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Nach dem Drama in Duisburg wächst der Druck auf den Oberbürgermeister

Vorwürfe, Protestaktionen, Rücktrittsforderungen – doch Adolf Sauerland ist abgetaucht und wehrt sich in Zeitungsinterviews.

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Duisburg. Der Druck auf Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) steigt. Fünf Tage nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten häufen sich die Rücktrittsforderungen an die Adresse des Stadtoberhauptes. Der seit Tagen abgetauchte Sauerland betont, er habe keine Genehmigungen für die Parade unterschrieben. Politiker forderten ihn auf, Verantwortung zu übernehmen. Vor dem Duisburger Rathaus verlangten 250 aufgebrachte Demonstranten gestern lautstark Sauerlands Rücktritt.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte in der „Rheinischen Post“ gefordert, der Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze sollten sich der politischen Verantwortung stellen. Der Deutsche Beamtenbund geht davon aus, dass Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung während des Genehmigungsverfahrens „systematisch unter Druck gesetzt worden sind“.

In der Massenpanik kamen am vergangenen Samstag 21 zumeist junge Menschen ums Leben. 25 Verletzte lagen gestern noch im Krankenhaus. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte zu den bisherigen Ermittlungen, es sei klar, dass die Stadt Duisburg dem Veranstalter genehmigt habe, Flucht- und Zulaufwege „sehr viel kleiner, sehr viel enger gestalten zu dürfen, als die gesetzliche Lage eigentlich erlaubt“. Es werde ein Problem der Stadt werden, das zu begründen. Aber auch der Veranstalter, der für den Bereich des Tunnels verantwortlich gewesen sei, habe sein eigenes Sicherheitskonzept nicht eingehalten.

Sauerland wehrte sich in Zeitungsinterviews gegen die stetig zunehmenden Angriffe, räumte aber ein: „Ich habe politische Verantwortung, nicht nur weil ich als einer von 75 Ratsherren dafür gestimmt habe, dass wir als Duisburger die Loveparade wollen.“ Er sagte der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“: „Ich habe keine Genehmigung persönlich unterschrieben, aber selbstverständlich fühle ich mich als Oberbürgermeister verantwortlich.“ Zurücktreten wolle er aber nicht, sondern zunächst an der Aufklärung des Dramas mitarbeiten. (dpa)