Teilen:

Al-Bakr wird in Berlin beigesetzt

© dpa

Nach der Obduktion haben die Ermittler den Leichnam freigegeben. Unklar bleibt, wer für die Bestattung zuständig ist.

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Drei Wochen nach seinem Tod kann der mutmaßliche Terrorist Dschaber al-Bakr nun beerdigt werden. Der Leichnam sei nach der gerichtsmedizinischen Untersuchung nunmehr freigegeben worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Leipzig gestern der Sächsischen Zeitung auf Anfrage.

Der 22-jährige Syrer al-Bakr hatte sich am 12. Oktober in seiner Zelle in der Untersuchungshaft in Leipzig offenbar mit einem T-Shirt an Gitterstäben erhängt. Die Leiche solle jetzt „so schnell wie möglich“ nach Berlin überführt werden, sagte der Dresdner Anwalt der Angehörigen, Alexander Hübner, der SZ. In Berlin könne der Tote muslimisch beerdigt werden. Er solle nach der islamischen Bestattungskultur in weißen Leinentüchern beerdigt und nicht in einem Sarg beigesetzt werden. In Sachsen ist diese Art der Bestattung nicht möglich, da im Freistaat eine Sargpflicht gilt. Al-Bakr soll daher von einem Bestatter aus Berlin abgeholt werden. Unklar blieb bis zuletzt, wer für die Beisetzung zuständig ist und die Kosten trägt. Das Sozialministerium verwies auf Gespräche mit der Stadt Leipzig und dem Anwalt der Familie. Demnach sei die Stadt verantwortlich, dies sei auch so besprochen worden, erklärte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage. Das Leipziger Rathaus betonte indes, wenn es Angehörige gebe, seien diese rechtlich verantwortlich und müssten auch für Beerdigungskosten aufkommen.

Tatsächlich haben sich mittlerweile Familienangehörige gemeldet. Anwalt Hübner bestätigte, dass er jetzt im Namen der Familie Strafanzeige gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Tötung gestellt hat. „Die Familie möchte natürlich erfahren, was genau geschehen ist“, sagte Hübner. Die Staatsanwaltschaft Leipzig führt parallel ein Todesermittlungsverfahren. Die Staatsregierung hat zudem eine unabhängige Expertenkommission zur Aufklärung des Falles eingesetzt.

Al-Bakr war am 10. Oktober verhaftet worden, nachdem er zunächst bei einem misslungenen Polizeieinsatz in Chemnitz am 8. Oktober entkommen konnte. In einer von ihm genutzten Wohnung wurde hochexplosiver Sprengstoff gefunden. Mehrere Syrer in Leipzig, in deren Wohnung al-Bakr einen Schlafplatz bekommen hatte, überwältigten und fesselten den möglichen IS-Anhänger. Er stand im Verdacht, einen Anschlag auf einen Berliner Flughafen geplant zu haben.