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Nachtwächter ist wieder zu Hause

Pirnas Original Wolfgang Bieberstein ist von Krupka in Böhmen zu Fuß zurück in seine Heimatstadt gelaufen. Am Dienstagmittag war er wieder da.

© Daniel Förster

Von Daniel Förster

Pirna. Wie sein Vorgänger vor 260 Jahren im Siebenjährigen Krieg – so wollte der heutige „Pirnaer Nachtwächter“ Wolfgang Bieberstein (70) von Krupka aus nach Pirna laufen. Damals war der Nachtwächter entführt und ins Böhmische verschleppt worden.

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9 Uhr am Montag stiefelte Bieberstein an der Kirche unterhalb der Burg in Krupka los. Knapp 50 Kilometer Wegstrecke warteten auf ihn. Bereits am Mittag war er auf dem Mückentürmchen, er überquerte später nahe Dorf Müglitz (Ortsteil von Altenberg) die Grenze und marschierte weiter nach Liebenau. Unterwegs freute er sich über Begegnungen mit Menschen und Geschichten.

Alles auf der Rückwanderung wollte er dem Zufall überlassen. Nach 37 Kilometern kam er am Montagabend bis Gersdorf (Gemeinde Bahretal). Gersdorf? Da war doch was. „Meine Hellebarde, mit der ich seit 2009 unterwegs bin, ist original aus Gersdorf. Sie stammt von dem letzten tatsächlichen Nachtwächter dort. Der hat sie bis 1923 getragen“, erzählt Bieberstein. „Seine Urenkelin fand die Hieb- und Stichwaffe eines Tages auf dem Boden des Bauernhofes und hat sie mir vermacht …“

In Gersdorf bot ihm nun ganz spontan Familie Niendorf Unterkunft. „Ich schlafe in einem Holzhaus. Sie haben mir ihr Fremdenzimmer gegeben“, meldete sich Wolfgang Bieberstein von dort aus. „Nach dem ersten Tag habe ich bereits zwei Drittel der Tour geschafft. Das hätte ich nicht gedacht. Ich habe mich immer an der Alten Teplitzer Poststraße orientiert. Beeinträchtigt durch die Autobahn, bin ich einige Kilometer länger unterwegs.“

Er hatte kalkuliert, dass er am Dienstag, kurz nach dem Mittag, zurück in Pirna sein würde. Schließlich hatte er auf seiner ersten Etappe den Großteil der Wegstrecke bereits hinter sich gelassen. Zwölf Kilometer waren es noch bis nach Hause. Gegen 11 Uhr hatte er am Dienstag Pirna vor Augen. „Der erste Mensch, der mir bei der Annäherung an Pirna begegnete, war Reinhard Dreßel, ein Bekannter, der beim Touristservice arbeitet. Am Heideberg vor Dohma kam der mit dem Fahrrad an und wollte nach Gersdorf, wo ich gerade herkam. Dem habe ich erzählt, dass ich im Wald dem Biest begegnet bin und nach dem Märchen die Schöne und das Biest muss ich ja den ersten Menschen, der mir aus meiner Stadt begegnet, opfern und zum Biest schicken …“

Am Ortseingang Zehista hätte Bieberstein erst mal einen Kulturschock bekommen – „von der endlosen Autolawine, die dort um die Kurve fährt“. Gern wäre er noch kurz auf ein Bierchen in den Gasthof eingekehrt. „Die Gaststätte war jedoch noch zu. Sein Weg in die Stadt führte ihn über den Kohlberg. „Von dort habe ich auf meine Heimatstadt geschaut.“ Zurück in der Altstadt, steuerte er geradewegs auf den steinernen Torwächter am Dohnaischen Tor zu. An der Skulptur am Dohnaischen Platz meldete er sich zurück. „Meine Füße würden mich noch weiter tragen. Der Marsch hat mir ausgesprochen gutgetan. Ich fühle mich besser als vorher und mindestens fünf Jahre jünger.“