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Neid und Missgunst in Paris

Der Besitzer des Bayern-Gegners soll eine Million Euro geboten haben, damit künftig Superstar Neymar die Elfmeter schießt.

© dpa

Von Marco Mader

Es sind schwere Zeiten für die Scheichs aus Katar, die plötzlich feststellen müssen, dass mit Geld nicht jedes Problem zu lösen ist. Zwei Tage vor dem Prestigeduell in der Champions League mit Bayern München am Mittwoch unternahm Paris Saint-Germain einen weiteren Versuch, in der „l’affaire du penalty“ zwischen 222-Millionen-Mann Neymar und Edinson Cavani zu vermitteln. Aber Cavani pfiff drauf.

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Der stolze Uruguayer blieb dem von Trainer Unai Emery anlässlich des 33. Geburtstages von Kapitän Thiago Silva anberaumten Essen fern, wie übrigens auch Julian Draxler. Zuvor soll Cavani bereits ein Angebot von Vorstandschef Nasser Al-Khelaifi abgelehnt haben, ihm das Elfmeter-Vorrecht zugunsten Neymars für eine Million Euro abzukaufen. Der Strafstoßstreit zwischen den Superstars schwelt weiter.

Anstelle des bezaubernden Sommers, in dem Neymar PSG mit Tricks, Toren und Trikotverkäufen verzückte, ist ein grauer Herbst getreten. In der Mannschaft rumort es, das Fachblatt L’Equipe sieht die Autorität von Trainer Emery bröckeln. Einige etablierte Stars neiden Neymar dessen Gehalt – stolze drei Millionen Euro pro Monat plus geschätzte 20 Millionen an Prämien im Jahr. Dazu kommt, dass die katarischen Besitzer den Brasilianer hofieren und gleichzeitig über den Verkauf langjähriger Stützen nachdenken, um das Financial Fair Play zu erfüllen.

Die Explosion ereignete sich am 17. September vor den Augen eines Millionenpublikums. Beim 2:0 gegen Olympique Lyon forderte Neymar nach einem Elfmeterpfiff den Ball, doch Cavani bestand auf der Ausführung – und verschoss. In der Kabine kam es danach fast zu einer Prügelei, Neymar soll später den Verkauf des Rivalen gefordert haben. Seine über Silva verbreitete Entschuldigung war halbgar.

Cavani wies Nassers Millionen-Angebot mit den Worten zurück, Geld interessiere ihn nicht. Wenn der Verein mehr bezahlen wolle, bitte, aber die Elfmeter werde er weiter schießen, „da geht es auch um Würde“. So berichtete die Tageszeitung El Pais. Ebenfalls gescheitert sei Nassers Bemühen, Neymar zu bitten, die Sache zu vergessen. Der „König der Mannschaft“ müsse gnädig sein, bettelte der Scheich – vergeblich.

Am vergangenen Mittwoch startete schließlich Dani Alves, Neymars bester Kumpel im Team, einen Befriedungsversuch. Er lud ins Victoria ein, ein schickes Restaurant im XVI. Arrondissement, doch die Atmosphäre dort glich Beobachtern zufolge „einer Beerdigung“. Den Spielern sei schnell klar geworden, dass es hier nur um ein Spaßfoto für die sozialen Medien ging.

In dieser Gemengelage gab Paris beim 0:0 in Montpellier am siebten Spieltag der Ligue 1 erstmals Punkte ab. Neymar fehlte wegen einer Fußverletzung, die ihn aber nicht daran hinderte, zuvor in London mit Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton und ein paar Models Party zu machen.

Zu den Unzufriedenen gehören die beiden Deutschen. Draxler hat seinen Platz an Neymar verloren. Torwart Kevin Trapp ist „überzeugt, dass ich meinen Platz wieder besetzen werde“, gegen die Bayern spielt aber erneut Alphonse Areola. Und wer schießt im Fall der Fälle den Elfmeter? (sid)

TV-Tipp: Das ZDF überträgt am Mittwoch ab 20.45 Uhr. Danach die Höhepunkte von Besiktas Istanbul – RB Leipzig.