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Nach den Traktoren kamen Wolgas

Hartmann Ulmitz lernte Landmaschinenschlosser. Seinen Meisterbrief hat ihm die Handwerkskammer vergoldet.

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© Dietmar Thomas

Von Helene Krause

Waldheim. Der mittelgroße, kräftige Mann mit dem eisgrauen Schnauzbart hat in einem Zimmer seiner Wohnung ein Büro eingerichtet. Es war einst Kinderzimmer einer Tochter. Vier Töchter hat die Familie großgezogen. An den Wänden erzählen Bilder von der Waldheimer Feuerwehr. Dabei ist die Wehr nur ein Teil des Lebens des heute 82-jährigen Hartmann Ulmitz. Von der Handwerkskammer erhielt er vor einigen Wochen den Goldenen Meisterbrief im Kraftfahrzeughandwerk.

Ulmitz, der heute in Waldheim wohnt, aber in Pischwitz aufgewachsen ist, lernte nach der Schule den Beruf eines Landmaschinenschlossers. „Es gab keine Lehrstellen“, nennt er als Grund für seine Berufswahl. Weil sein Vater damals in Döbeln als Meister in einer Firma arbeitete, die Landmaschinen reparierte, verschaffte er dem Sohn eine Lehrstelle als Landmaschinenschlosser.

Die Lehre fing im Mai 1948 an. 1951 durfte Hartmann Ulmitz vorzeitig die Prüfung ablegen. Doch durch den staatlichen Druck auf die Bauern, in die LPG einzutreten, ließen die keine Landmaschinen mehr reparieren. Ulmitz wurde arbeitslos. Er meldete sich beim Arbeitsamt. Das Amt schickte ihn zur Untersuchung in die Poliklinik. Danach sollte er zur Wismut in ein Uranbergwerk gehen. Als er von der Untersuchung nach Hause kam, fand er einen Zettel im Briefkasten. Darauf stand, dass eine Firma in Altmittweida einen Landmaschinenschlosser sucht. Sofort fuhr er mit dem Zug nach Altgeringswalde. Noch am selben Tag fing er in der Firma an.

Noch heute ist die Feuerwehr sein Hobby

Neuneinhalb Jahre arbeitete Hartmann Ulmitz in Altmittweida. 1958 heiratete er. 1959 kam seine erste Tochter zur Welt. Er meldete sich bei der Arbeiterwohnungsgenossenschaft (AWG) in Waldheim an und suchte sich eine Arbeit vor Ort. Im November 1959 fing er bei Krafthand, einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) in Waldheim an und legte später die Prüfung als Kraftfahrzeugschlosser ab.

Weil in dem Betrieb Meister gebraucht wurden, meldete Hartmann Ulmitz sich im Mai 1962 zum Meisterlehrgang an. „Das bedeutete, dass ich in der Woche zweimal mit dem Motorrad nach Leipzig fahren musste“, erzählt er. „Der Unterricht ging von 16 bis 21 Uhr.“ In der Zeit arbeitete er sonnabends bis zum Mittag und half am Nachmittag oder, wenn es die Zeit erlaubte, auch nach Feierabend beim Bau der AWG-Häuser.

Hartmann Ulmitz wurde Bereichsleiter und hatte zehn Kollegen unter sich. Materialprobleme gab es für ihn nicht. Zu DDR-Zeiten hatte die Firma Verträge mit Wolga, Moskwitsch und Multicar. „Die Teile für die Fahrzeuge waren zwar nicht vorrätig, aber sie langten immer“, sagt er. Für einige, die wegen Fahrzeugteilen viel Rennereien hatten, kaum vorstellbar. Von 1970 bis 1991 war Hartmann Ulmitz Obermeister im Kfz-Handwerk.

Im Mai 1988 wurde er in die Meisterbewertungskommission der Fachrichtung Kfz-Handwerk berufen. Einige Meister aus dem Altkreis Döbeln haben ihm den Meisterbrief zu verdanken. Bis 1991 arbeitete er in der PGH. Dann kündigte man ihm aus Gründen der Umstrukturierung des Betriebes und der schlechten Wirtschaftslage.

Nach seiner Kündigung arbeitete er ehrenamtlich als Kreisbrandmeister. Noch heute ist die Feuerwehr sein Hobby. Für jedes Jahr hat er einen Ordner angelegt. „Ich schneide alle Artikel aus den Tageszeitungen heraus, die die Feuerwehr betreffen, und klebe sie in den Ordner ein“, erzählt er. Auch mit der Feuerwehrhistorik beschäftigt er sich. Gern geht er zu den Treffen, seien es die vom Landkreis Mittelsachsen oder auch die in der näheren Umgebung. „Mir wird die Zeit nicht lang“, sagt er und lacht.