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Nach dem Abriss geht der Ärger weiter

Die Leisniger haben Angst, dass die Freifläche eine Müllkippe wird. Der Nachbar sorgt sich um den Schandfleck in der Fassade.

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© André Braun

Von Heike Heisig

Leisnig. Das sogenannte Süttingerhaus am Schlossberg 7 beschäftigt die Leisniger weiter. Dabei ist das markante Fachwerkhaus, das einzustürzen drohte, schon seit Ende August nahezu dem Erdboden gleichgemacht. Ein Stück der Grundmauer ist am benachbarten Treppenaufgang stehengeblieben, am Schlossberg selbst das Stück Fassade, in dem sich Figuren befinden, die aus Sicht der Denkmalschützer gesichert und erhalten werden mussten. Zwischen den Mauern stehen tagsüber inzwischen häufiger parkende Autos. Einige Stadträte befürchten, dass die Freifläche eine Müllhalde wird. Es sollen schon Leute beobachtet worden sein, die dort Bauschutt abladen wollten.

Das Süttingerhaus vor dem Abriss.
Das Süttingerhaus vor dem Abriss. © André Braun

Verhindern kann das offenbar nur der Eigentümer. Weil der seiner Sicherungspflicht nicht nachgekommen war, hat die Bauaufsicht der Landkreisverwaltung den Abriss vornehmen lassen. „Weitere Maßnahmen zur Sicherung des Geländes, zum Beispiel durch eine Einzäunung, sind vom Eigentümer zu treffen“, teilt Cornelia Kluge von der Pressestelle des Landratsamtes Mittelsachsen auf Anfrage mit.

Sie bestätigt, dass mehr vom Gebäude abgerissen wurde, als zunächst angekündigt – und dadurch auch eine Art Platz entstanden ist. „Ursprünglich war vorgesehen, die Grundmauern des Gebäudes aus statischen Gründen zu erhalten. Im Laufe der Abbruchmaßnahme hat sich jedoch herausgestellt, dass dies nicht notwendig ist“, erklärt Cornelia Kluge.

Ob der Eigentümer des Hauses schon die Rechnung über die Abrisskosten in Höhe von 120 000 Euro erhalten hat, dazu äußert sich die Behörde nicht: „Aufgrund des laufenden Verfahrens können wir dazu keine Angaben machen“, teilt die Pressestelle des Landratsamtes mit.

Vor Ort, also am Schlossberg 7 in Leisnig, ist die Sache für die Bauaufsicht der Kreisbehörde abgeschlossen – für den Nachbarn Dieter Herker noch nicht. An sein Haus ist das Eckgebäude ohne eigenen Brandgiebel angebaut gewesen. Dass nach dem Abriss eine schadhafte, unverputzte Stelle zurückgeblieben ist, stört ihn schon. Doch das Landratsamt hält sich nun zurück. Es sei lediglich für die statische Sicherung der Nachbargebäude zuständig gewesen. „Alle weiteren Maßnahmen sind vom jeweiligen Eigentümer der betroffenen Gebäude zu erbringen“, erklärt Cornelia Kluge. Dieter Herker sieht allerdings nicht ein, dass er dafür Geld aufbringen muss – zumal es sich nach einer ersten Kostenschätzung um eine fünfstellige Summe handelt. „Wir sind dabei, den Eigentümer bei der Suche nach einem günstigeren Angebot zu unterstützen. Wir denken das müsste klappen“, sagte Bauamtsleiter Thomas Schröder vergangene Woche in der Sitzung des Technischen Ausschusses. Auch dort ist die Gestaltung der neuen Freifläche nach dem Hausabriss noch einmal angesprochen worden.

Die Kommune bot weiterhin an, beim Herrichten behilflich zu sein und – wenn das Bauhofteam nach dem Winterdiensteinsatz im Frühjahr etwas Luft hat – Mineralgemisch aufzubringen. Das begründete Schröder damit, dass der Kommune an einem ordentlichen Anblick an dieser Stelle besonders gelegen ist. Zum Altstadtfest gingen viele Gäste an dieser Stelle vorbei. Aber auch Besucher der Burg Mildenstein seien das gesamte Jahr über vom Parkplatz zur Burg auf dem Schlossberg unterwegs.