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Raddieb redet sich raus

Ein Mann aus Kriebstein steht wegen Diebstahls oder Hehlerei vor Gericht. Seine Geschichte zu dem Fall klingt abenteuerlich.

© Symbolbild/dpa

Von Helene Krause

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Döbeln. Recht abenteuerlich klingt die Geschichte, die ein 35-jähriger Mann aus Magdeburg dem Gericht am Dienstag auftischt. Angeklagt ist er in der Verhandlung vorm Amtsgericht Döbeln wegen Diebstahl oder Hehlerei.

Der Beschuldigte, der jetzt in Magdeburg wohnt, lebte zur Tatzeit in Kriebstein. Im März 2017 soll er aus einem Keller in der Pestalozzistraße in Waldheim ein Mountainbike im Wert von 1 000 Euro entwendet haben oder es für 500 Euro erworben haben, obwohl er wusste, dass es gestohlen ist.

Das Fahrrad war in einem Kellerverschlag abgestellt worden. Um an das Diebesgut zu gelangen, soll der Angeklagte die Scharniere der Kellertür entfernt haben. So steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Chemnitz.

„Ich habe das Fahrrad weder entwendet, noch gekauft“, sagt der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung. „Ich hatte es zu dem Zeitpunkt geborgt.“ An dem Tag wollte er zur Spielothek nach Hartha. Ein Bekannter, von dem er angeblich nur den Vornamen René kennt, soll ihn in Waldheim angesprochen und ihm das Mountainbike ausgeliehen haben. Auch hätte dieser René ihm das Rad für 500 Euro zum Kauf angeboten.

Der angebliche Bekannte und der Angeklagte kennen sich nach dessen Angaben nur flüchtig und hätten sich vor dem Vorfall nur drei oder vier Mal gesehen. Die Telefonnummer von René hat der Angeklagte nicht mehr. Wo dieser Mann wohnt, weiß der Magdeburger nicht.

Als der Beschuldigte am 20. März 2017, kurz nach 20 Uhr, mit dem Fahrrad nach Hartha zur Spielothek unterwegs war, wurde er an der Bushaltestelle in Richzenhain von einer Polizeistreife aufgegriffen. Einem Beamten war das markante Fahrrad des Angeklagten aufgefallen.

„Das Fahrrad war bei uns als gestohlen gemeldet“, sagt der Polizist, der bei der Kontrolle dabei war, als Zeuge in der Verhandlung. „Ich hatte mir ein Foto von dem Rad gemacht.“ Die Aussage des Beschuldigten, dass er das Rad nur ausgeliehen hat und es ihm von einem René für 500 Euro zum Kauf angeboten wurde, bestätigt der Zeuge. So steht das auch im Polizeiprotokoll.

Auf die Frage von Richterin Marion Zöllner, warum er den Polizisten, als sie ihn stellten, die Telefonnummer seines Bekannten nicht gegeben hat, erwidert der Angeklagte: „Das hätte ich tun sollen.“ Auf die Frage der Richterin, warum er nachträglich nicht nachgeforscht habe, um den Familiennamen und die Wohnanschrift von René herauszufinden, weiß der Beschuldigte keine Antwort.

Weil dem Angeklagten weder der Diebstahl noch die Hehlerei nachgewiesen werden können, spricht Richterin Marion Zöllner ihn frei. „Dass er das Rad aus dem Keller gestohlen hat, hat niemand gesehen“, sagt sie in der Urteilsbegründung. „Auch können wir ihm die Hehlerei nicht nachweisen. Das Rad war fünf Jahre alt. Wenn es ihm für 500 Euro angeboten wird, kann er nicht vermuten, dass es gestohlen ist“, erklärte die Richterin.