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Nach Zugunfall – Bahn weist Kritik zurück

Erneut kollidierte in Ostsachsen ein Zug mit einem Baum. Zwei Personen wurden verletzt.

Das beim Zusammenstoß mit dem Baum beschädigte Cockpit des Trilex. Der Triebwagen musste daraufhin in die Werkstatt nach Görlitz geschleppt werden © Länderbahn

Bautzen. Noch ist es ein Montagmorgen wie immer. Auf der Bahnstrecke Zittau – Dresden ist der erste Zug des Tages unterwegs. Der Trilex-Triebwagen des Verkehrsunternehmens Die Länderbahn ist pünktlich 3.51 Uhr in Zittau gestartet, 5.39 Uhr soll er den Hauptbahnhof in Dresden erreichen. Doch dort kommt der Zug nicht an.

Die Fahrt endet nach knapp einer Stunde abrupt zwischen den Haltepunkten Neukirch-Ost und -West. Plötzlich sieht der Triebfahrzeugführer einen umgestürzten Baum auf den Gleisen liegen. Geistesgegenwärtig leitet der Fahrer noch eine Gefahrenbremsung ein und flüchtet aus dem Cockpit. Er weiß, dass der Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden ist. In diesem Moment kracht es auch schon …

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Der Fahrer, der sich im Gang des Triebwagens in Sicherheit bringen wollte, stürzt. Ebenso der Kundenbetreuer, der im Zug Fahrkarten verkaufen und kontrollieren wollte. Beide sind leicht verletzt und brauchen ärztliche Hilfe. Die ist schnell vor Ort, ebenso die Feuerwehr und das Notfallmanagement der Länderbahn. Schnell ist klar: Die zehn Fahrgäste wurden bei dem Zusammenstoß nicht verletzt. Der Triebwagen aber wird nicht weiterfahren können. Der Baum hat das Cockpit eingedrückt und schwer beschädigt.

Der Zug wird auf freier Strecke evakuiert, die Fahrgäste steigen in herbeigerufene Taxen um. Gleichzeitig organisiert die Länderbahn eilends einen Schienenersatzverkehr mit Bussen. Denn klar ist auch: Auf diesem Streckenabschnitt wird erst Stunden später wieder ein Zug fahren können. Das stoppt zuerst den Gegenzug von Dresden nach Zittau, der kurz nach 5 Uhr durch Neukirch fahren sollte. Für ihn bleibt das Signal in Bischofswerda auf Rot. Dadurch kommt auch der Fahrplan auf der anderen Trilex-Strecke Dresden – Görlitz durcheinander. In Neukirch wird unterdessen der umgestürzte Baum beiseite geräumt. Der zerstörte Triebwagen muss in die Werkstatt nach Görlitz geschleppt werden.

Mitarbeiter stehen unter Schock

Gegen 9 Uhr wird die Strecke wieder freigegeben. Gegen halb zehn rollen die ersten Züge nach Dresden und Zittau durch Neukirch. Um diese Zeit sind die beiden Länderbahn-Mitarbeiter wieder zu Hause. „Sie stehen unter Schock und sind von der Arbeit freigestellt“, sagt Länderbahn-Sprecher Jörg Puchmüller. Um die Mittagszeit rollt der Verkehr auf beiden Trilex-Strecken wieder planmäßig.

Warum dieser Baum in der Nacht zum Montag auf die Strecke stürzte, steht noch nicht zweifelsfrei fest. Fakt ist aber, dass in der Oberlausitz immer wieder mal Bäume auf den Gleisen liegen. Erst im Januar übte die Länderbahn deshalb scharfe Kritik an der Deutschen Bahn AG (DB), der die Bahnstrecken gehören. „Wir sind generell sehr unzufrieden mit der Pflege der Strecken im Ostsachsennetz“, sagte damals Länderbahn-Sprecher Puchmüller. „Es kann nicht sein, dass jeder Windstoß reicht, um den Verkehr zum Erliegen zu bringen.“ Eine Bahnsprecherin antwortete am Montag, Bäume an den Strecken würden regelmäßig nach gesetzlichen Vorgaben inspiziert und zurückgeschnitten. „Grundsätzlich ist der Eigentümer von Waldstücken in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass von seinem Grundstück keine Gefahr ausgeht.“