merken

Nervenstarker Friedrich

Der Oberbärenburger Bobpilot gewinnt seinen ersten EM-Titel und Vierer-Bronze. Dabei läuft noch gar nicht alles rund.

© dpa

Von Frank Kastner

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Weltmeister Francesco Friedrich darf sich nun auch Europameister im Zweierbob nennen. Der Oberbärenburger gewann am Sonnabend in La Plagne als Weltcupsieger zugleich die parallel ausgetragene EM-Wertung. Mit Anschieber Martin Grothkopp hatte er vier Hundertstelsekunden Vorsprung vor dem Letten Oskars Melbardis. Gestern stockte er mit Vierer-Bronze seine Erfolgsbilanz auf.

Für beide der erste EM-Titel: Francesco Friedrich (r.) gewinnt mit seinem Anschieber Martin Grothkopp EM-Gold im Zweierbob. Gleichzeitig war es ein Weltcupsieg – und eine Empfehlung für die WM. © dpa

„Mit dem Start können wir nicht ganz zufrieden sein, umso mehr mit der Fahrleistung und dem Material. Es fehlte beim Start das Timing, und auch die Lauflänge stimmte nicht. Aber der Trend geht weiter nach oben“, sagte Friedrich, der im zweiten Zweier-Lauf etwas länger auf den ersten 50 Metern lief und sich um vier Hundertstel verbesserte. Genau diese Zeit rettete er als Vorsprung vor Melbardis ins Ziel.

Auf der holprigen Bahn in den französischen Savoyen, wo letztmals 2012 ein Weltcup stattfand, blieb Friedrich gelassen an den Lenkseilen und bewies im zweiten Zweier- und Vierer-Lauf mal wieder Nervenstärke. Nur der Rückstand am Start, eigentlich die Stärke von Friedrich, wurmte ihn: „Wir müssen uns jetzt noch etwas Athletik holen, dann können wir auch da wieder unsere Stärken ausspielen.“

Gestern raubte ihm ein kapitaler Fehler beim Einsteigen seiner Vierer-Crew alle Chancen auf ein Double. Mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang konnte Francesco Friedrich zumindest noch auf Rang drei vorfahren. Gegen den am Start überragenden und in der Bahn fehlerfreien Melbardis war er nach dem Patzer chancenlos.

„Uns ist da noch einmal ein Riesenlauf gelungen, wir sind deutlich Bestzeit gefahren im zweiten Lauf. Man sieht, es geht Woche für Woche vorwärts“, sagte Friedrich nach der Vierer-Entscheidung. Sein Cheftrainer Christoph Langen reagierte allerdings etwas enttäuscht auf die Startzeiten der Friedrich-Crew. „Damit kommen wir bei Melbardis nicht mit. Und schon gar nicht auf einer Starterbahn wie bei der WM in Winterberg“, stachelte Langen den Ehrgeiz des 24-jährigen Piloten an.

Eine Fahrt auf der Bremse

Friedrich war gestern jedoch schuldlos, als Martin Grothkopp beim Einsteigen im ersten Vierer-Lauf hängenblieb und somit das 630 Kilogramm schwere Gefährt aus dem Gleichgewicht brachte. „Der Bügel war eingeklappt. Es war gar nicht so leicht, überhaupt in den Bob zu kommen“, erklärte der deutsche Ex-Meister über 400 Meter. „Ich saß die gesamte Fahrt auf der Bremse.“

Das hatte Konsequenzen nach der Zieldurchfahrt. „Auf das Kommando vom letzten Mann im Bob müssen wir nach vorn rutschen“, erklärte Ex-Leichtathlet Grothkopp die Abläufe nach der Zieldurchfahrt. Das hatte in La Plagne nicht den sonst üblichen Effekt. „Ich kam nicht an den Bremshebel“, klagte Thorsten Margis und rauschte mit seiner Crew ziemlich ungebremst in den Mattenstapel im Zielauslauf. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden. „Wir sind am Ende ein bisschen angedockt“, beschrieb Grothkopp die neue Erfahrung.

EM-Debütant Nico Walther aus Riesa kam im Vierer auf einen bemerkenswerten vierten Rang. Im Zweier war der Ex-Rodler mit Marko Hübenbecker auf Platz sieben gelandet, was in der EM-Wertung Rang sechs bedeutete. Auf der Autofahrt nach Innsbruck zur nächsten Weltcup-Station konnten die Sachsen etwas feiern.

„Jetzt geht es Trainingstag für Trainingstag aufwärts“, sagte Friedrich mit einem Grinsen im Gesicht. „Das sind gute Zeichen für die WM in Winterberg. Wir sind wieder auf dem richtigen Weg.“ Dieser soll im Hochsauerland zur erfolgreichen Titelverteidigung führen. Die ist Friedrich nun wieder zuzutrauen. Es war der zweite Sieg des Sachsen in dieser Saison nach seinem Erfolg zum Auftaktrennen in Lake Placid. „Schwierige Wochen liegen hinter mir, ich mache ja nichts anders als sonst“, sagte der Oberbärenburger. „Man muss aus so einem Tief eben wieder herausfinden.“

Der Saisonfahrplan der beiden deutschen Spitzenpiloten weicht jetzt vom Standard ab: Francesco Friedrich wird wie Europameisterin Anja Schneiderheinze das Weltcupfinale in Sotschi auslassen. „Wir gehen da zwar hinsichtlich der Weltranglistenpunkte ein kleines Risiko ein, doch sie sollen sich gezielt auf die WM vorbereiten“, meinte Cheftrainer Christoph Langen, der aus dem Olympiadebakel vor einem Jahr seine Lehren gezogen hat.

Skeletonrennen abgesagt

Die Olympia-Bahn von 1992 war gewöhnungsbedürftig. „Die ist nicht optimal. Sie hat enorm viele Schläge drin“, beschrieb Anschieber Grothkopp den Eiskanal. Am Sonnabend war der Skeleton-Wettbewerb der Frauen vom Weltverband FIBT abgesagt worden. „Leider“, meinte die Suhlerin Sophia Griebel. Doch während die Bobs höher gebaut sind, bewegen sich die Köpfe der Skeleton-Pilotinnen nur wenige Zentimeter über dem Eis. „Die Bahn ist sehr ruppig, doch wir haben ja wenigstens noch eine Federung dazwischen“, meinte Friedrich. Die EM der Frauen wird voraussichtlich beim Weltcup in Innsbruck/Igls nachgeholt. Die Entscheidung der Männer war am Freitag in nur einem einzigen Renndurchgang gefallen. (dpa mit sid/SZ)

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.
Wahl-Special