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Nachtskaten startet ausgedünnt in die Saison

Der Sponsorenschwund ist nur ein Problem des Fördervereins. Die Initiatoren reagieren mit neuen Ideen.

© André Wirsig

Von Juliane Richter

Voller Vorfreude blickt Hans-Jürgen Burkhardt auf den 9. Mai. Dann startet das Dresdner Nachtskaten in seine 17. Saison – und Burki, wie er von allen genannt wird, ist wieder ganz vorn mit dabei. Seit Beginn des Nachtskatens 1998 fährt Burki den Lautsprecherwagen und sorgt für die richtige Musik bei der Sportgroßveranstaltung. 80.000 Titel umfasst seine Sammlung. Egal, ob tschechischer Schlager oder afrikanischer Rock, er hat alles auf Lager.

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Doch neben der Vorfreude spürt der 61-Jährige in diesem Jahr auch ein wenig Wehmut. Denn erstmals, seitdem es das Nachtskaten gibt, können die Skater nicht jeden Freitag im Sommer auf die Strecke gehen. Stattdessen rollen die Sportler nur noch alle zwei Wochen durch die Stadt. Insgesamt an acht Terminen von Anfang Mai bis Ende August. Grund dafür ist laut der stellvertretenden Vereinschefin Barbara Lässig, dass finanzielle Probleme dem Förderverein arg zusetzen. „Zwei Sponsoren sind uns weggebrochen, die wir über den Winter nicht ersetzen konnten. Zudem haben andere Sponsoren ihre Zahlungen verringert“, sagt die 57-Jährige. Das macht in diesem Bereich etwa 20 Prozent weniger Einnahmen aus. Hinzu kommt, dass das Finanzamt nachträglich für die vergangenen Jahre knapp 14.000 Euro von dem Verein gefordert hat. So mussten die Nachtskater plötzlich Steuern auf bestimmte Sponsorenartikel oder den Skaterpass zahlen. Den gab es bisher für drei Euro. Am Ende der Saison konnten die Skater ihren Pass abgeben, erhielten dafür ein Zertifikat und über eine Verlosung manchmal noch kleine Präsente. Weil wegen dieser Präsente Steuern anfallen, wurde die Verlosung nun abgeschafft. „Wir sind ja Nachtskater und keine Geschenkeverteiler“, sagt Lässig.

Sie ist wegen der unerwarteten finanziellen Belastungen frustriert. Weil die Teilnahme am Nachtskaten auch in Zukunft kostenlos bleiben soll, muss der Verein an anderer Stelle zu Geld kommen. Deshalb wird der Preis für den Skaterpass auf fünf Euro erhöht. Zudem gibt es die Aktion „1.000 Sterne für das Nachtskaten“. Damit können die Sportler für einen Mindestbetrag von 25 Euro Mitglied im Förderverein werden. Bei 1.000 Mitgliedern macht das 25.000 Euro. Die würden die Kosten für die neue Saison nahezu decken. Denn laut Vereinschef Mattheo Böhme kostet eine vollständige Saison, mit Skatebetrieb an jedem Freitag, etwa 50.000 Euro. Bisher ist die Zahlungsbereitschaft der Teilnehmer allerdings gering.

So sind im vergangenen Jahr etwas mehr als 1.000 Euro an Spenden eingegangen – bei insgesamt rund 28.000 Teilnehmern an 15 Nachtskate-Terminen. In den vergangenen Jahren hat sich die Teilnehmerzahl an einem Freitagabend bei etwa 2.500 Skatern eingepegelt. „Wir haben aber festgestellt, dass die Skater mittlerweile andere Wünsche an die Veranstaltung haben“, sagt Barbara Lässig. Vielen seien die Strecken zu lang und zu schnell. Auch größere Steigungen oder Gefälle wollen viele nicht fahren. Deswegen bietet der Verein in diesem Jahr eine neue Strecke an.

Neue Kurzstrecke im Angebot

Diese wird erstmals ein acht Kilometer langer Rundweg durch die Innenstadt sein, bei der die Pause am bekannten Startpunkt an der Lingnerallee stattfindet. Wer nur die acht Kilometer schafft, kann hier aufhören. Alle anderen drehen danach eine zweite Runde, sodass insgesamt 16 Kilometer zusammenkommen. Die anderen drei Strecken, die es in diesem Jahr geben wird, sind auch verkürzt worden. Die Kautasit-Strecke ist 20 Kilometer lang und führt in den Dresdner Osten. Nur einen Kilometer kürzer ist die Strecke, bei der die Skater erneut durch die Einkaufsmeile des Elbeparks fahren. Zudem gibt es noch die Stadtreinigungsstrecke mit 17 Kilometern Länge, die auch wieder über die Waldschlößchenbrücke führt. Bei allen Strecken achten die Organisatoren darauf, dass möglichst wenige Straßenbahngleise und Schlaglöcher auftauchen. Wenn das doch mal der Fall ist, warnt Hans-Jürgen Burkhardt die Skater vor. Gut 1.400 Watt Leistung bringen die Lautsprecher, die er für das Nachtskaten auf seinen Transporter montiert. Darüber gibt er zum einen nützliche Tipps zur Strecke und spielt andererseits alles, was sich die Skater so wünschen. Pro Jahr bekommt er an die 160 Wunschtitel per E-Mail übermittelt. Bei besonderen Anlässen gestaltet er auch mal einen ganzen Themenabend. Als Superstar Madonna ihren 50. Geburtstag gefeiert hat, gab es gleich mehrere ihrer Nummer-eins-Hits zu hören.

Die afrikanische Rock- und Popmusik hat er sich wiederum anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika im Jahr 2010 besorgt. Insgesamt hat Burki seit 1998 nur vier Nachtskaten verpasst. Sein bekannter, alter Musikwagen ist erst vor Kurzem dem Rost zum Opfer gefallen. Nun hat er einen neuen weißen Transporter. Das Zubehör im Wagen ist bereits montiert: Dabei eine Eigenkonstruktion aus Holz, die als Halterung für das Mischpult und den Laptop dient. Selbst auf Rollen steht der 61-Jährige in Dresden selten. Dennoch sagt er: „Das Nachtskaten mitten in der Stadt ist etwas ganz Besonderes. Das hat wirklich Flair.“