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Mutmaßlicher Reichsbürger aus dem Saal gebracht

Es geht um viele zehntausend Euro, die Menschen verloren haben. Nach langem Ausweichen kommt es endlich zum Prozess.

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© Symbolbild/dpa

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Der Fall beschäftigt das Gericht schon seit drei Jahren. Am Freitag kam es nun zur ersten Verhandlung vor dem Schöffengericht in Dippoldiswalde. Frühere Termine am Amtsgericht hatte der Angeklagte platzen lassen. Selbst als die Richter nach Bamberg, an den Wohnort des Angeklagten, gereist waren, blieb er dem Prozess fern. Daraufhin wurde ein Sitzungshaftbefehl erlassen.

Zum Auftakt am Freitag gab es einen Eklat. Ein älterer Mann stand im Zuschauerraum auf, verteilte ein Papier an Richterin und Schöffen und bezweifelte laut die Legitimation des Gerichts. Solches Verhalten ist bei sogenannten Reichsbürgern verbreitet. Die Vorsitzende Richterin verwies ihn des Saals, ein Justizwachtmeister führte ihn hinaus. Nach einer Pause wollte er wieder den öffentlichen Prozess verfolgen. Auf dem Flur des Gerichtsgebäudes wurde ihm jedoch zunächst, nach einer hitzigen Diskussion, der Zutritt verweigert. Später durfte er wieder in den Saal, im Gegenzug sollte er aber seine Personalien angeben.

Der Angeklagte, ein 62-jähriger Deutscher war zum Prozess in Handschellen aus der Haft vorgeführt worden. Damit das Verfahren nicht wieder aus gesundheitlichen Gründen platzt, waren zwei Sanitäter im Raum, ihn im Notfall zu versorgen.

Kleider machen Leute

Es geht in dem Prozess um Geldanlagegeschäfte, bei denen ab 2008 mehrere Menschen in Tharandt und Kurort Hartha zigtausende Euro verloren haben. Ein 74-jähriger Rentner aus Kurort Hartha schilderte, wie er 30 000 Euro an den Angeklagten gezahlt hat, teils in bar und ohne Quittung.

Dann erhielt er regelmäßig Abrechnungen, die ihm hohe Zinsen und ein Guthaben von über 100 000 Euro vorgaukelten. So sah alles gut aus. Das änderte sich, als er 50 000 Euro zurück wollte. „Da begann der Schwindel“, so der Rentner. Der Angeklagte hätte Geschichten erzählt, die Bank würde gerade bauen, der Broker hätte das Geld falsch überwiesen. Von seinen 30 000 eingezahlten Euro bekam er nur 3 000 zurück.

Der Rentner machte einen gutgläubigen Eindruck. Er hätte seinerzeit nichts dabei gefunden, größere Summen in bar zu übergeben. Dabei, so der Rentner, habe es sich aber fast um sein gesamtes Erspartes gehandelt. Der Angeklagte hätte einen Anzug angehabt und einen sympathischen Eindruck gemacht. „Ich hatte am Anfang Vertrauen in die ganze Sache“, erklärt er.

Da der Angeklagte gesundheitlich angeschlagen ist, darf die Verhandlung pro Tag nicht länger als drei Stunden dauern, nach je 45 Minuten müsse eine Pause von 30 Minuten folgen. Das hatte eine amtsärztliche Untersuchung am Morgen vor dem Verfahren ergeben. Trotz dieser gesundheitlichen Probleme blieb der Angeklagte aber während der ganzen Verhandlung stehen. Der Prozess wird in Kürze fortgesetzt. (mit skl)