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Licht aus in Steina

Nach 22 Uhr wird’s finster im Ort. Anwohnern im Dorf ist das zu früh. Doch die Gemeinde will damit Geld sparen.

© René Plaul

Von Reiner Hanke

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Es ist gerade mal 22 Uhr und in Steina geht die Straßenbeleuchtung aus. Das beobachteten mit einiger Verblüffung Bürger der Gemeinde. Wer legt um die Zeit schon den Schalter um? Oder ist es ein Defekt?, fragten sie sich. Auf jeden Fall ist es stockfinster draußen. Es sei denn, der Mond bringt etwas Licht ins Dorf. Das habe sie etwas verunsichert, sagte eine Anwohnerin jetzt auch am SZ-Telefon. Ein Defekt kann ausgeschlossen werden. Denn die Gemeinde bestätigte: Es sei die Entscheidung gefallen, 22 Uhr die Straßenbeleuchtung abzuschalten. Finanzielle Gründe hätten dazu geführt. Es sei eine Sparmaßnahme. Mag ja alles sein, aber schon ab 22 Uhr? Es könne ja doch mal vorkommen, dass man später am Abend noch mal aus dem Haus muss oder vom Sportverein nach Hause kommt. Gerade im Winter lauern Stolperfallen. Und der Mond scheine auch nicht immer so hell, dass man sich von ihm heimleuchten lassen könnte.

Ein Gewinn, der keiner ist

Ein anderer Fall: Bauernfänger füllen täglich unsere Briefkästen mit halbseidenen Angeboten. Jeannine Sunder aus dem Haselbachtal bekam gleich haufenweise „Infopost“ von der Abteilung Finanzen von Reader’s Digest mit wichtigen persönlichen Dokumenten und dem Stempel „Auszahlung in Kürze“. Sie war nicht die Einzige. 650 000 Euro steht in goldenen Lettern auf einer „Beglaubigungsurkunde“ im Kuvert. Auf den ersten Blick habe das schon wie eine Gewinnbestätigung ausgesehen, so die Leserin. Mit einer Luxuslimousine werde sie daheim abgeholt und zum Bahnhof gebracht. Auf einer Karte wird sogar schon die Zugverbindung zum exklusiven Hotel in Baden-Baden beschrieben. Dort würde der Gewinnscheck ausgezahlt. Von internen Richtlinien ist die Rede, die die Vergabe aller Gewinne garantieren. Und die zusätzlichen Gewinne erst! Autos stehen ebenfalls in Aussicht und Flat-TVs noch dazu. Doch die Freude zerstreute sich dann doch schnell beim genauen Studium der toll in Szene gesetzten Unterlagen aus dem Büro des Direktors für Preisvergabe. Der ganze Aufwand wurde nur betrieben, um dem Empfänger die Teilnahme an einer „Gratisverlosung“ schmackhaft zu machen, für die der Empfänger persönlich ausgewählt wurde. Eine superpraktische Multifunktionsschere gibt’s als Geschenk: Wenn das kein Anreiz ist, sofort alle Maximal-Gewinnchancen- und -Angebotssiegel aufzupappen und zum Briefkasten zu rennen. Wer das am Ende vielleicht sogar aus Versehen getan hat, der hat auch noch einen Weltatlas für knapp 20 Euro mit bestellt, den er sowieso schon immer unbedingt wollte. Immerhin, es gibt ein vierzehntägiges Rückgaberecht.

Doch so weit muss es ja nicht kommen, denkt Jeannine Sunder. Das macht nur Scherereien und die Gewinnchancen seien ohnehin kaum real. Ihr Rat an die Leser der SZ ist, sich nicht aufs Glatteis führen zu lassen und ganz genau zu lesen oder solche Infopost gleich in den Papierkorb zu werfen. Denn der Gewinner ist wohl am Ende nur der Veranstalter.

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