Wirtschaft
Merken

Was Seesterne über Nachhaltigkeit sagen

Beim 17. Wettbewerb "Sachsens Unternehmer des Jahres" spielt der Umgang mit Ressourcen eine besondere Rolle – ein Zukunftsthema, nicht nur in der Festrede.

Von Michael Rothe
 3 Min.
Teilen
Folgen
Was kann der Einzelne zur Nachhaltigkeit beitragen? Der Seestern kennt die Antwort.
Was kann der Einzelne zur Nachhaltigkeit beitragen? Der Seestern kennt die Antwort. © 123rf

Wenn jemand Leistungen in Sachen Nachhaltigkeit bewerten kann, dann sie: Edeltraud Günther, Direktorin des Instituts Unu-Flores der Universität der Vereinten Nationen in Dresden. Sie forscht zu Umweltressourcen und der Frage, wie Klima, Landnutzung und Bevölkerungsstruktur Einfluss auf sie nehmen und entwickelt Strategien zur nachhaltigen Nutzung von Wasser, Boden, Abfall. Kein Wunder, dass Sachsens Unternehmerpreis-Jury bei der Suche nach den besten Ressourcenmanagern die Expertise jener Professorin nutzt, die als Gutachterin für EU, Bund und Länder arbeitet sowie Gastprofessuren in den USA, Japan und Namibia vorweisen kann.

Wer für den Fokus-X-Preis infrage kam, musste gleich dreifach Vorbild sein, erklärt Günter in ihrer Festrede: in Ökonomie, Umwelt, Gesellschaft. „Dabei haben wir auch zwei Dimensionen der Nachhaltigkeit ergänzt, die häufig vernachlässigt werden: Zeit und Raum.“ Gutes Ressourcenmanagement erfordere Weitsicht, müsse aber auch den Standort berücksichtigen und die Wirkungen des eigenen Tuns anderswo.

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

„Wie wirkt unser Erdbeerkuchen auf den Grundwasserspiegel in Spanien“, fragt die 56-Jährige ins Rund. Oder der Grabstein der Großeltern auf Kinderarbeit in Indien, das neue E-Auto auf die Lebensräume indigener Völker in Bolivien durch den Einsatz von Chemikalien zur Lithiumförderung? „Stellen Sie sich vor, die Wirkungen wären vor unserer Haustür“, sagt sie. Der Grundwasserspiegel in der Lommatzscher Pflege würde von vier auf 30 Meter unter Geländekante sinken, Sachsens Kornkammer vertrocknen, beschreibt sie das Szenario. Achtjährige würden in Steinbrüchen in der Sächsischen Schweiz Steine behauen und eine Fläche halb so groß wie das Erzgebirge würde zur Mondlandschaft, weil dort nach seltenen Erden für Smartphones geschürft wird. Folge: Riesige radioaktive und giftige Abraumberge dominierten die Landschaft.

Edeltraud Günther ist die Festrednerin bei der Gala zum "Unternehmer des Jahres" in der Gläserne Manufaktur von VW in Dresden.
Edeltraud Günther ist die Festrednerin bei der Gala zum "Unternehmer des Jahres" in der Gläserne Manufaktur von VW in Dresden. © Matthias Rietschel

Zum Glück sieht die Realität hierzulande anders aus. Immerhin hatte mit Hans Carl von Carlowitz ein Sachse 1713 den Begriff der Nachhaltigkeit erfunden und für nachhaltende Waldnutzung geworben. Längst geht es um mehr Ressourcen, als nur die Umwelt: Mitarbeiter, Finanzen, Anlagen, Wissen, Netzwerke. Klimawandel, Materialmangel und explodierende Energiekosten sorgen bei vielen für Aha-Effekte. „Die Vielfalt der Einreichungen, die Qualität der verschiedenen Geschäftsmodelle und die beeindruckenden Persönlichkeiten hinter den Bewerbungen zeigen, dass Sachsen auf einem guten Weg in eine nachhaltige Zukunft ist“, sagt Expertin Günther. Doch müssten ihn noch mehr Unternehmen gehen. Sie wünsche sich, dass der Sonderpreis Strahlkraft entfaltet.

Mehr zu "Sachsens Unternehmer 2022"

Und was kann ein/e Einzelne/r im Umgang mit Ressourcen bewirken? So gefragt, erzählt Günther ihren Studenten die „Seesterngeschichte“. Darin macht ein kleines Kind mit seinem Vater einen Strandspaziergang. Plötzlich bückt es sich, hebt einen Seestern auf und wirft ihn zurück ins Meer, weil der sonst sterben würde. Der kilometerlange Strand sei voll mit diesen Tieren, und man könne unmöglich alle retten, kommentiert der Vater, die aus seiner Sicht sinnlose Aktion. Darauf entgegnet das Kind: „Aber für den einen macht es Sinn.“

„Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von Sächsischer Zeitung, Leipziger Volkszeitung, Freier Presse und MDR Sachsen sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG, der LBBW und der Gesundheitskasse AOK Plus. www.unternehmerpreis.de

Mehr zum Thema Wirtschaft