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Nach dem Abriss

Wenn ein Haus verschwindet, klafft erst einmal eine hässliche Lücke. Das muss nicht so bleiben, wie drei Beispiele zeigen.

© Lutz Weidler

Von Stefan Lehmann

Riesa. Die Einwohnerzahl in Riesa schrumpft – und das ist ein Problem für die Vermieter. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, hat allein die Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) seit dem Jahr 2002 mehr als 1 500 Wohneinheiten in der Stadt vom Markt genommen. In einigen Fällen durch Rückbau wie zuletzt die „Schrumpfung“ des Wohnblockes am Karl-Marx-Ring. Dort wurde in den vergangenen Monaten einfach die Zahl der Stockwerke reduziert. Andernorts sind ganze Blöcke verschwunden.

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Der Eigenheimstandort: Platz für Häuslebauer soll an der Segouer Straße entstehen. In zwei Jahren könnte es so weit sein.
Der Eigenheimstandort: Platz für Häuslebauer soll an der Segouer Straße entstehen. In zwei Jahren könnte es so weit sein. © Lutz Weidler
Der Bolzplatz: Für 6000Euro wurde an der Bautzner Straße ein umzäunter Bereich zum Fußballspielen errichtet. Eine weitere Anlage betreibt die WGR an der Elbe.
Der Bolzplatz: Für 6000Euro wurde an der Bautzner Straße ein umzäunter Bereich zum Fußballspielen errichtet. Eine weitere Anlage betreibt die WGR an der Elbe. © Lutz Weidler

Doch was kommt eigentlich nach dem Abriss? Neubauten jedenfalls sind laut WGR-Geschäftsführer Roland Ledwa ausgeschlossen: „Aufgrund dessen sowie durch den bisherigen Bevölkerungsrückgang in Riesa ist derzeit unsererseits kein Neubau geplant.“ Er verweist außerdem auf die rechtliche Situation. Denn weil die Abrisse aus Bundesmitteln gefördert wurden, sei ohnehin jeglicher Mietwohnungsbau für die nächsten zehn Jahre ausgeschlossen. Die Vermieter sind deshalb bestrebt, nach alternativen Nutzungsmöglichkeiten zu suchen. Wie verschieden die in den vergangenen Jahren ausgesehen haben, zeigt allein ein Blick auf die Grundstücke der WGR.

Eigenheime statt Mietwohnungen

Die aus Sicht der Vermieter sicherlich einfachste Lösung ist der Verkauf. Von insgesamt sechs Flurstücken hat sich die WGR laut Roland Ledwa bisher getrennt. Die Einzelgrößen liegen im Bereich von 530 bis etwas über 1 500 Quadratmeter. Einen größeren Aufwand hat die Wohnungsgesellschaft anderswo betrieben. „Sechs frei gewordene Standorte beziehungsweise Flurstücke wurden als Eigenheimstandorte erschlossen und separat veräußert“, erklärt Ledwa. Davon betroffen sind der Heideberg und der Karl-Liebknecht-Ring, außerdem Grundstücke an der Wilhelm-Busch-Straße. Auch an der Segouer Straße sollen in den nächsten anderthalb bis zwei Jahren rund 35 Eigenheimstandorte entstehen. Diese Maßnahmen sind relativ teuer, können dem Vermieter aber zumindest theoretisch Geld einbringen.

Bolzplatz und Blumenwiese

Dass es nicht immer Wohnraum sein muss, zeigt das Beispiel an der Bautzner Straße in Weida. Schon vor 15 Jahren war dort ein Gebäude mit 60 Zweiraumwohnungen abgerissen worden. „Die Bautzener Straße 21 war das erste Abrissobjekt“, bestätigt der WGR-Chef. Fünf Jahre später ließ der Vermieter dort einen Bolzplatz errichten, investierte rund 6 000 Euro. Solche Projekte seien immer eine Abwägungsfrage, erklärt Ledwa. An dieser Stelle sei letztlich der Bedarf an Spielmöglichkeiten größer eingeschätzt worden als die Beeinträchtigung durch Kinderlärm. Einmal im Vierteljahr veranstaltet der Verein Sprungbrett dort ein Fußballturnier. „In diesem Jahr haben wir dort auch erstmals eine alternative Blumenwiese angelegt, die wir nur einmal gemäht haben“, sagt der WGR-Chef. Auch die sei ganz gut angenommen worden – und nebenbei noch ein Beitrag für die Umwelt.

Feiern an der Schweriner Straße

Auch das Grundstück an der Schweriner Straße 7-11 hat die WGR behalten. Dieser Wohnstandort diene dem Großvermieter „und in geringem Umfang Dritten“ als Festwiese, erklärt Roland Ledwa. Unter anderem werden das Osterfeuer und der Kindertag auf dem Gelände gefeiert.

Neben diesen großen Projekten erfüllen einige frei gewordene Flächen noch einen anderen Zweck, der den Mietern zugute kommt, sagt der WGR-Chef: „In geringem Umfang wurden Stellplatzflächen erweitert oder neu geschaffen.“