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Neonazis kündigen Geständnisse an

Die Mitglieder der Freien Kameradschaft Dresden machten wohl gemeinsame Sache mit der Gruppe Freital.

© dpa

Alexander Schneider

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Dresden. Die Anklage ist sehr ausführlich. Knapp eine Stunde lang verliest Oberstaatsanwalt Christian Richter von der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen die Vorwürfe gegen Robert S. (19) und Florian N. (27). Am Freitagmorgen beginnt ihr Prozess vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts Dresden. Die Männer müssen sich wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten – und für Landfriedensbrüche, gefährliche Körperverletzungen und Sprengstoffexplosionen.

S. und N. sind laut Anklage Mitglieder der Freien Kameradschaft Dresden (FKD), einer Gruppe mehrerer Dutzend Rechtsextremisten aus Dresden und Umgebung. Sie sollen sich im Juli 2015 gegründet haben, um gezielt Angst und Schrecken gegenüber Asylbewerbern und Andersdenkenden zu verbreiten. Ziel der FKD sei es gewesen, sie einzuschüchtern, zu bekämpfen und Flüchtlinge zu veranlassen, Deutschland zu verlassen. Bis zu ihrer Zerschlagung im November 2016 – seitdem sitzen die Angeklagten in Haft – soll die Kameradschaft ihr Unwesen getrieben haben. Dutzende Vorfälle wurden bekannt, angeklagt sind nur sieben konkrete Taten.

Zuletzt soll die FKD als „kleine Bürgerwehr“ im August 2016 beim Dresdner Stadtfest nachts gezielt Jagd auf Ausländer gemacht haben. Mehrere Männer aus Afghanistan und dem Irak wurden dort zum Teil schwer verletzt. Schon im August 2015 hätten sich S. und N. mit anderen FKD-Mitgliedern an den Krawallen vor einer Asylunterkunft in Heidenau beteiligt und Polizisten angegriffen. In der nächsten Nacht griffen sie in Dresden zwei Asylunterkünfte an – dafür ist S. als Jugendlicher bereits vor einem Jahr am Jugendschöffengericht verurteilt worden. Im Herbst 2015 sollen die Angeklagten an zwei weiteren Übergriffen auf Flüchtlinge beteiligt gewesen sein. Immer wieder spricht Staatsanwalt Richter gemeinsame Aktionen mit der Gruppe Freital an. Acht Angeklagte der Freitaler Neonazis stehen bereits seit März vor dem Oberlandesgericht Dresden. Ihnen wird die Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung und ähnliche Straftaten wie der FKD vorgeworfen, bis hin zum versuchten Mord.