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„Russland und USA führen in Syrien verschiedene Kriege“

Eilt nach Russland auch der Iran Syriens Machthaber Assad militärisch zu Hilfe? Die Wahrscheinlichkeit sei groß, meint ein Moskauer Nahost-Experte.

© dpa

Interview: Wolfgang Jung

Moskau. Im Syrien-Konflikt kämpft Russland auch um seinen Einfluss in der Region, meint der russische Nahost-Experte Jewgeni Satanowski. Der Westen verschließe vor vielen Problemen in dem Gebiet die Augen, sagt der Präsident des Moskauer Nahost-Instituts in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Er erwartet in Syrien weder politisch noch militärisch einen Schulterschluss zwischen Russland und dem Westen.

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Der Kreml begründet die Luftangriffe in Syrien mit „nationalen russischen Interessen“. Welche Interessen sind das konkret?

Russland will mit seiner Präsenz im östlichen Mittelmeer auch gegen Versuche der USA vorgehen, Russland im Schwarzen Meer einzusperren. Zudem wird Russland nicht tatenlos zusehen, wie die USA mit Hilfe Frankreichs und Großbritanniens Regierungen stürzen. Diese Politik hat nämlich zur Folge, dass stabile Staaten zu Terroristengebieten werden. Drittens will Russland in Syrien einen Völkermord an Alawiten, Christen und sonstigen ethnischen Gruppen verhindern. Der Westen verschließt die Augen vor dieser Entwicklung.

Erwarten sie den Einsatz iranischer Soldaten in Syrien?

Ja, wenn die Lage dies erforderlich machen würde. Die Infrastruktur wie Flughäfen und Logistik ist reichlich vorhanden.

Wäre ein Kampf Russlands mit der westlichen Koalition besser?

Nein. Russland ist bereit, gegen die Terroristen zu kämpfen und will diesen Kampf nicht bloß vortäuschen. Die Türkei und Katar unterstützen aber den Islamischen Staat, und Saudi-Arabien hilft Al-Kaida - darunter Extremisten der Al-Nusra-Front. Die USA, Großbritannien und Frankreich helfen, einen Krieg gegen Präsident Baschar al-Assad zu organisieren, während sich alle anderen Mitglieder dieser „Anti-Terror-Koalition“ nach Kräften bemühen, so zu tun, als ob sie davon nichts wissen.

Werden sich Russland und der Westen auf ein Ende von Präsident Baschar al-Assad einigen können?

Das ist nicht die Frage, über die Russland mit dem Westen sprechen wird. Moskau hat andere Vorstellungen vom Völkerrecht. Russland meint, dass Assads Abgang ausschließlich ein Problem der Syrer ist. Dabei geht es aber nicht um Terroristen, sondern um diejenigen, die Probleme im Wahllokal lösen. (dpa)

ZUR PERSON: Jewgeni Satanowski (56) leitet seit 1993 das von ihm mitbegründete Nahost-Institut in Moskau. Der Experte mit einem Doktortitel in Wirtschaft lehrt auch an der Staatlichen Moskauer Hochschule für Internationale Beziehungen (MGIMO). In der Sowjetzeit arbeitete Satanowski in einem Stahlwerk. Sich selbst bezeichnet der verheiratete Vater zweier Kinder in Interviews als russischen Juden.