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„Natürlich werden wir mitreden“

© Claudia Hübschmann

Der Meißener Kulturverein hat die Stadt beim Lenné-Preis ins Spiel gebracht, die schreibt sich das nun selbst auf die Fahnen.

Von Udo Lemke

Meißen. Was gehen kann, zeigte der jüngste Beschluss des Stadtrates zum Verkauf der Jahnhalle an die Bürgerstiftung Meißen, die dort ein Bewegungszentrum einrichten will. „Die Jahnhalle ist von Bürgern durchgekämpft worden, sie ist nicht von oben, aus der Stadtverwaltung, gefördert worden“, sagt Walter Hannot, der Vorsitzende des Meißener Kulturvereins. Und der will jetzt ein Projekt fördern, das von viel größerer Dimension als die Jahnhalle ist: Es geht um die mögliche Umgestaltung eines ganzen Stadtteils, nämlich des Triebischtals. Dazu hat der Kulturverein schon 2015 die Initiative ergriffen. Damals hat sein Gründungsmitglied, die Landschaftsarchitektin Astrid Zimmermann, beim Berliner Senat vorgeschlagen, das Thema Triebischtal in den renommierten Lenné-Wettbwerb aufzunehmen. Bei diesem können Studenten der Landschaftsarchitektur Projekte zu einem Thema erarbeiten. Hier hieß es: „Meißen – Neue Impulse für die Stadtentwicklung. Objektplanung für ein Freiraumsystem mit Parklandschaft entlang der Triebisch“.

Immerhin 22 Arbeiten wurden zu dem Thema eingereicht. „Sie zeigen alle Facetten von verrückt bis bodenständig, von visionär bis bieder. Entscheidend aus Sicht des Meißener Kulturvereins ist, dass der Stadt hiermit ein enormer Ideenfundus geliefert wurde, auf den sie unbedingt zurückgreifen sollte“, erklärt Walter Hannot. Und das will die Stadt auch tun. Ab Freitag werden Arbeiten von Preisträgern und weitere im Foyer des Rathauses ausgestellt. „Vom 28. April bis 1. Mai sind dann alle Originalarbeiten im Ratssitzungssaal zu sehen“, so Stadtsprecherin Katharina Reso. Und: „Wir freuen uns besonders, die jungen Preisträger in Meißen begrüßen zu dürfen, die Ihnen ihre Arbeiten persönlich vorstellen werden.“

Dass der Kulturverein, ohne den die Ausstellung nicht denkbar wäre, nicht erwähnt und nicht eingeladen ist, ärgert auch den stellvertretenden Vorsitzenden, Frank Buchholz, der selbst ausgebildeter Stadtplaner ist. „Natürlich werden wir mitreden. Es muss eine andere Kultur des Dialogs zwischen Bürgern und Stadtverwaltung geschaffen werden. Zivilgesellschaftliches Engagement wird in der Stadt nach wie vor nicht ausreichend gewürdigt.“ Dabei gehe es gar nicht so sehr darum, dass der Kulturverein als Initiator einer Idee gewürdigt wird, sondern generell darum, die Kompetenz der Bürger zu nutzen, einen Schatz, den Meißen besitzt, zu heben.

Konkret auf das Triebischtal bezogen, wünscht sich Walter Hannot, dass die Arbeiten zum Lenné-Preis eine breite Diskussion anregen, die in einen Masterplan für den Stadtteil einfließen. Immerhin werde 2029 das 1 100-jährige Jubiläum der Gründung der Markgrafschaft Meißen gefeiert. Da könne das Triebischtal im Zuge einer Landesgartenschau ein Teilgebiet sein.

„Die wundervolle Landschaft, in die Meißen eingebettet ist, ist ein großer Vorzug des Standortes, kann aber nicht alleine die Anforderungen und Bedürfnisse seiner Einwohner an gut nutzbaren und wohnungsnahen Freiräumen zufriedenstellen. Das ist ein Mangel, der schnell deutlich wird, sobald man sich in der Stadt aufhält, zumal aufgrund der baulichen Struktur in den innenstadtnahen Bereichen nur wenige Freiflächen zur Verfügung stehen“, sagt Landschaftsarchitektin Astrid Zimmermann. Mit dem ehemaligen Kohlelagerplatz verfüge die Stadt aber über große Potenziale zur Verbesserung der Freiflächensituation im Triebischtal. Genau das haben die Lenné-Preisträger aufgezeigt.