Merken

Nach 166 Tagen ist Feierabend

Der Trainer muss nach fünf sieglosen Spielen bei Dynamo wieder gehen. Viele Fans begrüßen die Entscheidung.

 3 Min.
Teilen
Folgen
Maik Walpurgis ahnte bei seiner letzten Pressekonferenz in Darmstadt bereits den Rauswurf.
Maik Walpurgis ahnte bei seiner letzten Pressekonferenz in Darmstadt bereits den Rauswurf. © Jan Hübner

Von Timotheus Eimert

An diesem Sonntagmorgen herrscht eine bedrückende Stimmung am Rudolf-Harbig-Stadion. Die 0:2-Niederlage gegen Darmstadt steckt in den Köpfen der Spieler und Fans. Auch die Sonne kann die Stimmung nicht aufheitern. Die Lennéstraße wirkt verlassen, vor dem Trainingsplatz sind nur wenige Menschen. Einige Hobby-Läufer kommen vorbei, schauen auf ihrer Runde durch den Großen Garten nur sporadisch zum Rudolf-Harbig-Stadion. Gegen 10.30 Uhr kommt Maik Walpurgis. Als er in die Kabine geht, weiß er bereits, dass er als Cheftrainer bei Dynamo Dresden entlassen worden ist. Sportgeschäftsführer Ralf Minge hatte ihn bereits in den frühen Morgenstunden über die Entscheidung informiert. Und so ist für den 45-Jährigen an seinem 166. Arbeitstag Feierabend bei den Schwarz-Gelben.

Er ist noch einmal zum Stadion gekommen, um sich bei der Mannschaft für die gemeinsame Zeit zu bedanken und ihr alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Nach einer Dreiviertelstunde ist alles gesagt, seine Sachen gepackt. Walpurgis ist Geschichte bei Dynamo, der 25. Trainer seit 1990 blieb nur fünfeinhalb Monate. Mit ihm wurden seine beiden Co-Trainer Ovid Hajou und Massimilian Porcello freigestellt. „Der Glaube ist verloren gegangen, in dieser Konstellation erfolgreich sein zu können“, wird Minge in der offiziellen Mitteilung zitiert. Nach vier Niederlagen in fünf Spielen seit Jahresbeginn und neun Halbzeiten ohne eigenen Treffer gab es tatsächlich wenig Argumente für den Verbleib von Walpurgis. Die Entscheidung sei „alternativlos“ gewesen.

Seine Spieler äußern sich nicht

Man könnte sie auch überfällig nennen, denn schon nach der Nullnummer im Heimspiel war der Chefcoach vom Aufsichtsrat zum Rapport bestellt worden. Es gebe kein Ultimatum im klassischen Sinne, hatte Minge am Donnerstag gesagt und angekündigt, dass man die Situation nach dem Spiel in Darmstadt neu bewerten werde. „Das Erreichen unserer Ziele in dieser Saison ist in große Gefahr geraten“, begründete er nun die Entlassung. Walpurgis hatte es wohl geahnt, als er nach der erneuten Schlappe auf die Frage nach seiner Zukunft antwortete: „Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, bist du als Trainer immer angreifbar. Letztlich liegt es nicht in meiner Macht. Es ist eine Frage der Verantwortlichen, die ich so nicht beantworten kann.“

Zuvor hatten sich auch die Spieler um eine Aussage zu ihrem Trainer gedrückt. Sören Gonther, der am Sonnabend die Kapitänsbinde trug, verwies auf Minge, und Jannis Nikolaou meinte: „Das ist nicht unser Job. Wir sind für die Leistung auf dem Platz zuständig. Dazu will ich mich gar nicht äußern.“ Am Sonntag wollten oder durften sie nichts sagen. Sie hatten einen Maulkorb verpasst bekommen. Trainiert wurde nicht, einige Spieler waren auslaufen. Die angeschlagenen und verletzten Spieler machten sich nach dem Abschiedsgruß von Walpurgis auf den Heimweg.

Die Fans hatten in Darmstadt bereits vor dem Schlusspfiff ihre Transparente eingerollt und das Stadion verlassen. Sie hatten keine Lust, sich das Trauerspiel bis zum bitteren Ende anzusehen. Walpurgis zeigte „größtes Verständnis“ für die Reaktion – genau wie die Spieler. „Es tut uns leid, dass wir den Fans nichts zurückgeben konnten“, meinte Nikolaou. Wenn man die Stimmungslage in den sozialen Netzwerken beurteilt, herrscht Erleichterung nach dem Trainerwechsel. Twitter-Nutzer „Powl“ schreibt: „Maik Walpurgis passte nicht zu Dresden. Es ist besser, sich dieses Missverständnis einzugestehen.“ Auch Nutzer Dirk Adam meint: „Zwei gute Entscheidungen an einem Tag: Walpurgis raus, Fiel als neuer Cheftrainer rein.“