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Nazis waren nie „Indianerfans“

Darf man Künstler und Werk so voneinander trennen? Ein Kommentar von Dominique Bielmeier.

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Dominique Bielmeier
Dominique Bielmeier © Archiv/Claudia Hübschmann

Elk Eber mal mit Adlerfeder am Kopf, mal neben einem kleinen Tipi in seinem Atelier, dann in einer Reihe mit echten Indianern in München. Die Bilder, die Volkmar Göschka in seinem Vortrag am Freitag präsentierte, waren eindrucksvoll. Fast eine Stunde lang berichtete der Hobbyforscher aus dem Leben des Malers, die Zuhörer – manche in Fransenwesten oder mit Cowboyhut auf dem Kopf – hörten gebannt zu.

Göschka hatte gleich zu Beginn gesagt, es sei eine Tatsache, dass Eber Nationalsozialist war. Dieser Aspekt seines Lebens solle heute aber keine Rolle spielen. Und so entstand schnell ein Bild von Eber als Indianernarr, begnadeter Künstler, Naturfreund. Nicht wenige dürften ergriffen gewesen sein, als Göschka das letzte Bildnis Ebers zeigte, das je gezeichnet wurde: der erst 49-Jährige auf dem Totenbett.

Darf man Künstler und Werk so voneinander trennen? Ich finde nein, auf keinen Fall – und andererseits: ja, unbedingt. Ja, weil Ebers Werke zweifellos künstlerischen Wert haben, der über den Entstehungskontext hinausgeht. Gemälde wie die Custer-Schlacht bereichern ein Museum, das sich (auch) der Geschichte der Indianer widmet.

Völlige Geschichtsvergessenheit darf man sich aber im Kontext der Blut-und-Boden-Ideologie keinesfalls leisten. Elk Eber war nicht einfach ein „Indianerfan“, wie es sie heute zuhauf gibt. Auch das Indianerbild unterlag der NS-Ideologie: „Für viele Nationalsozialisten galten die Indianer als Symbol einer bedrohten Rasse im Kampf um Lebensraum und nationale Einheit.“ Mit diesem Satz hatte das Überseemuseum Bremen einst Ebers großes Gemälde, damals Leihgabe, eingeordnet. Das Karl-May-Museum tut gut daran, diesen Aspekt nun aufzuarbeiten.