Zittauer Schmalspurbahn beschlossen hatte. „Wir waren alle glücklich, dass die Schmalspurbahn erhalten blieb“, sagt Gerd Arnold. Ebenso dankbar ist er heute darüber, dass sich der Landkreis als Hauptgesellschafter und die Anrainerkommunen der Bahnstrecke – Zittau, Olbersdorf, Bertsdorf, Oybin und Jonsdorf – damals entschieden haben, die Schmalspurbahn in eigener Regie zu übernehmen. „Das war eine mutige Entscheidung. Es gab auch große Zweifel, ob das gutgeht.“

Aus Sicht von Gerd Arnold, der seit 2011 dem Aufsichtsrat der Soeg vorsteht, wäre ein solcher Schritt heutzutage wohl nicht mehr möglich. „Wir haben damals sehr zeitig Hilfe vom Freistaat bekommen, auch durch das Argument, dass wir die Bahn für den öffentlichen Personennahverkehr brauchen“, sagt Arnold. Hilfe war auch nötig, denn die gesamte Infrastruktur der Schmalspurbahn musste repariert werden – vor allem das Streckennetz und der für den Betrieb notwendige Fahrzeugpark. „Die Zukunft der Zittauer Schmalspurbahn ist immer wieder mal unsicher gewesen“, erinnert sich Gerd Arnold.

Diese Situation sollte sich erst im Jahr 2006 ändern. Mit einer eigenständigen Geschäftsführung unter Leitung von Ingo Neidhardt – bis dahin hatte das Busunternehmen KVG die kaufmännische Geschäftsführung der Soeg übernommen – gab es neue Möglichkeiten für die Schmalspurbahn, für die das erfolgreiche Festival „Historik Mobil“ heute stellvertretend steht. Große Unterstützung bekommt die Soeg dabei vom Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen, der am 6. Juli 1990 gegründet worden war. „Ohne dessen Mitglieder wäre vieles nicht gelungen“, ist Arnold überzeugt. „Sie bringen sich fantastisch für die Schmalspurbahn ein und tun alles, um deren Attraktivität zu erhöhen.“

Auch aus diesem Grund sieht Arnold die Zittauer Schmalspurbahn heute als gesichert an. „Wir haben durch den Verkehrsvertrag mit dem Zvon bis 2023 eine gesicherte Finanzausstattung. Das gibt der Gesellschaft eine klare Perspektive“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende. Und da die großen Rekonstruktionsmaßnahmen erledigt sind, könne sich die Soeg neben dem Regelverkehr auch künftig mit neuen Ideen beschäftigen und so die Attraktivität der Bahn weiter erhöhen, so Gerd Arnold.