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Nach 20 Minuten sackt er zusammen

SPD-Chef. In Homburgs Fußgängerzone ist Franz Müntefering am Ende seiner Kräfte.

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Von Christian Jung undThomas Struk,Homburg

Es wirkt, als habe Franz Müntefering den Faden verloren: Der 65-Jährige gerät ins Stocken, versucht sich zu sammeln, doch er bricht zusammen. Noch vor Beginn der heißen Wahlkampfphase muss der SPD-Vorsitzende am Mittwoch der Hektik der vergangenen Wochen Tribut zollen und erleidet bei einer Kundgebung in Homburg an der Saar einen Schwächeanfall.

Müntefering, seit Frühjahr 2004 SPD-Chef, hat an diesem Tag schon ein langes Wahlkampfpensum hinter sich, ehe er in der Stadt an der Grenze zu Rheinland-Pfalz auf die Bühne tritt. Am Mittag ist er von Berlin nach Frankfurt geflogen und dann mit dem Auto ins Saarland gefahren. In Saarbrücken besucht er am frühen Nachmittag saarländische Wahlkampfteams. Anschließend unternimmt er eine Bootstour mit 200 Senioren auf der Saar.

In Homburg schüttelt Müntefering zusammen mit SPD-Landeschef Heiko Maas auf dem Weg durch die Fußgängerzone die Hände von Passanten, für die Würstchen, Frikadellen und Bier bereit stehen. Auf der Bühne gibt es zunächst eine Gesprächsrunde mit den SPD-Bundestagskandidaten im Saarland, dann redet Maas, ehe für Müntefering der Höhepunkt seiner eintägigen Tour im Saarland ansteht. In keinem anderen Bundesland in Westdeutschland ist die Konkurrenz der Linkspartei so groß wie hier – überall hängen Plakate von Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, die im Saarland auf ein deutlich zweistelliges Ergebnis hoffen.

Der 65-Jährige wirkt zunächst sehr konzentriert, greift Unions- Kanzlerkandidaten Angela Merkel an und fordert von den Unternehmen mehr Engagement für neue Arbeitsplätze. „Es kann nicht sein, dass die Gewinne ins Ausland mitgenommen werden und wir in Deutschland auf 4,8 Millionen Arbeitslosen sitzen gelassen werden“, schimpft der Sauerländer vor rund 400 Zuhörern.

Eigentlich will Müntefering 45 Minuten reden, doch schon nach 20 Minuten ist er am Ende seiner Kraft: Er versucht noch, sich am Pult festzuhalten, doch er sackt zusammen und wird von Ordnern aufgefangen. Ein Aufschrei geht durch die Menge. Müntefering wird hinter die Bühne gebracht und dort von Sanitätern versorgt. Wenige Minuten später rast seine Wagenkolonne mit dem Krankenwagen an der Spitze in die Homburger Uniklinik. Dort blieb er über Nacht zur Beobachtung. Nach SPD-Angaben geht es ihm gut. (dpa)