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Nazikeule gegen Narrenhäusel

Die Kritik richtet sich gegen den Umbau zu Nazizeiten. Der Investor reagiert mit einem klaren Nein an jegliche Tümelei.

© Möbius/ Deutsche Fotothek Dresden

Von Lars Kühl

Das Dresdner Baugeschäft Max Wiessner will das Narrenhäusel als historisch anmutendes Gebäude an der Neustädter Seite der Augustusbrücke neu bauen. Der Stadtrat entscheidet auf seiner Sitzung am Donnerstag endgültig darüber. Oder doch nicht? Der Punkt steht jedenfalls als letzter im öffentlichen Teil auf der langen Tagesordnung. Ein Aufschub aus Zeitgründen ist also nicht ausgeschlossen.

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Freuen würden sich die Kritiker des Projektes. Während der federführende Finanzausschuss mehrheitlich den Verkauf und die Ausschreibung des Grundstücks vorschlägt, gibt es auch Gegenstimmen. Zu denen zählen die Linken. Und die brachten am Mittwoch einen eigenwilligen Einwand. Sie nehmen Bezug auf die Formulierung „wie vor der Zerstörung“ in der Vorlage und diese auch wörtlich. Das Narrenhäusel wurde seit seiner Ersterrichtung im 18. Jahrhundert mehrfach umgebaut, aufgestockt und erweitert. So auch 1936 und 1937, als das Gebäude zum Restaurant wird und unter anderem Fensterläden bekam. Veranlasst hatte die Modernisierung Ernst Zörner. Jener Nationalsozialist der ersten Stunde, der 1933 auf Geheiß Adolf Hitlers Dresdens Oberbürgermeister wurde.

Tilo Wirtz, Linken-Stadtrat und baupolitischer Sprecher der Partei, bescheinigt dem Gebäude nach der Umgestaltung einen „zeitgemäßen Heimatschutzstil, dessen revuekulissenhafte Anmutung nur wenig mit Dresdner Barockhäusern zu tun hatte“. In dieser Form fiel das Narrenhäusel 1945 den Bomben zum Opfer. Bei einer Entscheidung pro Wiederaufbau bestehe „die Gefahr eines Griffs ,ins Braune‘“. Ein Nazi-OB würde ein Denkmal bekommen. „Es sollte gut überlegt werden, ob mit der kritiklosen Rekonstruktion eines Projektes der Volksbespaßung aus der Nazizeit eine dunkle Zeit unzutreffend idyllisiert und damit verharmlost wird“, sagt Wirtz.

Frank Wiessner, der seine Firma in der fünften Generation führt, findet die Diskussion schade und versteht die Argumentation überhaupt nicht. Seine Familie habe früher Probleme mit der Nazi-Herrschaft gehabt, genauso im Übrigen, wie sie später unter den Repressalien der Kommunisten litt. Allen Befürchtungen beim Wiederaufbau tritt er entgegen. „Vorbild für mich ist ein Foto um 1900.“ Die Fensterläden, die auf aktuellen Visualisierungen auftauchen, könnten weggelassen werden. „Und wenn es gewünscht ist, baue ich auch das barocke Dach wieder.“