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E-Bike-Abo - lohnt sich das?

In Sachsen buhlen diverse Anbieter um nachhaltigkeitsbewusste Kunden. Eine Leipzigerin berichtet von ihren Abo-Erfahrungen mit der Firma Swapfiets.

Von Andreas Rentsch
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Carla Senf betreibt in Leipzig zwei Studios für spezielle Fitnesskurse, sogenanntes Barre-Workout. Fürs Pendeln zwischen Arbeit und Zuhause hat die 42-Jährige ein E-Bike-Abo abgeschlossen.
Carla Senf betreibt in Leipzig zwei Studios für spezielle Fitnesskurse, sogenanntes Barre-Workout. Fürs Pendeln zwischen Arbeit und Zuhause hat die 42-Jährige ein E-Bike-Abo abgeschlossen. © Anja Jungnickel

Dass sie nicht mit dem Auto oder dem Motorroller durch ihre Heimatstadt pendeln würde, stand für Carla Senf aus Leipzig von vornherein fest. „Kam für mich aus Umweltgründen, wegen der Benzinpreise, der Parkplatzsuche und Staugefahr nicht infrage“, sagt die 42-Jährige. Stattdessen sollte es ein E-Bike sein. Aber kaufen? Mehrere Tausend Euro wollte die Studioleiterin und Trainerin dann doch nicht in die Hand nehmen. Trotzdem fährt sie seit Mai ihr Wunsch-Pedelec der Marke Swapfiets. Dafür hat sie bei dem Anbieter aus Amsterdam ein Abo abgeschlossen.

Eine gute Lösung, wie die Mutter von drei Kindern findet. „Eines meiner Studios liegt im Osten von Leipzig, das andere im Westen. Ich selber wohne im Zentrum. Mit dem E-Bike komme ich schnell und unkompliziert hin und her.“ In den ersten drei Monaten sei sie über 1.000 Kilometer geradelt, sagt Senf. „Da waren selbst die Leute von Swapfiets beeindruckt.“

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Der Markt für E-Bike-Abos verheißt einiges Wachstumspotenzial. Neben dem Branchenpionier Swapfiets buhlen hierzulande eine Handvoll weiterer Anbieter um Kunden – manche nur in bestimmten Städten oder Regionen, andere bundesweit. Die bekanntesten Namen in der Branche sind Swapfiets und der ADAC, dazu kommen Start-ups wie Mylo oder Rebike Mobility. „Steigende Herstellerpreise sorgen dafür, dass sich Verbraucher nach Alternativen zum Neukauf umsehen“, sagt Carsten Greiner von Greenstorm Mobility, einem weiteren Wettbewerber. Die Firma mit Sitz in Österreich zählt zu den Kooperationspartnern des ADAC, arbeitet aber auch mit dem Deutschen Beamtenbund zusammen.

Reparaturen innerhalb von 48 Stunden

Während andere Anbieter Kundschaft in ganz Sachsen bedienen, ist Swapfiets derzeit nur in Leipzig und Umgebung vertreten. Für ihr Modell „Power 1“ zahlt Carla Senf monatlich knapp 60 Euro. Im Rahmen steckt ein Akku, dessen Inhalt bis zu 80 Kilometer elektrisches Fahren ermöglicht. Im Preis sind zudem eine Versicherung, ein Fahrradschloss und eine Art Sorglos-Service enthalten: Ist das Rad defekt, kommt binnen 48 Stunden ein „Swapper“ vorbei, um es zu reparieren. Falls der Kundendienstmitarbeiter feststellt, dass dies innerhalb von zehn Minuten nicht zu machen ist, wird das E-Bike gegen ein runderneuertes, sofort fahrbereites Modell getauscht.

Fahrradschloss im Abopreis inklusive: Schließlich haben die Anbieter ein gesteigertes Interesse daran, ständig gestohlene Räder ersetzen zu müssen.
Fahrradschloss im Abopreis inklusive: Schließlich haben die Anbieter ein gesteigertes Interesse daran, ständig gestohlene Räder ersetzen zu müssen. © Anja Jungnickel

Ähnliche Preise und Konditionen bieten auch die Konkurrenten. Bei ihnen ist allerdings die Auswahl an verfügbaren Modellen größer. Rebike Mobility etwa listet 88 Modelle, darunter renommierte Marken wie Flyer oder Stromer. Mylo lockt Abonnenten damit, auch Lasten-Pedelecs oder Rennräder mit Elektrounterstützung ordern zu können. Auch der ADAC will nicht ins Hintertreffen geraten – und stockt seine Flotte demnächst von zehn auf bis zu 25 Modelle auf. „Unser Partner hat für den Herbst ein großes Kontingent angekündigt“, sagt Klubsprecher Thomas Biersack.

Auswahl und Preis sollten aber nicht die einzigen beiden Entscheidungskriterien sein, sagt Alexander Giebler vom Pressedienst Fahrrad, einem Zusammenschluss von mehr als 50 Vereinen, Firmen, Institutionen und Organisationen aus der Fahrradbranche. Sein Tipp: „Das Kleingedruckte im Vertrag penibel prüfen.“ Was genau passiert bei einem Unfall oder einem Diebstahl? Welche Nutzung ist erlaubt, welche ausgeschlossen? Muss das E-Bike an einem Ort abgestellt und auf eine bestimmte Art und Weise angeschlossen werden? Wer trägt anfallende Kosten? Positiv ist, dass Reparatur-, Verschleiß- und Versicherungskosten größtenteils eingeschlossen sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt: „Man sollte sich vorher genau überlegen, für welche Nutzungszeit man sich bindet“, so Giebler. Je länger die Vertragslaufzeit, desto niedriger die monatlichen Abogebühren. „Ohne Flexibilität bei der Laufzeit und eher längerfristiger Nutzung kann aber auch Leasing die richtige Wahl sein.“

„Ich bleibe beim Abo. Das ist viel besser als Besitz“

Interessant sind die Unterschiede bei der Anschlussverwendung ausgedienter Räder. Swapfiets verkauft seine E-Bikes nicht, sondern arbeitet daran, sämtliche Teile zu recyceln oder anderweitig wiederverwenden zu können. Die Konkurrenz bietet ihre alten Abo-Bikes auf Gebrauchtkaufportalen an oder ihren Nutzern ein Übernahmeangebot. Der Preis richte sich hauptsächlich nach dem Kilometerstand, heißt es bei Greenstorm Mobility. Ist ein Pedelec im üblichen Abo-Zeitraum von zwölf Monaten 500 Kilometer gefahren, gewähren die Österreicher einen Rabatt von zehn Prozent des Neupreises. Bei älteren Modellen gibt es teilweise zusätzliche Nachlässe. Der Rabatt für solche E-Bikes mit mehr als 3.000 Kilometern Laufleistung kann dadurch auf 35 Prozent steigen.

Ein anderes Konzept verfolgt das in Berlin ansässige Start-up ListNRide. Dessen 2017 gestartete Internetseite ist eine Art „AirBnB für Fahrräder“. Auf ihr können auch private Pedelecbesitzer inserieren und tageweise oder länger vermieten. Eine stichprobenartige Abfrage zeigt, dass der Service in Sachsen verfügbar ist – wenn auch nicht überall. Filtert man beispielsweise das Angebot für Dresden nach E-Bikes, bleiben 28 Treffer übrig. Die Tagesraten beginnen bei 29 Euro, können für teure Pedelecs aber auch bei 55 Euro liegen. In Leipzig sind es mit dem gleichen Suchkriterium nur noch 20 Angebote, hier fordern die Verleiher je nach Modell zwischen 29 und 59 Euro. Chemnitz als drittgrößte Stadt im Freistaat ist gar nicht vertreten. ListNRide wirbt übrigens damit, weltweit 50.000 Räder an über 1.000 Orten verfügbar zu machen.

Carla Senf ist überzeugt von dem Abo-Modell, für das sie sich entschieden hat. Nicht mal eine Reparatur sei bislang vonnöten gewesen. „Beim ersten Servicetermin nach drei Monaten habe ich direkt ein neues Rad bekommen. Ihr Fazit: „Ich bleibe beim Abo. Das ist viel besser als Besitz.“

Konditionen von fünf E-Bike-Abo-Anbietern, die in Sachsen aktiv sind

Rebike Mobility

  • Zahl der verfügbaren Modelle: 88; hauptsächlich E-Mountainbikes, Trekking-E-Bikes, City-E-Bikes; z.B. KTM, Flyer, Stromer
  • Laufzeit des Abos: 3, 6, 12, 18 oder 24 Monate
  • Abo-Kosten: ab 59 € mtl.; Gebühr abhängig v. Laufzeit, zzgl. 1 € einmalige Servicegebühr
  • Versicherung: inkl. (Sachschäden, Diebstahl mit Selbstbeteiligung)
  • Wartung und Reparatur: Kosten f. Verschleiß in Versicherung inkl.; Reparaturkosten inkl.
  • Kauf nach Abo möglich: ja
  • Versand/Abholung: ja (in Servicegebühr inklusive)
  • Extras: Fahrradschloss inklusive
  • Webseite: www.ebike-abo.de

ADAC eRide

  • Zahl der verfügbaren Modelle: 10, Flotte wird im Herbst auf 20–25 aufgestockt
  • Laufzeit des Abos: 6, 12, 18 oder 24 Monate
  • Abo-Kosten: ab 79 € mtl.; abh. von Laufzeit, zzgl. 98 € Startgebühr (entfällt für ADAC-Mitgl.)
  • Versicherung: inkl. (Sachschäden, Diebstahl, Bedienfehler)
  • Wartung und Reparatur: über Servicepartner; Reparaturkosten inkl.
  • Kauf nach Abo möglich: ja
  • Versand/Abholung: ja (kostenfrei)
  • Extras: Fahrradschloss inklusive
  • Webseite: www.adac.e-ride-shop.de

Swapfiets

  • Zahl der verfügbaren Modelle: 2 E-Bikes mit Unisex-Rahmen (tiefer Einstieg)
  • Laufzeit des Abos: 1 Monat (dann mind. 19,90 € Anmeldegebühr) oder 6 Monate (ohne Anmeldegebühr)
  • Abo-Kosten: 59 € mtl. für das kleinere Modell Power 1; 79 € mtl. für das größere Power 7 (mit 7-Gang-Schaltung)
  • Versicherung: inkl. (Diebstahl mit Selbstbeteiligung, Kosten Unfallschäden sind zunächst selbst zu tragen)
  • Wartung und Reparatur: über Swapfiets-Shops (gratis bei Mängeln/Schäden, die bei normaler Nutzung entstehen)
  • Kauf nach Abo möglich: nein, Räder werden recycelt
  • Versand/Abholung: ja (kostenfrei innerhalb Servicegebiet); Abholung in Filiale möglich
  • Extras: Fahrradschloss inklusive
  • Webseite: www.swapfiets.de

Mylo

  • Zahl der verfügbaren Modelle: 20, z. B. Riese & Müller, Scott, Electra; auch verfügbar: E-Lastenräder, E-Rennräder, E-Faltpedelecs
  • Laufzeit des Abos: 3, 6, 12, 18 oder 24 Monate
  • Abo-Kosten: ab 49 € mtl.; abhängig von Laufzeit
  • Versicherung: inkl. (Diebstahl, Sachschäden, teils mit Selbstbeteiligung)
  • Wartung und Reparatur: Reparaturkosten werden erstattet; beliebige Werkstatt
  • Kauf nach Abo möglich: ja
  • Versand/Abholung: ja (kostenfrei)
  • Extras: Fahrradschloss inklusive, Fahrradtausch möglich
  • Webseite: www.mylo.de

Greenstorm Mobility

  • Zahl der verfügbaren Modelle: 8–12, u.a. E-Mountainbikes, City-E-Bikes, E-Fullys, E-Kinderbikes; z. B. KTM, Fantic, Hercules
  • Laufzeit des Abos: 6, 12, 18 oder 24 Monate
  • Abo-Kosten: ab 79 € bis 99 € mtl.; 98 € Startgebühr (entfällt für ADAC-Mitglieder)
  • Versicherung: inklusive (Diebstahl)
  • Wartung und Reparatur: über Partner- oder Drittwerkst./gratis bei Schäden (normale Nutzung)
  • Kauf nach Abo möglich: ja
  • Versand/Abholung: ja (in Startgebühr inklusive)
  • Extras: Fahrradschloss inklusive
  • Webseite: www.e-bike-abo.greenstorm.eu