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Nach dem Absturz wieder Höhenluft

Im Blickpunkt

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Er geht wieder um, der frühere Jungstar der deutschen Wirtschaft. Lars Windhorst hatte in Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl einen großen Verehrer gewonnen, nachdem er 1992 mit 16Jahren eine Firma für Computerzubehör gegründet hatte und nur drei Jahre später umgerechnet 90 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete. Medien und Politik hofierten ihn seinerzeit als „Wunderkind“. Windhorst verkehrte außer mit politischen und wirtschaftlichen Größen auch mit Schauspielern und Sängern wie Michael Douglas oder Wendelin Wiedeking.

Doch dem jähen Aufstieg folgte ein rascher Absturz: 2000 floppte ein Immobilienprojekt in Vietnam. Dann geriet seine Firmengruppe in den Strudel des Zusammenbruchs der New Economy und machte 2004 Pleite. Bereits ein Jahr zuvor musste Windhorst als Privatmann eine eidesstattliche Versicherung ablegen und ging in die Privatinsolvenz. Sogar die Staatsanwaltschaft ermittelte: wegen Betrugs in vier Fällen. Eines der Verfahren wurde im Februar 2006 eingestellt, die anderen laufen noch. Die Privatinsolvenz konnte er im Sommer 2007 beenden. Seine 55 Gläubiger, denen er 63 Millionen Euro schuldete, gaben sich mit einem Anteil von 1,91 Prozent zufrieden. Windhorst ist damit entschuldet.

Bei dieser Geschichte reibt sich der Betrachter verwundert die Augen ob der Tatsache, dass der inzwischen 31-Jährige wieder mitmischt in der deutschen Wirtschaft. Seit gestern ist die von ihm geführte Beteiligungsgesellschaft Vatas größte Einzelaktionärin von Air Berlin, der deutschen Nummer zwei im Luftverkehr. Vatas erwarb 15,4 Prozent. Das Aktienpaket hat – gemessen an der Marktkapitalisierung von Air Berlin – derzeit einen Wert von 125,7Millionen Euro. Bislang war die Deutsche Bank größter Anteilseigner der Airline.

Die von Windhorst geführte Holding war bereits mit 22 Prozent am Hamburger Internet- und Mobilfunkanbieter Freenet beteiligt. Das Geschäft brachte Vatas 108 Millionen Euro ein. Die Holding ist zudem beim Handygehäuse-Hersteller Balda engagiert und stieg Mitte vorigen Jahres beim Münchener Pflegeheimbetreiber Curanum ein. Anfragen zu den Geschäften beantwortet Windhorst nicht. Vatas gebe grundsätzlich keine Auskunft zu den Investments, sagte er. Hinter der Beteiligungsgesellschaft steht ein britischer Investmentfonds. Dieser wiederum gehört dem südafrikanischen Manager Robert Hersov. Er wohnt mit seiner Familie in London und besitzt in Südafrika mehrere Bergbau-, Bau- und Lebensmittelindustriefirmen.

Ende Dezember war Windhorst durch einen Unfall eines Geschäftsflugzeugs in Kasachstan in die Schlagzeilen geraten. Die Maschine kam aus Asien und war nach einem Tank-Stopp in Almaty von der Startbahn abgekommen, gegen eine Mauer geprallt und explodiert. Windhorst verletzte und verbrannte sich im Gesicht und am Brustkorb. Erst gestern verließ er das Berliner Unfallkrankenhaus. (SZ/ddp/AP)