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Nach dem Sturm ist vor der Arbeit

Viele Privatwaldbesitzer stehen vor ihren umgekippten Bäumen und sind ratlos. Das Forsthaus Kreyern hat sie deshalb zu einem Seminar im Wald eingeladen.

© Arvid Müller

Von Beate Erler

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Coswig. Der Andrang ist groß vor und im Forsthaus Kreyern in Coswig. Es ist noch früh am Samstagmorgen und das Thermometer zeigt zwölf Grad minus. Doch die 50 Privatwaldbesitzer, größtenteils Männer, scheuen weder das frühe Aufstehen, noch frieren sie schnell. „Ach, das ist doch noch gar nix“, sagt einer der Männer, „wenn Sie oben am Baum stehen und von allen Seiten zieht der Wind, dann ist es kalt.“ Sie alle sind auf Einladung des Staatsbetriebs Sachsenforst gekommen. Denn auch in ihren Privatwäldchen stehen nicht mehr alle Bäume da, wo sie vor dem Sturmtief Friederike noch standen.

Heute sollen die Waldbesitzer in einem Vier-Stationen-Seminar lernen, wie sie „aus dem Schaden noch das Beste machen können“, sagt Revierförster Marko Groß. Dazu müssen sie die unterschiedliche Qualität des Holzes richtig beurteilen, es richtig sortieren und vermessen, um es dann zu guten Preisen verkaufen zu können. „Die meisten Privatwaldbesitzer haben damit keine Erfahrung“, sagt Marko Groß. Sie bräuchten im Jahr vielleicht zwei Bäume Brenn- und Sägeholz für den Eigenbedarf.

Jetzt haben viele aber in ihren Wäldern Hunderte umgestürzte Bäume und sind überfordert. So wie Tobias Marschall aus Meißen. Ihm und seiner Familie gehört ein etwa zwei Hektar großes Waldstück zwischen Diera und Großenhain. Zum Seminar sind Teilnehmer aus dem gesamten Dresdner Forstbezirk gekommen. „Von unseren etwa 600 Bäumen sind 150 umgestürzt“, sagt Tobias Marschall, „bei anderen sind die Kronen weggebrochen.“ Als sich der Sturm ankündigte, hätte er niemals mit solchen Ausmaßen gerechnet. „So einen Schaden hatten wir noch nie“, sagt er.

Bisher kommen sie nur an den Wochenenden zum Beräumen. Von dem Seminar erhofft sich Tobias Marschall etwas mehr Klarheit, wie jetzt am besten vorzugehen ist. „Allerdings wird es am Ende nicht viel Geld bringen“, vermutet er. Das macht auch der Forstbezirksleiter Markus Biernath den Männern gleich zu Beginn klar: „Der Holzmarkt ist derzeit überschwemmt“, sagt er. Die Großabnehmer für Kiefern- und Fichtenholz kaufen zu deutlich niedrigeren Preisen das Holz auf. Über die Hälfte der Bäume im Forstbezirk Dresden sind Kiefern.

Trotzdem machen sie sich auf in den Wald. In Kolonne geht es vom Forsthaus Kreyern Richtung Gasthof Auer und dann links Richtung Moritzburg. Gleich hinter der Bergkuppe liegt ein kleiner Waldparkplatz. Vier Gruppen werden gebildet, die dann jeweils von Station zu Station ziehen. An Halt Nummer eins geht es um die Grundlagen für die Erstellung von Polterholz. Wie werden die Stapel angelegt und wo müssen sie liegen, damit die Lkws sie auch erreichen und ohne Probleme abtransportieren können.

Revierförster Marko Groß steht an Station Nummer zwei mit dem Thema Wertholzmessung. Hinter ihm liegen 910 Stücke Kiefernpolterholz. „Hier geht es um die Langholzabschnitte“, sagt er den acht Mann um ihn herum. Diese Abschnitte müssen mindestens drei Meter lang sein und bringen das meiste Geld. „Der Großteil geht nach Amerika, wo sie ihre Holzhäuser damit bauen“, erklärt Marko Groß.

Viel Arbeit wird auf die Privatwaldbesitzer zukommen. Das sehen sie jetzt schon, während der Revierförster erklärt, worauf sie alles achten müssen: Erst den zuständigen Förster anrufen und fragen, welche Länge die Industrie gerade braucht. Beim Polter anlegen, nicht höher als drei Meter stapeln. Eine Unterlage darunterlegen, damit das untere Holz nicht schimmelt. Jeder Holzstamm muss gezählt und nach Baumart getrennt ausgelegt werden. „Denn die Preise für Fichten- und Kiefernholz sind unterschiedlich“, erklärt Marko Groß weiter.

Am Ende geht es bei all der Arbeit auch darum, noch mehr Schäden zu verhindern. Aufgrund der vielen liegenden Bäume droht die Massenvermehrung von Schadinsekten, so Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt. Deshalb ist das Ziel, schon bis zum Frühjahr große Holzmengen aus den Wäldern zu bekommen. Auch Tobias Marschall weiß, dass er und seine Familie noch viel zu tun haben. Allerdings nicht nur bis zum Frühjahrsbeginn, eher bis zum Ende des Jahres.

Weitere Informationen für Waldbesitzer auf der Seite des Staatsbetriebs Sachsenforst: https://www.sbs.sachsen.de/nach-dem-sturm-was-ist-zu-beachten-26421.html

Örtlich zuständige Revierförster der Privat- und Körperschaftswaldreviere stehen beratend zur Seite.