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Nestlé-Produkte fehlen bald im Regal

Der Boykott durch Edeka wirkt sich auch auf Märkte in der Region aus. Die Kunden werden das aber erst später spüren.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia, Luca Sing und Stefan Lehmann

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Großenhain. Die Einkaufsgenossenschaft deutscher Kaufleute (Edeka) hat sich mit dem Lebensmittelriesen Nestlé angelegt. Seit Montag ist bekannt, dass so bekannte Marken wie Nescafé, Wagner-Pizzen oder Thomy Salatsoße aus den Regalen bei Edeka verschwinden könnten. Betroffen sind in der Großenhainer Pflege der Edeka-Markt Scheller am Großenhainer Kupferberg, Kico auf dem Hauptmarkt, die Einkaufsmärkte in Zabeltitz und Ebersbach sowie die Lebensmittelmärkte Hoffmann in Lauterbach, Laußnitz und Sacka.

Wie sehr werden Sie die Nestlé-Produkte vermissen?

Bei dem gegenwärtigen Preiskampf sollen nach und nach 160 Nestlé-Produkte vorläufig aus den Regalen verschwinden. Edeka bestellt die Produkte nicht nach und will Nestlé so zu Preissenkungen zwingen. Lücken bei Markenprodukten werden sich also auch im Großenhainer Land dieser Tage mehr und mehr bemerkbar machen. Wie lange der Streit der mit 50 Milliarden Euro Umsatz größten deutschen Supermarkt-Kette und dem weltweit wichtigsten Lebensmittelhersteller geht, ist nicht abzusehen. „Es geht um mehr als reine Preisdrückerei“, heißt es in Medienberichten. Edeka will von den Lieferanten nicht schlechter gestellt werden als die Konkurrenz.

Alternative Sorten im Angebot

„Wir sind eine Genossenschaft, wir stehen zusammen“, zeigt John Scheller vom Supermarkt am Großenhainer Kupferberg seine Sympathie für die harte Kante bei Edeka. „Wir können uns nicht alles gefallen lassen.“ Schellers Meinung zufolge nutze die Industrie ihre Marktstellung aus. Wie schnell Produkte nun nicht mehr im Laden stehen, komme auf den einzelnen Artikel an und ob er noch bei Edeka im Großlager sei. „In jedem Fall haben wir für den Kunden eine Alternative“, verspricht John Scheller. Statt Maggi-Produkten könne man zum Beispiel gleichwertige Artikel von Knorr kaufen. Auch bei der Babynahrung gäbe es genug andere Sorten.

Einige markenbewusste Kunden werde er aber wohl verlieren, vermutet Scheller. Vielleicht komme die Einigung ja schnell. Vom Boykott war auch im Gröditzer Edeka am Dienstag noch nichts zu spüren. „Das dauert wahrscheinlich noch etliche Wochen“, sagt Marktleiterin Babett van den Daele. Die Sache sei noch zu frisch, bisher seien noch alle Produkte auf Lager. Auch für die Kunden sei der Boykott folglich noch kein Thema – so wie in den Märkten in Nünchritz und Stauchitz. Im Zweifelsfall würden die Kunden wahrscheinlich einfach auf andere Märkte ausweichen, vermutet van den Daele. „Edeka ist ja nur ein Händler von vielen.“ Verramscht werden sollen die Produkte aber nicht. Die Schweizer Coop-Märkte, die Nestlé ebenfalls boykottieren, hatten angekündigt, die Restbestände teils drastisch reduziert zu verkaufen. „Dafür haben wir nicht genug Spielraum“, erklärt die Marktleiterin.

Bei Kico am Hauptmarkt in Großenhain ist die Nachricht vom Boykott noch nicht angekommen. „Momentan bekommen wir noch genug Nachschub von Edeka“, sagt Verkäuferin Birgit Wiesner. Eine offizielle Information sei noch nicht erfolgt. Die nächste Lieferung von Maggi-Fix-Produkten werde etwa für Donnerstag erwartet.

Während die Kunden gelassen auf den Boykott reagieren, gehen die Meinungen bei den Händlern auseinander. „Lebensmittel sind in Deutschland oft noch viel zu billig“, findet Manfred Engelmann, Chef der Edeka-Einkaufsmärkte Zabeltitz und Ebersbach. Qualität habe ihren Preis – da müsse man den Herstellern eben auch entgegenkommen. Dabei spricht aus Manfred Engelmann eher der Landwirt, der selbst Lebensmittelerzeuger ist.

Marco Hoffmann, Betreiber der Märkte in Sacka und Lauterbach, findet die Aktion dagegen gut. „Das ist nichts Außergewöhnliches, das hatten wir schon“, so Hofmann. Edeka biete immer noch ein riesiges Sortiment, sodass sich kein Kunde Sorgen machen müsse. „Der Laden steht deshalb nicht gleich leer“, unterstreicht der Händler. Er erwartet, dass günstigere Einkaufspreise für den Kunden und eine auskömmliche Gewinnspanne für die Einzelhändler erreicht werden. Edekas Bestellstopp sei letztlich gut für den Verbraucher.