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Mysteriöser Knall bei Müller-Milch

Die Ursache kennt niemand. Fieberhaft wird in Leppersdorf gesucht.

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© Robert Michael

Von Thomas Drendel

Die Welt ist voller Mysterien. Im Berliner Stadtteil Wedding kracht es nachts öfter. Die Menschen werden aus dem Schlaf gerissen, Scheiben wackeln, die Feuerwehr rückt an. Doch niemand weiß, woher der Knall kommt. Im Erzgebirge und im Vogtland stinkt es ab und zu penetrant nach Katzendreck. Im Verdacht stehen Firmen in Tschechien. Doch wo genau die Ursache liegt, ist unklar.

Jetzt hat auch Leppersdorf sein Mysterium. Im Ort ist ebenfalls in unregelmäßigen Abständen Lärm zu hören. Manchmal gibt es einen lauten Knall, manchmal wandelt sich das Geräusch auch zu einem länger anhaltenden Röhren, erzählt Falk Hanitzsch aus Leppersdorf. Er ist Gemeinderat der Offenen Bürgerliste (OBL) und beobachtet das Phänomen seit Langem. „Wenn es nachts knallt, dann werden wir aus dem Schlaf gerissen.“ Anders als in Berlin tritt das Geräusch aber auch tagsüber  auf. Der Leppersdorfer notiert sich jedes Mal genau Tag und Uhrzeit des Lärms und schickt die Angaben an den Technischen Leiter von Sachsenmilch, Dr. Frank Weile. Denn von dem Gelände der Molkerei kommt das Geräusch, sagt Falk Hanitzsch. Seit mehreren Monaten geht das so.

Schall-Messgeräte installiert

Bei Sachsenmilch wird indes fieberhaft nach der Ursache gesucht. „Doch wir haben keine Ahnung, was den Knall oder auch das langanhaltende Röhren auslöst.“ Dabei ist der Aufwand, dem mysteriösen Krach auf die Spur zu kommen, beträchtlich. Sachsenmilch ließ auf dem Gelände Schall-Messgeräte installieren. So gab es im November vergangenen Jahres eine Messung über mehrere Wochen. Im Januar ebenfalls. Ein Gutachten wurde angefertigt. Aufgrund der Messergebnisse aus dem Januar gab es technische Veränderungen an der Anlage. „Dann war Ruhe. Wir dachten, die Ursache gefunden zu haben“, sagt Frank Weile. Doch Anfang April krachte es wieder. Gleich zweimal. Jetzt reicht es der Firmenleitung von Sachsenmilch. „Wir haben uns entschlossen, eine Dauermessanlage zu installieren. Die bleibt so lange in Betrieb, bis die Ursache gefunden ist“, sagt der Technikchef. Das Problem ist nach seinen Worten eine Firma zu finden, die Schallmessgeräte über Monate vielleicht sogar Jahre zur Verfügung stellt. „Nach einem entsprechenden Dienstleister suchen wir jetzt.“

Falk Hanitzsch ist jedoch skeptisch, ob wirklich alles getan wird, um die Ursache zu finden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei 2 000 Mitarbeiterin im Werk niemand hört, woher der Knall kommt. In dem Betrieb wird rund um die Uhr gearbeitet, das muss jemandem auffallen.“ Doch so einfach ist das nicht, entgegnet der Technische Leiter. „Die Kollegen arbeiten innerhalb der Gebäude, während der Knall außerhalb passiert. Auch wenn es vielleicht der ein oder andere hört, kann es bei der Vielzahl der Anlagen nicht so einfach lokalisiert werden.“

Wilde Spekulationen

Bei dem unbekannten Rumms in Berlin schießen derweil die Spekulationen ins Kraut. Vielleicht löst ein verrückter Bastler Explosionen aus? Vielleicht sprengen sich Bankräuber einen unterirdischen Weg zu den Tresoren frei. Einen ähnlichen Fall hat es in der Hauptstadt ja schon gegeben. Etwas genaues weiß niemand. Auch in Leppersdorf wird über die Ursache spekuliert. „Ich habe die Kläranlagen in Verdacht. Dort gibt es Teile, die den Schlamm bewegen. Vielleicht krachen die gegeneinander oder schrammen an der Beckenwand lang“, sagt Falk Hanitzsch. Frank Weile hat eine andere Hypothese. „Vermutlich reagiert ein Ventil bei einem bestimmten Druck mit einem Knall oder mit dem länger andauernden Röhren. Bei der großen Anzahl solcher Bauteile ist es für uns aber schwierig das Richtige herauszufinden.“