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Politik

Namibia lehnt Entschädigungsangebot ab

Deutschland will die Kolonialverbrechen wiedergutmachen und bietet dem Land Millionen an. Die Regierung lehnt das ab. Grund ist aber nicht das Geld.

Darsteller in Ketten demonstrieren die Behandlung von Hereros im Jahre 1904 durch Deutsche Truppen im heutigen Namibia bei einer Veranstaltung zum Gedenken an den Herero-Aufstand.
Darsteller in Ketten demonstrieren die Behandlung von Hereros im Jahre 1904 durch Deutsche Truppen im heutigen Namibia bei einer Veranstaltung zum Gedenken an den Herero-Aufstand. © Wiebke Gebert/epa/dpa

Namibia hat ein Entschädigungsangebot Deutschlands bei den Verhandlungen zur Aufarbeitung der Kolonialzeit abgelehnt. Das Angebot der Bundesregierung, zehn Millionen Euro als Wiedergutmachung zu zahlen, sei für Präsident Hage Geingob weiter "nicht akzeptabel", zitierte die Zeitung "The Namibian"  den Berater des Präsidenten, Alfredo Hengari.

Geingob selbst twitterte, er sei über den Stand der Gespräche informiert worden und habe empfohlen, die Verhandlungen fortzusetzen. "Wir bleiben beim Abschluss dieser Schlüsselmission konsequent", schrieb er.

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Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia und schlug damals die Aufstände von zwei Volksgruppen brutal nieder. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 der 80.000 Herero und mindestens 10.000 der 20.000 Nama getötet. Seit Jahren verhandeln beide Regierungen darüber, wie eine Wiedergutmachung aussehen soll. Zur Zeit wird die Aufarbeitung der Kolonialzeit in Namibia - der ehemals deutschen Kolonie Südwestafrika - auch durch die Coronakrise beeinträchtigt. Vertreter der Herero und Nama verlangen vom Bundestag eine Entschuldigung für zur Kolonialzeit begangenen Verbrechen sowie eine finanzielle Wiedergutmachung.

Hengari sagte der Zeitung zufolge, die deutsche Regierung habe zugestimmt, eine "bedingungslose Entschuldigung" an die namibische Regierung, ihr Volk und die betroffenen Gemeinden zu richten. Allerdings wolle Deutschland nicht den Begriff "Reparationen" benutzen. Stattdessen wolle man von "Heilung der Wunden" sprechen. Das namibische Verhandlungsteam halte diesen Begriff aber für unzureichend. (dpa)

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