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Nachgeholter Abi-Ball

Der 1990er Abiturjahrgang ging sang- und klanglos auseinander. Da war gerade Währungsunion. Nun sollen sich alle wiedertreffen.

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Unterricht bis Sonnabendmittag und Wohnen im Internat – das kannten viele Abiturienten der Großenhainer Erweiterten Oberschule (EOS) bis zur Wende. Doch die Abgänger des Jahres 1990 traf ein besonderes Schicksal. Als die drei Klassen nach zweijährigem gemeinsamen Lernen im Sommer ihre Reifezeugnisse im DRK-Gebäude erhielten, wurden sie sang- und klanglos aus der Schule verabschiedet. Kein Abiball, keine Abschlussfeier. „Die Währungsunion stand bevor, da hatten viele die Gedanken ganz woanders“, erinnert sich Karina Tillig aus Döschütz. Zwar besaß wohl jeder von ihnen eine Studienzusage. Doch was werden würde, war noch offen.

Nach 25 Jahren sollte nun der damals entgangene Abiturientenball nachgeholt werden. Das dachten sich im Vorjahr heutige Mittvierziger, die durch ihre Kinder Mitglieder im Förderverein des jetzigen Siemens-Gymnasiums sind. Allerdings tat sich ein großes Problem auf: Just die drei Klassenbücher der Zwölfer von 1990 fehlen im Schularchiv. Wie sollte man alle Namen und Adressen zusammenbekommen?

Es fehlen noch zehn Adressen

„Wir haben uns dann die Klassenbücher aus der elften Klasse geben lassen“, erzählt Karina Tillig. Da standen auf einer Seite sogar noch die Parteizugehörigkeiten der Eltern drin. Pro Klasse gab es 18 Schüler – also 54 Ehemalige galt es ausfindig zu machen. Karina Tillig aus der Internatsklasse, Sylvia Liebe aus der Großenhain-Klasse, Elmar Mücke und Cornelia Kühn machten sich an die Arbeit. Nur von der A-Klasse war bekannt, dass es da schon Klassentreffen gegeben hat. Über die Eltern, Facebook, Stay Friends und weitere Kanäle suchte man weitere Kontakte. „Wir haben bisher 40 Namen, zehn Adressen fehlen uns noch“, sagt Karina Tillig. Doch für den 24. September wurde nun das erste Jahrgangstreffen in der Außenstelle Hohe Straße angesetzt. Sollte sie gefunden werden, könnte eine Ehemalige sogar aus Amerika kommen.

Auch Lehrer werden da sein. Anita Bielig, Ilona Reichel oder Edith Jatzke wurden eingeladen, auch Carola Gärtig und Jürgen Becker sowie Ursula Boersch und der ehemalige Direktor Dr. Schönthier. Ihr Unterricht fand damals am Schacht statt, denn die heutige Grundschule war das Gebäude der EOS für den Kreis Großenhain. Das Internat befand sich im Alleegässchen.

Der Förderverein des Gymnasiums unterstützt das Treffen, weil Pflege von Traditionen eines seiner Ziele ist. „Und vielleicht bekommt dadurch auch der eingegangene Traditionsball zu Weihnachten wieder eine Chance“, wünscht sich Vereinschef Lutz Schröter. Für die Ehemaligen des Jahrgangs 1990 organisiert er kulturelle Beiträge aus dem Talentwettstreit der heutigen Gymnasiasten. Auch die Beköstigung hat der Förderverein übernommen.

Quiz über gemeinsame Schulzeit

„Wir werden uns viel über eine turbulente Zeit zu erzählen haben und wir wollen auch Fotos auf einer großen Leinwand zeigen“, blickt Karina Tillig voraus. Auch ein Quiz über die gemeinsame Schulzeit wird vorbereitet, alte Hausaufgabenhefte werden zur Anschauung ausliegen. Tilligs Hoffnung ist, dass sich durch diese Veröffentlichung noch weitere Abiturienten von damals melden.

Kontakt: Telefon 0171 9580505