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Nach Brandserie: Tätersuche erfolglos

Die Staatsanwaltschaft stellt mehrere Verfahren im Bischofswerdaer Land ein. Die Betroffenen tragen zum Teil noch schwer an den Folgen.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda. Die Nacht zum 14. August werden Barbara und Peter Thoms wohl ihr Leben lang nicht vergessen. Der Carport und zwei darunter geparkte Autos sowie die angrenzende Scheune brannten ab; das Wohnhaus der Rammenauer wurde schwer beschädigt. So schwer, dass sie auch zwei Monate nach dem Feuer nicht darin wohnen können. Nichts ist für das Ehepaar mehr so, wie vor dem Brand. Tagsüber sind die Rammenauer auf ihrem Grundstück; versuchen dort, Stück um Stück Normalität zurückzugewinnen. Die Nächte verbringen sie in einer Wohnung, die ihnen hilfsbereite Nachbarn zur Verfügung stellen. Barbara Thoms weiß diese Gastfreundschaft zu schätzen. Zumal eigentlich die Tochter der Familie in die Wohnung einziehen wollte. Sie sagt aber auch: „Es fällt uns schwer, jeden Abend unser Haus zu verlassen und in die andere Wohnung zu gehen.“

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Scheune, Carport und zwei Pkws waren nicht mehr zu retten, als es auf dem Grundstück der Familie Thoms in Rammenau in der Nacht zum 14. August brannte. Das Wohnhaus wurde schwer beschädigt. In diesem Fall dauern die Ermittlungen der Kriminalpolizei noch a
Scheune, Carport und zwei Pkws waren nicht mehr zu retten, als es auf dem Grundstück der Familie Thoms in Rammenau in der Nacht zum 14. August brannte. Das Wohnhaus wurde schwer beschädigt. In diesem Fall dauern die Ermittlungen der Kriminalpolizei noch a © Archivfoto: Rocci Klein

Lichtblicke in schwerer Zeit

Sie und ihr Mann sind sehr dankbar für jede Hilfe, die ihnen seit der Brandnacht zuteilwurde. Der Gemischte Chor des Ortes organisierte ein Benefizkonzert. Es gab und gibt praktische Hilfsangebote. „Wir möchten uns bei allen, die gespendet haben und uns helfen, herzlich bedanken“, sagt Barbara Thoms. Bis sie und ihr Mann in ihr Haus zurückkehren können, werden aber noch Wochen vergehen. Doch es gibt auch Lichtblicke. Das zur Hälfte zerstörte Dach ihres Hauses wurde vor einigen Tagen neu eingedeckt. Der Bretterverschlag am Giebel wurde erneuert. Ihr Sohn, der von Beruf Tischler ist, baute die Fenster ein. Er kam dafür extra aus der Nähe von Düsseldorf nach Rammenau. Als Nächstes wollen die Thoms’ im Inneren etwas Normalität schaffen. Noch ehe es ans Schlafzimmer geht, wollen sie die Wohnstube im Obergeschoss wieder bewohnbar machen. „Damit wir wenigstens erst mal einen Platz haben, an den wir uns tagsüber zurückziehen können“, sagt die Rammenauerin.

Vieles spricht dafür, dass das Feuer in der Nacht zum 14. August vorsätzlich gelegt wurde. Natürlich hoffe sie, dass der Täter ermittelt wird, sagt Barbara Thoms. Doch viel Hoffnung habe sie nicht. „Wann ist denn schon jemals ein Brandstifter ermittelt worden?“, fragt sie.

In ihrem Fall dauern die Ermittlungen der Polizei noch an. Ebenso beim Carportbrand am ehemaligen Bahnwärterhaus am Horkaer Teich in Bischofswerda. Bei anderen Bränden seit Jahresbeginn in der Region wurden die Ermittlungen ergebnislos eingestellt. Das betrifft unter anderem einen Carportbrand in Burkau, den Brand eines Holzstapels in Taschendorf und den Brand am ehemaligen Bahnhof in Schönbrunn. „In diesen Verfahren konnten Beschuldigte leider nicht namhaft gemacht werden. Die Verfahren waren daher einzustellen“, sagte Till Neumann, Sprecher der Staatsanwaltschaft Görlitz. Die Verfahren können allerdings bei Vorliegen neuer Erkenntnisse vor Ablauf der Verjährungsfrist jederzeit wieder aufgenommen werden.

Fast zehn Brände gab es seit Beginn dieses Jahres im Bischofswerdaer Umland. Ähnlichkeiten fallen auf. Die Brände brachen immer nachts aus, meist nach Mitternacht. Wiederholt brannten Carports oder andere Nebengebäude. Die Orte, an denen es brannte, befinden sich an Hauptstraßen, sind mit dem Auto also gut zu erreichen. Und die Brandorte liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich immer um den gleichen Täter handelt. Bewiesen ist das freilich bisher nicht. Bei ihren Ermittlungen prüfe die Polizei auch stets mögliche Verbindungen zu anderen Straftaten, sagt Polizeisprecher Thomas Knaup.

Warum ist Tätersuche so schwierig?

Im Fall der mutmaßlichen Brandserie sind die Ermittlungen offenbar schwierig. Thomas Knaup: „Grundsätzlich gilt, dass die Polizei Ermittlungen zu Straftaten führt, bis tatsächlich alle Ansätze ausermittelt sind. Dabei ist kriminalistische Arbeit in vielen Fällen sprichwörtlich Puzzlearbeit oder die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.“ Wenn sich aus den Ermittlungen jedoch keine Ansätze zur Aufklärung der Straftat ergeben und alle verfügbaren Informationen ohne Ergebnis ausgewertet wurden, bleibt den Ermittlern über kurz oder lang nichts anderes übrig, als die Ermittlungen zu beenden und das bisherige Ergebnis der Staatsanwaltschaft als Herrin des Verfahrens zu übermitteln. So verhielt es sich auch im Fall der Brandlegungen, zu denen die Ermittlungen bisher eingestellt wurden, erklärt der Sprecher. –Deshalb sind Zeugenhinweise so wichtig. „Wenn die Polizei beispielsweise nach Hinweisen aus der Bürgerschaft über gute Ermittlungsansätze verfügt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, eine Straftat beweissicher aufklären zu können. Bleiben derartige Zeugenhinweise jedoch aus, wird es der Polizei auch mit viel Mühe nur schwer gelingen, eine Straftat aufzuklären“, sagt Thomas Knaup. Es gebe häufig jemanden, der etwas gesehen hat, etwas weiß oder vielleicht auch nur gehört hat. „Leider erreichen nicht alle diese Informationen die Polizei“, sagt der Sprecher.

Die Vorstellung, der mutmaßliche Brandstifter könne jederzeit wieder zündeln, raube ihr noch jetzt den Schlaf, sagt eine Betroffene der Brände dieses Jahres. Ihren Namen und Wohnort möchte sie nicht in der Zeitung lesen. „Ich möchte keinen Vorwand geben, dass er vielleicht wiederkommt“, sagt sie. Feuerwehrleute äußern die Vermutung, der mutmaßliche Täter halte sich bei den Bränden und den Löscharbeiten verdeckt in der Nähe auf und beobachte das Geschehen. Was er damit „seinen“ Opfern antut, mag ihm vielleicht gar nicht bewusst sein. „Vier Wochen lang nach dem Brand habe ich keine Nacht durchgeschlafen“, sagt die Frau.