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Nachschub fürs Gedenken

Die Fertigung der weißen Rosen für den 13. Februar in Dresden läuft. 2 000 Exemplare stehen diesmal im Auftragsbuch.

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Von Dirk Schulze

Die Handfärberei wird übersprungen. An dieser ersten Station der Schauwerkstatt im Haus der Deutschen Kunstblume, gleich neben der Tür links, erhält gerade eine Charge Stiefmütterchen die typischen tief violetten Farbkleckse in der Blütenmitte. Doch die feine weiße Seide der Rosen soll so bleiben, wie sie ist. Ihre Farbe ist schließlich das Markenzeichen dieser Ansteckblumen, die jedes Jahr in Dresden zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt während der Bombardements am 13. und 14. Februar 1945 getragen werden.

Das braucht Fingerspitzengefühl: Im Haus der Deutschen Kunstblume entstehen die weißen Rosen für den 13. Februar. Foto: Steffen Unger
Das braucht Fingerspitzengefühl: Im Haus der Deutschen Kunstblume entstehen die weißen Rosen für den 13. Februar. Foto: Steffen Unger

Petra Mittag ist also die erste der sieben Mitarbeiterinnen, die die unfertigen Blütenblätter hier oben in der bunt dekorierten Werkstatt auf den Tisch bekommt. In der dunklen Stanzerei im Erdgeschoss wurden sie zuvor aus den mit Kartoffelstärke oder Gelatine steif gemachten Stoffbahnen gestanzt.

Die Knospe der weißen Rose ist aus drei unterschiedlichen Grundelementen zusammengesetzt: einem sechsblättrigen, einem fünfblättrigen sowie zwei vierblättrigen Stücken, jeweils mit kleinem Loch in der Mitte für den Stiel. Die Maschine, die sie ausstanzt, stammt noch aus den 1950er-Jahren, aus dem ehemaligen DDR-Großbetrieb VEB Kunstblume.

Mit einem sanften Druck ihres Fußes bringt Petra Mittag die glatten Knospenteile nun in ihre gewölbte Form. Stück für Stück legt sie in das heiße Prägeeisen. Das senkt sich einmal und presst die Seide in Form. Hebt sich das Eisen, ist aus dem vormals flachen Stück Stoff ein bauchiges Blütenblatt geworden, das seinem natürlichen Vorbild täuschend ähnlich sieht. Von hier aus geht es weiter nach nebenan. Fünf Mitarbeiterinnen sind dort fleißig am Blümeln, wie die Eingeweihten sagen. Sie setzen die gestanzten und in Form gepressten Einzelteile zusammen. Mit etwas Leim, einem Stück Wickeldraht und viel Fingerspitzengefühl wird daraus eine fertige Rose. Zuerst wird das sechsgliedrige Blütenblatt von unten auf den Stängel mit dem gelben Stempel geschoben, darüber folgt das fünfgliedrige. Sie bilden die halb geschlossene innere Knospe der Blüte. Am Nebentisch folgen dann die beiden viergliedrigen Blätter – eins mit der Wölbung nach innen, eins mit der Wölbung nach außen. Sie sind weit geöffnet und lassen die Rose erblühen.

Zum Schluss folgen die grünen Kelchblätter. „Der Unterstreifer“, erklärt Günter Hartig, der Leiter des Hauses. „Er gibt der Blume den Halt.“ Mit einer Pinselspitze Schusterleim werden die Einzelteile anschließend verklebt. Damit später keiner mehr den dünnen Wickeldraht am Stiel entdeckt, wird er noch mit selbstklebendem grünen Papierband umwickelt. Fertig ist die weiße Rose. Jetzt fehlt nur noch die Nadel, damit die Blume auch an die Jacke gesteckt werden kann.

2 000 Stück der weißen Rosen produzieren die Mitarbeiterinnen der Deutschen Kunstblume in diesem Jahr. Bei der ersten Produktion für den 13. Februar 2005 waren es noch 10 000 Exemplare. Als Grund für die zurückgegangene Stückzahl gilt, dass viele Dresdner die hochwertigen, handgefertigten Blumen über mehrere Jahre hinweg tragen. Immer nach dem 13. Februar werden sie weggelegt und dann im Jahr darauf wieder hervorgeholt.

Ein Paket von 500 der 2 000 Blumen geht in diesem Jahr direkt ins Büro von Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU). Die restlichen 1 500 bekommt das Dresdner Druck- und Verlagshaus, zu dem auch die SZ gehört. Sie sind dann in allen SZ-Treffpunkten in Dresden erhältlich.