merken

Nebelschütz gewinnt Hauptpreis

Ziel des Wettbewerbes ist es, Orte von innen nachhaltig wachsen zu lassen. Die Grüne Woche in Berlin gab den Rahmen für die Auszeichnung der besten Ideen.

© Andreas Kirschke

Von Andreas Kirschke

Anzeige
Auf den Spuren des „Weißen Goldes"

Erhalten Sie am 23.11. exklusive Einblicke in die Meissner Porzellanwelt. Jetzt zwei Tickets zum Preis von einem sichern!

Nebelschütz. Gilles Bultel fährt oft weite Wege. Seit 1992 begleitet der Architekt aus Albig (bei Mainz) die Gemeinde Nebelschütz als Dorfplaner. Flächennutzungsplan, Bauvorhaben, Ortsentwicklung und weitere Themen sind dem Franzosen Herzenssache. „Ich freue mich sehr für die Gemeinde. Sie ist stets offen für Weiterentwicklungen. Sie geht sorgsam mit der Natur, Landschaft und Bausubstanz um“, sagte der Dorfplaner jetzt auf der Grünen Woche in Berlin. Zusammen mit Bürgermeister Thomas Zschornak, Gemeinderat Silvio Reineke und Chronist Helmut Schippel nahm er die Ehrung im Bundeswettbewerb „Kerniges Dorf“ 2017 entgegen.

Dieser fand nach 2013 und 2015 zum dritten Mal statt – ausgerichtet vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Nebelschütz gewann in der Rubrik „Kernig und stabil: kleine Dörfer“. Das Preisgeld beträgt 2 000 Euro. Laudatorin Dr. Julia Rumpf, Vorsitzende des Vereins Agrarsoziale Gesellschaft: „Durch öffentliche und private Initiativen ist in Nebelschütz eine nachhaltige Dorfentwicklung gelungen, die eine Umkehr der negativen Bevölkerungsentwicklung bewirkt hat.“ Die Jury würdigte den 418-Einwohner-Ort vor allem für die gelungene Ortskerngestaltung. Über Bürgerversammlungen, Arbeitskreise und Zukunftswerkstatt gelang die Einbindung der Einwohner. Das frühere LPG-Gemeinschaftsgebäude wurde 2000 zum Sport- und Gemeindezentrum umgebaut. Sportverein, Gemeinde, Bibliothek, Krabat-Büro, Jugendklub, Friseur und Dorfladen befinden sich dort. Im Herzen des Ortes steht heute die neue zweisprachige ökologisch-integrative Kindertagesstätte „Jan Skala. Barbojte kamuški“ (Bunte Stein-chen) in Trägerschaft des Christlich-Sozialen Bildungswerkes Sachsen. Vor allem natürliche Baumaterialien kamen zum Einsatz. Kinder, Erzieherinnen und Eltern konnten ihre Ideen einbringen. „Den alten Kindergarten haben private Investoren in ein Mietshaus mit fünf Wohnungen umgewandelt“, heißt es in der Wettbewerbsbroschüre „Kerniges Dorf“. Zahlreiche ortsbildprägende, große Höfe habe man durch Umbau und Sanierung erhalten und wiederbeleben können. Eine Gewerbeansiedlung sei der Gemeinde mit dem Handwerkerhof in der Ortsmitte gelungen. Eine weitere Nachnutzung erreichte die Gemeinde durch den Verkauf des ehemaligen Gutsbetriebes mit insgesamt 5,5 Hektar an eine junge Landwirtin und ihre Familie, die dort einen landwirtschaftlichen Direktvermarktungsbetrieb mit Erlebnisangeboten aufbauen wird.

Schon mehrere Preise gewonnen

Für die Gemeinde ist der Preis Ansporn und Ermutigung zugleich. In der Vergangenheit sammelte man schon gute Wettbewerbserfahrungen. So gewann Nebelschütz 2007 die Silbermedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ und 2008 den Europäischen Dorferneuerungspreis. Bürgermeister Thomas Zschornak: „Wichtig war für uns, immer wieder neue Ideen zu entwickeln, um die Lebensqualität für die Bürger zu verbessern.“ Rückkehrer, so betonte er, kämen nur, wenn sie tatsächlich eine Perspektive für ihre Familien sehen. Sehr anregend und bereichernd sei für ihn der Erfahrungsaustausch mit anderen Bürgermeistern gewesen. Die 2000 Euro Preisgeld will die Gemeinde für ein neues Förderprojekt einsetzen. Vorstellbar ist etwas im Bereich Marketing. „Wir könnten damit Flyer erstellen. Wir könnten damit unsere Internetseite der Gemeinde auch in Polnisch, Tschechisch und Englisch gestalten“, so Zschornak.

Der Bundeswettbewerb „Kerniges Dorf“ soll ermuntern, Leerstand in den Ortskernen zu vermeiden. Statt von außen sollen die Dörfer von innen wachsen. „Die Ehrung ist auch eine Wertschätzung für den Bauhof“, so Silvio Reineke, seit 1997 Verantwortlicher für den Bauhof und seit 2002 Gemeinderat in Nebelschütz. „Wir konnten viel bewegen in den vergangenen Jahren.“ Das reichte von der Ortsgestaltung über die Wiederverwertung von Altmaterial bis hin zur Unterstützung der Bildhauerwerkstatt im Miltitzer Steinbruch.