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Nacht der Verwandlung

Der zweite Maskenball der Landesbühnen in Radebeul war restlos ausverkauft. Die Gäste übertrafen sich selbst an Kreativität. Was belohnt wurde.

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© Martin Reißmann

Von Ulrike Keller

Radebeul. Es ist ein Schaulaufen der Fantasiewelten am Sonnabendabend in den Landesbühnen. Japanische Eleganz flaniert neben venezianischer Pracht. Damen in geschnürter Korsett-Mode ziehen an Clownsgestalten vorüber. Barocke Üppigkeit wandelt zwischen dem Charleston-Schick der Goldenen Zwanziger und Kreationen der Marke Eigenbau. Exotisch bis geheimnisvoll zeigt sich die Gästeschar beim zweiten Maskenball des Radebeuler Theaterhauses.

Exotisch bis witzig: Unter den 350 Gästen wurden drei Masken prämiert. Den Preis für die schönste Optik erhielten die Moritzburger „Japaner“ Carla und Michael Teich sowie das Dresdner Harlekinpaar Kerstin Hirsch und Michael Hänsel. Zur kreativsten Maske s
Exotisch bis witzig: Unter den 350 Gästen wurden drei Masken prämiert. Den Preis für die schönste Optik erhielten die Moritzburger „Japaner“ Carla und Michael Teich sowie das Dresdner Harlekinpaar Kerstin Hirsch und Michael Hänsel. Zur kreativsten Maske s © Martin Reißmann
Exotisch bis witzig: Unter den 350 Gästen wurden drei Masken prämiert. Den Preis für die schönste Optik erhielten die Moritzburger „Japaner“ Carla und Michael Teich sowie das Dresdner Harlekinpaar Kerstin Hirsch und Michael Hänsel. Zur kreativsten Maske s
Exotisch bis witzig: Unter den 350 Gästen wurden drei Masken prämiert. Den Preis für die schönste Optik erhielten die Moritzburger „Japaner“ Carla und Michael Teich sowie das Dresdner Harlekinpaar Kerstin Hirsch und Michael Hänsel. Zur kreativsten Maske s © Martin Reißmann

Die Erwartungen sind groß. Die Premiere hat Maßstäbe gesetzt. Das hat sich auch in Moritzburg herumgesprochen: „Bekannte von uns waren vergangenes Jahr da und haben geschwärmt von der Atmosphäre und der Gestaltung des Abends“, berichten Carla und Michael Teich. Nun stehen sie im Foyer der Landesbühnen und ziehen alle Blicke auf sich. Weiß die Gesichter, gesteckt beziehungsweise gegelt das Haar, blau-weiß die Stoffe. Sie tragen Original-Kimonos aus Japan. Mitgebracht von Dienstreisen, die Michael Teich als studierter Physiker schon dreimal ins Land der aufgehenden Sonne führten.

„Wir wussten nicht, was man zu einem Ball anzieht: Kostüm oder Ballgarderobe?“, erzählen die Moritzburger. Mit dem Kimono wählten sie eine Art Mittelweg. Und investierten noch mächtig in die Details: Carla Teich, im normalen Leben Anästhesistin, war am Vormittag extra noch beim Frisör, zum Hochstecken und Schminken. Der Mann an ihrer Seite recherchierte ausgiebig im Internet, wie die aufwendige Schleife auf dem Rücken ganz ursprünglich gebunden wird. Das Ergebnis trägt er – aus einem Bettlaken geschnitten – über den Nieren. Bei der Maske haben sie sich jedoch bewusst dafür entschieden, eine schminken zu lassen statt eine aufzusetzen. Etwas Künstliches vor den Augen ist ihnen nichts, das sagen sie ganz ehrlich.

Ähnlich geht es einem gut gelaunten Harlekin-Pärchen aus Dresden. Kerstin Hirsch und Michael Hänsel, beide Maler, haben sich lange Gedanken über ihr Outfit gemacht, verraten sie. Ihr Grundsatz: Mit wenig Farbe viel Effekt erreichen. Teile ihres Kostüms hat Kerstin Hirsch selbst geschneidert. „Aber eine Maske kann ich nicht tragen. Da krieg ich die Krise“, gesteht ihr Begleiter. Dabei gewann er voriges Jahr den Preis für die schönste Herrenmaske. Und zwar als abgewandeltes Phantom der Oper. Doch schon da hatte er den Visagisten spontan eine Version aus Make-up zaubern lassen. Das plante das Paar dieses Mal von vornherein ein und meldete sich bei Stylist Andrej Baranow an, der im Foyer ein kleines Schminkstudio aufgebaut hat. „Der Vorteil ist: Die Schminke hält auch eine Weile“, sagt Kerstin Hirsch.

Die beiden nehmen die Kreativität beim Radebeuler Maskenball wichtig. „Das Theater gibt sich so eine Mühe. Als Dankeschön wollen wir wenigstens dem Thema entsprechen“, so Michael Hänsel. Allerdings macht er keinen Hehl daraus, dass er gern seinen Titel verteidigen möchte.

Mitbewerber gibt es reichlich unter den 350 Gästen. Die Veranstaltung ist – wie bei der Premiere schon – restlos ausverkauft. Und keiner lässt sich nicht irgendwie aufs Motto ein. Das macht es den Juroren recht schwer. Bereits nach einem ersten Blick in die Massen stellen Anett Friese und Irina Steiner fest: „Es wird schwerer als vergangenes Jahr. Diesmal haben deutlich mehr das Thema beachtet.“ Das da lautet: Lasst die Puppen tanzen. Besonders freut sie, dass viele Paare im Partnerlook kommen. Ab 22.30 Uhr nehmen sie mögliche Favoriten genauer in Augenschein. Gegen Mitternacht verkünden sie die Sieger.

Zu diesen gehört – neben den Japanern und Harlekins – eine nicht zu übersehende Lady mit Opernbühne über dem Haupt. Kerstin Kahnert aus Dresden hat ihre Maske nach oben hin erweitert und befestigt, um daran eine freischwingende Bühne anzubringen. Diese zeigt eine Aufführung von Mozarts „Die Zauberflöte“, mit allen Charakteren als Papierfiguren. Selbst an die Bühnenbeleuchtung ist gedacht. Die Batterie versteckt die Tanz- und Theaterpädagogin an einer privaten Grundschule bei sich am Hinterkopf. Ertüftelt hat sie alles allein. An reiner Arbeitszeit kamen sechs Stunden zusammen. „Aber das Material zu beschaffen, war kompliziert“, erzählt sie. Von der Veranstaltung ist Kerstin Kahnert nun richtig begeistert: „Hier ist mehr los als beim Semperopernball“, jauchzt sie.

Dass der Maskenball kommendes Jahr wieder stattfindet, ist bereits gesetzt. Auch das Motto für den 4. Februar 2017 steht schon fest: „Eine märchenhafte Ballnacht“.

Tickets für 2017 unter [email protected] Sie kosten zwischen 25 und 110 Euro.