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Nationalpark geht auf Nummer sicher

Den Weg auf den Winterberg im Nationalpark Sächsische Schweiz ziert jetzt ein Stahlgeländer - die Freude darüber hält sich in Grenzen.

© Nationalpark

Von Gunnar Klehm

Bad Schandau. Aufmerksame Eltern nahmen hier ihre kleineren Kinder an die Hand, wenn diese auf dem Abschluss der Sandsteinmauer bergan stapften. Größere Kinder zeigten hier ihre Verwegenheit, immer bereit zum Absprung. Damit ist jetzt Schluss. Auf dem Wurzelweg von Schmilka hoch zum Großen Winterberg wurde der Mauer jetzt ein massives Geländer aus Stahl aufgesetzt. Der Sicherheit wegen.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

Es ist der ewig währende Konflikt, dass der Nationalpark Sächsische Schweiz eine Mischung aus Kultur- und Naturlandschaft ist. In der Stadt mag es übliche Praxis sein, Geländer und Leitplanken anzubringen. Doch dieser Weg liegt mitten im Nationalpark. Sollte in dieser geschützten Natur nicht auf solche Bauwerke verzichtet werden, wie es in den vergangenen Jahrzehnten auch der Fall war?

Der Sachsenforst sagt Nein. Der sächsische Staatsbetrieb hatte zuvor eine sogenannte Betriebsanweisung zur Verkehrssicherheit herausgegeben, teilt die Nationalparkverwaltung mit. Der Sachsenforst beauftragte Ingenieure, durch die Wälder zu stapfen und nach möglichen Unfallquellen Ausschau zu halten. Für die Stützmauer am Wurzelweg ergab sich daraus die Auflage: Geländer drauf, denn die Mauer ist mehr als 1,50 Meter hoch. „Anderenfalls kann bei einem Unfall ein Rechtsanspruch auf Schadensersatz entstehen oder es können Strafverfahren gegen Mitarbeiter eingeleitet werden“, heißt es aus der Nationalparkverwaltung. Einen vergleichbaren Fall habe es in den Schweden-Löchern bei Kurort Rathen gegeben. Dort war ein Besucher über eine angelegte Steinstufe gestürzt, weil sie schadhaft war. Er verletzte sich und machte Schadensansprüche geltend.

Gipfel unter Metall verschwunden

Problematisch ist an dem neuen Geländer, dass es zur Unzeit kommt. Gerade erst machten Wanderer ihren Ärger über die Verschandelung des Falkensteijns in der Böhmischen Schweiz Luft. Auf diesem Plateau wurden geradezu exzessiv Treppen, Leitern, Brücken und Stege aus Stahl angelegt. Die Gipfel ist unter 30 Tonnen Metall verschwunden. Aus Sicherheitsgründen, heißt es.

Die Stahlgeländer nehmen viel von der Romantik des Nationalparks. Das Geländer am Wurzelweg hat zwar eine viel kleinere Dimension als der Aufbau am Falkenstejn, landschaftsverändernd ist es trotzdem. Zumal insgesamt auf 300 Meter Länge Geländer aus verzinktem Stahl von einer Freitaler Firma aufgebaut werden. Das Material sei zuverlässig und langlebiger als etwa Holz. Die einzelnen Felder sind so gestaltet, dass sie leicht repariert werden können, falls mal ein Baum darauf fallen sollte. Um sich besser in die sie umgebende Natur einzupassen, sollen die Geländer noch olivbraun gestrichen werden. Das werde aber nicht sofort passieren. „Damit sich Farbe und Oberfläche besser verbinden, hat es sich bewährt, die Farbe erst nach rund einem Jahr aufzutragen“, erklärt die Nationalparkverwaltung.

Felskanten ohne Geländer

Der Weg ist die Anlieferstraße auf den Großen Winterberg, wo sich eine Bergwirtschaft mit Herberge befindet und eine Informationsstelle des Nationalparks. Erstere ist seit Herbst vergangenen Jahres geschlossen, weil die Betriebserlaubnis des Pächters erloschen war. Für den sonstigen Autoverkehr ist die Straße gesperrt. Die Stützmauer aus Sandstein gab es aber schon, bevor der Nationalpark gegründet wurde, in dem besonders strenge Regeln gelten.

Gefährliche Stellen gibt es in der Sächsischen Schweiz und dem Nationalpark naturgemäß jedoch zuhauf. Zahllose Wanderwege und Aussichtspunkte kommen ohne Geländer aus, obwohl sie sich an natürlichen Felskanten teilweise in luftiger Höhe befinden. „Dies prägt und verstärkt das Naturerlebnis bei vielen Wanderern. Bei natürlichen Felskanten soll dies dauerhaft so bleiben“, erklärt die Nationalparkverwaltung. Man werde sich bemühen, die Anzahl der Geländer so gering wie möglich zu halten. Im Fall der Mauer am Wurzelweg würden DIN-Normen aber ein Geländer zwingend vorschreiben.