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Nach Hessen – die Wähler haben kaum eine Wahl

Da saß sie, die behäbige alte Dame und feierte bierselig den Aschermittwoch in Passau. Ihre beiden neuen Paten Beckstein und Huber mühten sich redlich und mit mäßigem Erfolg. Ein Transparent geriet unversehens...

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Da saß sie, die behäbige alte Dame und feierte bierselig den Aschermittwoch in Passau. Ihre beiden neuen Paten Beckstein und Huber mühten sich redlich und mit mäßigem Erfolg. Ein Transparent geriet unversehens in die Kamera: „Stoiber, wir vermissen dich.“ Bayerns CSU – nicht arm, aber auch nicht sexy.

Ein Grauschleier ist seit den beiden Karnevalswahlen in Niedersachsen und Hessen über die Parteien in Deutschland gefallen. In Hessen besonders, dessen SPD mit einer jungen Frau den Aufbruch in eine neue Zeit signalisieren wollte. Andrea Ypsilanti hatte zwar die Herzen junger Wähler gewonnen, unterlag aber hauchdünn dem frühvergreisten CDU-Granden Koch. Der hatte mit Uralt-Kamellen gegen Ausländer und Sozialisten geworfen, aber die absolute Mehrheit verpasst. Schwarz-Gelb reicht nicht, Schwarz-Rot scheitert (vorläufig) an Kochs Klebekraft.

Angela Merkel zollte dem Beinahe-Verlierer pflichtbewussten Beifall: Koch habe recht daran getan, das Thema Migrationskriminalität zum Wahlkampfthema erhoben zu haben. Zweifel sind allerdings erlaubt, ob die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende ihrer Türken-Phobie nachhängt, oder ob sie Angst vor einem nun nach Berlin strebenden Koch empfindet. Kann sie ihn nicht in Hessen halten, müsste sie ihn wohl oder übel nach Berlin rufen – für sie das Schlimmste außer einer Wahlniederlage. Schon kratzen Parteifreunde den Sessel des Verteidigungsministers für ihn frei, auf dem bisher sein hessischer CDU-Freund Jung thront und thronen bleiben will.

Dichter noch umwölkt der Grauschleier den SPD-Präses Kurt Beck. Der möchte zwar am Y-Charisma teilhaben, zugleich aber seine Rolle als Opposition in der schwarz-roten Bundesregierung weiterspielen – zumindest bis zum Wahltag 2009. Den Links-Ruck, den der Zauberlehrling rief, bekommt er nun nicht wieder in die Ecke. Was also tun, wenn die Linkspartei mit sozialdemokratischen Forderungen, wie der nach mehr sozialer Gerechtigkeit und einem Mindestlohn, Becks Truppe umwirbt? Die ersten Grünen wie Trittin liebäugeln schon mit Rot-Grün-Rot.

Die SPD, so die flatternde Angela, habe die Linke hoffähig gemacht, jetzt möge sie die lästigen Kommunisten wieder verscheuchen. Aber wie? Doch nur, wenn die SPD den auf Merkel fixierten Freidemokraten eine rot-grün-gelbe Koalition schmackhaft macht. Das reichte für Hessen, scheitert aber am hagestolzen FDP-Chef Westerwelle, der sich in Angelas Rockschößen verheddert: Trotz besserer Einsichten einiger seiner Parteifreunde hält der am schwarz-gelben Phantom fest.

Für die Wahlen in Hamburg, in den bayerischen Gemeinden und zum bayerischen Landtag haben die Wähler dank der Selbstverliebtheit ihrer Parteien kaum eine Wahl.