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Narren halten Rödertal in Atem

Egal, wo die SZ-Reporter auf karnevalistischer Reise anhielten: überall volle Häuser, lustige Leute und Geisterhaftes.

© Bernd Goldammer

Bernd Goldammer

Rödertal. Was für eine verrückte Karnevalszeit. Gerade ist das Weixdorfer Prinzenpaar Heike die I. und Frank der I. aus Berlin zurückgekehrt. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten sie nämlich einiges zu klären. Dafür waren sie im Auftrag der gesamten sächsischen Karnevalisten unterwegs. Mitten im Kanzlerinnen-Gespräch erreicht sie eine schaurige Nachricht aus der Heimat. Weixdorf stehe Kopf, das Narrenvolk durchleide Angstzustände. Grund: Besorgte Bürger haben fliegende Bettlaken mit Halloween-Fratzen über der Röder aufsteigen sehen. Ortsvorsteher Gottfried Ecke soll die Nachricht gelassen aufgenommen haben. Dieser Spuk falle nicht in seine Verantwortlichkeit. Am 11.11. sei er vom Elferrat in den zeitweiligen närrischen Ruhestand versetzt worden. Bis Aschermittwoch gehe für ihn nichts.

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Als erste schickten Fischbachs Faschingsfreunde ihre Funken ins Rennen. Es wurde eine heiße Nacht.
Als erste schickten Fischbachs Faschingsfreunde ihre Funken ins Rennen. Es wurde eine heiße Nacht. © Bernd Goldammer
Das Langebrücker Prinzenpaar Michaela II. und Thomas I. war in unterschiedlichen Rollen zu sehen.
Das Langebrücker Prinzenpaar Michaela II. und Thomas I. war in unterschiedlichen Rollen zu sehen. © Bernd Goldammer
Im Saal des Ullersdorfer Dorfgasthofes boxten sich attraktive Amtssekretärinnen durch das Programm.
Im Saal des Ullersdorfer Dorfgasthofes boxten sich attraktive Amtssekretärinnen durch das Programm. © Bernd Goldammer

Weixdorf: Gute oder böse Geister ?

Wer die fliegenden Bettgewänder im Weixdorfer Umland gesehen hat, und was zuvor geraucht wurde, wird im Moment geheim gehalten. Fernmündlich hat das Prinzenpaar unverzüglich Ermittlungen eingeleitet. Berühmte Geisterbeschwörer legten sich auf die Lauer. Sie sahen nächtliches Geflatter über dem Dach des Hermsdorfer Gasthofes. Per Ferndiagnose wollten die Geisterermittler nicht bekannt geben, ob es sich um gute oder böse Geister handelt. „Wir sind hier nicht bei Facebook“, argumentierten sie, bevor sie ihre Dienstbesen anwarfen. Nur so viel stellten sie fest: Im Hermsdorfer Gasthof spukt es wirklich. Wahrscheinlich sind es die Weingeister. Gut oder böse? Die Dosis macht es! Geistergesetze begannen plötzlich zu wirken. Wo es spukt, da wollen die ganz großen Geister sein. Kein Wunder, dass der Hermsdorfer Saal am Sonnabend bis auf den letzten Platz gefüllt war. Doch schnell fiel dem geschulten Beobachter auf, dass hier niemand Angstschweiß auf der Stirn hatte, als das Programm begann. Wer jetzt wissen will, wie es weiter geht, sollte sich rasch um Eintrittskarten für die nächsten drei Veranstaltungsnächte bemühen.

Langebrück: Tanke ist der Hit

Im Langebrücker Bürgerhaus war Sonnabend „Fasching für Junggebliebene“ angesagt. Das Prinzenpaar der 51. Saison Michaela II und Thomas I wurde ebenso gefeiert wie der Elferrat. „Autowäsche, Pilsner, Sprit – Latollkas Tanke ist der Hit“ lautet das Motto. Natürlich ist hier das Super-Double von TV-Hausmeister Krause dabei. Spannung auch hier: Latollkas „Tanke“ wird überfallen. Die Tätergruppe ist SZ unter dem Namen „Fuga“ bestens bekannt. Aber sehen Sie selbst! Am 6. Februar und am Rosenmontag sind weitere Veranstaltungen angesetzt. Es gibt noch Karten.

Fischbach: Die Bahnhofsgemeinde feiert

Fischbach ist das nächste Ziel der närrischen Winterreise. Hier geht es nämlich um Bedürfnisse von höchster Priorität. „Alle Narren feiern froh in Fischbach auf dem Bahnhofsklo“, so das Motto der Pappnasen. Im Saal des Dorfgemeinschaftshauses wurde ein „Fantasie Bahnhof“ und eine Dreisitzer BfTA 3 (Bahnhofstoilettenanlage) aufgebaut. Davor hatte sich Sonnabendnacht das Fischbacher Narrenvolk versammelt. An keinem anderen Ort wird deutlicher, wie ungleich die Geschicke des Lebens verteilt sind. Einigen herbeigeeilten Reisenden öffnet sich die Tür erst kurz vor der Katastrophe. Die Beckenplätze werden oftmals von hartleibigen Mitbürgern beansprucht. Stundenlang schinden sie sich. Trotzdem müssen sie unverrichteter Dinge davongehen. Fischbacher Toilettenengel erleben diese Gegensätze beinahe täglich. Schon deshalb können sie die Feierlaune gut verstehen, die die Bahnhofsgemeinde in ihrem Hause zusammenführt. In die Hauptrolle der obersten Toilettenwächterin ist Jörg Winkler geschlüpft. Sein Gewand ist aus erstklassigem Dederon. Sein Haar ist mit seidenen Tüchern verhüllt. Ortsunikum Olaf Umlauft hat die Rolle des Zugschaffners übernommen. Auf ihm lastet Verantwortung. Hebt er die grüne Kelle zu früh, ist die Fahrt für einsitzende Reisende zu Ende. Da ist närrische Obacht angesagt. Obwohl Fischbach keinen offiziellen Karnevalclub hat, wird hier das Epizentrum des sächsischen Lachens vermutet. Sachsens Landtagspräsident Mathias Rößler prüft das persönlich.

Ullersdorf: Ein verrücktes Amt

Und nur wenige Kilometer entfernt liegt Ullersdorf, das letzte Ziel der närrischen Winterreise. Auch hier hat Sonnabend die Heide gewackelt. „Wo Bürokratie sinnlos waltet, haben wir uns eingeschaltet. Wir bauen auf und ihr reißt nieder – wir feiern Fasching immer wieder!“, so das Motto der Saison. Das verrückteste Amt öffnet hier seine Pforten. Sonnabend lief die erste Folge „Amtseinführung“. Lange Gänge, unmotivierte Beamte und gefrustete Bürger. Die Abwicklung ihrer Begehren frisst sich immer wieder an weltfremden Formularen fest. Mit diesem Faschingsprogramm geht die Ära des traditionsreichen Dorfgasthofes zu Ende. Dafür entsteht hier eine schicke Turnhalle für die Grundschule. Hier wird man künftig auch sehr gut Fasching feiern können.