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Neißeradweg nach fünf Jahren wieder offen

Der Asphalt sorgt dafür, dass Tourenradler auch bei Dauerregen im Herbst und Frühjahr fahren können.

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© SZ Thomas Eichler

Von Mario Heinke

Grillwürstchenduft wabert durch dasNeißetal. Rund 20 Rentner genießen die Sonne im Freisitz vor der Fleischerei Engemann. Rosemarie Engemann huscht hin und her, die Bratwürste auf dem Holzkohlegrill sind durch und drohen zu verbrennen. Die angekündigte Promi-Radlergruppe hat sich verspätet. Im Fünf-Minuten-Takt radeln Touristen an der „Alten Wäscherei“ vorbei. Es hat sich herumgesprochen, der Oder-Neiße-Radweg zwischen Rosenthal und Kloster St. Marienthal ist wieder befahrbar. Seit Tagen nutzen Radfahrer und Wanderer bereits den beliebten Radweg.

„Die Leute haben lange darauf gewartet“, sagt Frau Engemann. Sie ist froh, dass der Radweg nun endlich fertig ist. Fast fünf Jahre nach der Verwüstung durch die Wassermassen der Neiße ist der Teilabschnitt zwischen Hirschfelde, Rosenthal und dem Kloster Marienthal in Ostritz wieder uneingeschränkt für Radfahrer und Fußgänger freigegeben.

Mit Beifall begrüßen die sonnenhungrigen Senioren Landrat Bend Lange (CDU), der ohne Fahrradhelm die aus Ostritz kommende Radlergruppe anführt. Er hat eine halbe Stunde vor dem Zieleinlauf in Rosenthal gemeinsam mit Zittaus Oberbürgermeister Arnd Voigt (Freie Bürger), Ostritz Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos), Schwester Elisabeth vom Kloster und anderen Kommunalpolitikern das blau-gelbe Band zur feierlichen Übergabe des Radweges am Bootssteg in St. Marienthal durchschnitten.

Etwas ungelenk steigt Ex-Bürgermeister Michael Hiltscher vom Rad und holt eine Flasche „Rotkäppchen“ aus der Fahrradtasche. „Für die Osteg“, sagt er und übergibt das Dankeschön an die Zittauer Baufirma. Der im Jahre 1994 von 30 ABM-Kräften erbaute Radweg ist nun in einem besseren Zustand als je zuvor, denn er ist auf der gesamten Länge mit Asphalt befestigt. Auch der Unterbau ist tragfähiger. Kontrollfahrten der Landestalsperrenverwaltung oder des Grenzschutzes sind so nun möglich. Die Versiegelung der Flächen wurde durch Ausgleichsmaßnahmen kompensiert, erklärt Marina Michel, Pressesprecherin des Landkreises. Die ebenfalls vom Hochwasser 2010 in Mitleidenschaft gezogene Kleingartenanlage in Hirschfelde ist zurückgebaut und rekultiviert worden. Zusätzlich wurde aufgeforstet und ein Laichgewässer angelegt. Rohr- und Amphibiendurchlässe unterhalb des Radweges, die den Anforderungen des Naturschutzes entsprechen, sollen künftig größere Wassermengen aus dem hangseitigen Klosterwald in die Neiße ableiten.

Insgesamt wurden 1,2 Millionen Euro in den drei Meter breiten und über 6,5 Kilometer langen Radweg und den Neubau zweier Stützwände sowie einer Böschung investiert. Erst im September 2013, nachdem nach jahrelangem Tauziehen die notwendigen Fördermittel durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) endlich genehmigt waren, konnten die Bauarbeiten beginnen – zunächst nur im Ostritzer Abschnitt. Über den 1,5 Kilometer langen Teilabschnitt auf Hirschfelder Flur gab es Unstimmigkeiten wegen der Förderung. Die ungünstige Erreichbarkeit des Bauabschnittes im Neißetal und die Naturschutzauflagen erschwerten die Arbeiten zusätzlich. Im Winter 2013 brach nach langem Frost ein Fels ab, sodass der Weg auch für Fußgänger gesperrt blieb. Zeitweise ist die Baustelle auch bewacht worden, weil Diebe immer wieder Diesel von den Baufahrzeugen abzapften oder Bauzäune mitgehen ließen. Die sechs Kilometer lange Umleitung führte über Dittelsdorf, Schlegel und Dittersbach.

Die Freude über die Fertigstellung des Gemeinschaftswerkes stand Politikern und Radlern gleichermaßen ins Gesicht geschrieben. So fanden die heißen Würste und die kühlen Getränke noch dankbare Abnehmer.