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Naturschutz ohne Hintergedanken

Der Sachsenforst ist auch für Nationalparks zuständig. Das bemängeln Grüne und Linke und machen einen Vorschlag.

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© Mike Jäger

Von Andrea Schawe

Kann ein Forstbetrieb auch effizienten Naturschutz leisten? Nein, da sind sich die Fraktionen von Grünen und Linken im Landtag einig. Sie plädieren in einem Gesetzentwurf dafür, die Verwaltung der Schutzgebiete in Sachsen neu zu organisieren. Künftig soll sie nicht mehr der Staatsbetrieb Sachsenforst betreuen, sondern das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Dazu gehören die Nationalparkregion Sächsische Schweiz, das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft sowie die Naturschutzgebiete Königsbrücker Heide und Gohrischheide/Elbniederterrasse Zeithain.

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Ein Großteil der Schutzgebiete in Sachsen ist Wald. In ihnen soll sich auf großen Flächen Natur entwickeln, sie sind auch Platz zur Erholung. „Die wirtschaftliche Nutzung der Flächen hat sich dem absolut unterzuordnen“, sagt Umweltpolitiker Wolfram Günther (Grüne). Die forstwirtschaftliche Ausrichtung des Sachsenforst kollidiere zunehmend mit dem Naturschutz. Der Staatsbetrieb muss Holz ernten und verkaufen. Der Wald muss Ertrag bringen. „Naturschutz ist betriebswirtschaftlich schwer positiv darstellbar“, sagt Kathrin Kagelmann, Sprecherin der Linksfraktion für ländliche Räume.

Seit 2008 liegt die Verantwortung für die vier Schutzgebiete beim Staatsbetrieb Sachsenforst. „Ein sächsischer Sonderweg“, sagt Kagelmann. In keinem anderen Bundesland verwaltet ein Forstbetrieb die Naturschutzgebiete – die Nationalparks seien direkt den Umweltministerien unterstellt. Das entspreche auch nationalen und internationalen Standards, so Günther. „Sachsen hat damit eine einzigartige Fehlsteuerung vorgenommen, die dringend korrigiert werden muss.“

Im Forstbetrieb sei der Naturschutz in den vergangenen zehn Jahren auf der Strecke geblieben. Im Nationalpark Sächsische Schweiz sind 2015 nur 81 der nötigen 283 Maßnahmen zum Erhalt umgesetzt worden – 29 Prozent. Das Gebiet hat seit 2009 einen Schutzstatus. In den Biosphärenreservaten der Oberlausitz sind es 26 Prozent, in der Königsbrücker Heide wurden 35 der insgesamt 83 nötigen Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt umgesetzt. „Das ist ernüchternd“, sagt die Linkenabgeordnete Kathrin Kagelmann. „Wir wollen, dass eine Naturschutzbehörde die Großschutzgebiete unter neuer Prioritätensetzung verwaltet.“ Statt des Nutzens soll der Schutz im Vordergrund stehen.

Auch bei den Vorhaben zur Entwicklung der Naturschutzgebiete wurde nur ein Teil realisiert – zwischen 25 und 64 Prozent. Dazu zählt etwa, den Anteil von Totholz in einem Schutzgebiet zu vergrößern. Tote Bäume werden dafür möglichst im Wald gelassen, ihre Höhlen und Faulstellen dienen als Lebensraum. Das sei ein natürlicher, dynamischer Prozess, der über einen langen Zeitraum ein „Nichtstun“ erfordert, heißt es aus dem sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft.

Die Einschätzung, beim Sachsenforst hätten betriebswirtschaftliche Interessen den Vorrang vor Naturschutzaufgaben, sei falsch, sagt Ministeriumssprecher Frank Meyer. Als oberste Naturschutzbehörde habe das Umweltministerium die direkte Fachaufsicht und sei weisungsberechtigt. „Erträge aus wirtschaftlicher Tätigkeit spielen in den Großschutzgebieten keine maßgebliche Rolle“, sagt Meyer. Im Umweltministerium sehe man keine Konflikte, nur Synergien. Die würden bei einer Umsetzung des Gesetzentwurfes verloren gehen. Im Staatsbetrieb Sachsenforst sei eine „einheitliche Zuständigkeit für die naturschutzfachliche, forstliche und jagdliche Bewirtschaftung der landeseigenen Flächen gegeben, ohne dass dabei forstliche oder forstwirtschaftliche Fragen in den Vordergrund rücken“, so Frank Meyer. Es sei ein intensiver fachlicher Austausch zwischen den „Förstern“ und „Naturschutzmitarbeitern“ gegeben. Die Umsetzung der Naturschutzziele sei auf einem guten Stand. Die Königsbrücker Heide soll etwa als erstes deutsches Wildnisgebiet nach internationalen Kriterien anerkannt werden.

Auch die CDU-Fraktion lehnt die Umstrukturierung ab. Der Staatsbetrieb leiste eine hervorragende naturschutzfachliche Arbeit, so Andreas Heinz, der agrarpolitische Sprecher.