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Naschgarten statt Blumenrabatten

Seit drei Jahren säen, pflanzen und ernten die Oberschüler in einem Schulgarten. Der ist inzwischen preisverdächtig.

Nur für den Fotografen setzen Leonie (vorn) und Emma den Salat in ein Hochbeet des Schulgartens der Roßweiner Oberschule. Damit sie eine bessere Chance haben, die noch kalten Nächte zu überleben, bekommen die Pflanzen anschließend einen Platz im kleinen G © Dietmar Thomas

Roßwein. Felix schnappt sich die große Plexiglasscheibe, Emil die Leiter und Johannes sucht die Krampen zusammen, die verstreut im Gras liegen. Der Sturm hatte die Platte vom Gewächshaus des Schulgartens gerissen und über den Sanitärtrakt geschleudert. Am Boden ist dann wohl jemand draufgetreten. Bis Ersatz da ist, befestigen die Jungs die Platte wieder an ihrem alten Platz, sodass das Gewächshaus genutzt werden kann.

In dem bereiten zwei Mädchen auch schon den Boden vor, um anschließend den ersten Salat zu pflanzen. Am anderen Ende des rund 200 Quadratmeter großen Areals bekommt der Rhabarber eine schützende Hülle. Auch Tomaten sollen noch in Töpfen ausgesät werden.

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„Vom Säen bis zur Ernte“, beschreibt Mathe- und Ethiklehrerin Kerstin Schmiedchen das Ganztagsangebot Schulgarten. Der sieht allerdings ganz anders aus, als sie sich das ursprünglich vorgestellt hat. Auf der Fläche befand sich früher einmal ein Biotop. Als der zuständige Biologielehrer in Rente ging, kümmerte sich niemand mehr darum. Das Unkraut hatte freie Bahn.

„Weil ich selbst gerne gärtnere, hatte ich die Idee mit dem Schulgarten“, erzählt Kerstin Schmiedchen. Eine Blumenoase sollte es werden. Doch die Mädchen und Jungen wollten etwas zu essen. Und so wachsen auf drei Hoch-, einem ebenerdigen Beet, im Gewächshaus, an einem Spalier und auf dem Rasen unter anderem Stachelbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren, Erdbeeren, Wein, Tomaten, Gurken und Kräuter. 

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Zuletzt wurden Säulenobstbäume gepflanzt. An denen sollen einmal Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen hängen. Aus dem Blumengarten ist ein Naschgarten geworden. Denn die Mädchen und Jungen, die die Pflanzen gießen, dürfen die Früchte auch ernten. Kräuter und Gurken haben auch die Hauswirtschaftsschüler schon verarbeitet.

Manche Pflanze wird im Topf gezogen und das hat besondere Effekte. Zu dem Garten gehört ein Raum mit Fenstern zur Südseite. „So haben wir im Herbst die Töpfe mit den Paprika reingenommen und auf die Fensterbretter gestellt. Dort sind sie weitergewachsen und gereift. Den letzten Paprika haben wir nach Weihnachten geerntet“, erzählt die Lehrerin. Sie freut sich über die gute, sonnige Lage des Schulgartens und die Experimentierfreude der elf jungen Gärtner.

Beides passt zusammen. Denn die Schüler versuchen sich auch an Exotischem, wie Kiwis, Ananas und Zitronenbäumchen. Nur aus den Erdnüssen ist nichts geworden. Eine Fliege hat ihre Eier in die Pflanztöpfe gelegt und den Maden haben die Erdnüsse geschmeckt. Aber es wird einen zweiten Versuch geben.

Während sich die jungen Gärtner in der Schulzeit in den Gießdienst teilen, ist das Bewässern der Pflanzen in den Ferien schwieriger. Das soll sich mit moderner Bewässerungstechnik mit einer Zeitschaltuhr ändern. Deren Anschaffung ist durch einen Gewinn von 400 Euro bei einem Schulgartenwettbewerb möglich. Dabei haben die Roßweiner erst einmal die erste Stufe geschafft. 

Sie gehören zu den 30 Besten in Sachsen. Stufe zwei steht im September in Meißen an. Dort muss Kerstin Schmiedchen den Roßweiner Schulgarten in Wort und Bild präsentieren.


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