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Nächster Schritt für mehr Ärzte

Das Ärztenetz Ostsachsen kümmert sich um Mediziner in Ausbildung und um mehr Unterstützer dafür in Dresden.

© André Schulze

Von Thomas Staudt

Niesky. Das ist ein Lungenfunktionsgerät, erklärt Marion Dünzel und deutet auf ein kurioses, knapp mannshohes Gerät, das mit den Glasscheiben ringsum an eine Telefonzelle erinnert. Die Fachärztin für Pulmologie aus Niesky hält freundlich die Tür auf und bittet Barbara Klepsch, Platz zu nehmen. Das tut die Sozialministerin denn auch, während Ministerpräsident Michael Kretschmer sein Handy zückt und den Moment für die Ewigkeit festhält. Aber eigentlich sind die Politiker nicht zum Spaß hier. Das Thema ist ernst. Es geht um die Ärzteversorgung. Niesky gilt als unterversorgt.

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Das Ärztenetz Ostsachsen will genau das ändern. Deshalb ist Hans-Joachim Tauch, der das Netzwerk von über zwanzig Ärzten koordiniert, bei diesem Praxisrundgang dabei. Seine Strategie der Ärztegewinnung ruht auf drei Stützpfeilern. Über die direkte Ärztewerbung hinaus setzt er auf den Zuzug von Ärzten aus dem Ausland. Zunehmend wichtiger wird die Werbung von approbierten, also fertig ausgebildeten Ärzten, die ihre Facharztausbildung noch vor sich haben. Bereits etablierte Ärzte mit einer festen Stelle, einer bestimmten Position und womöglich einer Familie davon zu überzeugen, eine Stelle auf dem Land anzunehmen, sei schwierig. „Dann sind die wichtigsten Entscheidungen im Leben bereits getroffen“, so Tauch. Er will nun helfen, Weiterbildungsstellen in der Region zu vermitteln und hat dazu eine Umfrage in Auftrag gegeben, die die Hochschule Görlitz-Zittau an der Uni Dresden durchführen wird. Es geht dabei um Kriterien, wie Vergütung oder Wohnumfeld, anhand derer sich junge Ärzte für einen Klinikstandort entscheiden. Umfragen wie diese gab es bereits. „Aber noch nicht für Ostsachen“, sagt Tauch. Derzeit interessieren sich zwei approbierte Ärzte in den Fachbereichen Allgemeinmedizin und Psychotherapie konkret für eine Weiterbildung in der Lausitz. Dazu kommen acht ausländische Ärzte.

Für Barbara Klepsch hat das Netzwerk Vorbildcharakter. Sie will nun Unterstützung geben. Noch im April wird im Landtag über verbesserte Förderrichtlinien entschieden. Dann sollen die Koordinatoren von Weiterbildungsverbünden finanziell gefördert werden können und zusätzliche Ausbildungsstellen an Kliniken.

An der Situation von Marion Dünzel ändert das nichts. „Ich könnte mir einen Weiterbildungsassistenten überhaupt nicht leisten“, sagt sie. Für ihre Fachrichtung gibt es noch keine Förderung. Das nehmen Michael Kretschmer und Barbara Klepsch mit nach Dresden.